Menschen

Das Antonius-Brot

Eine Spende für die Armen

Ganz unscheinbar ist der Opferstock in der Franziskanerkirche. Es ist das sogenannte Antonius-Brot, das unter der Skulptur des Heiligen Antonius in der Mauer eingelassen ist. Der Heilige Antonius ist einer der beliebtesten Heiligen.

Mit dem Antonius-Brot werden humanitäre Projekte finanziert, bedürftigen Menschen geholfen und Projekte des Ordens unterstützt“, erzählt Franziskanerpater Michael Hubatsch. „Früher gab es auch die Klostersuppen“, fügt er hinzu, „aber das gibt es in Füssen schon lange nicht mehr. Heutzutage kommen ganz wenige, die nach einer warmen Mahlzeit fragen. Das sind aber wirkliche Ausnahmen.“ Keine Ausnahme sind hingegen Menschen, die an die Pforte kommen und betteln. „Manche sind mit zwei Euro zufrieden, andere wiederum brauchen Geld, um ihre Tiere zu ernähren. Das sind meistens Zirkusleute. Die kommen sehr oft. Es gibt auch die professionellen, die mit einem großen Auto vorfahren und um eine Spende bitten. Man muss genau hinschauen, sonst kann man leicht ausgenutzt werden.“, so Pater Michael.

Besonders jetzt in der Weihnachtszeit rückt die Hilfsbedürftigkeit armer Menschen noch mehr in den Fokus. Auch in Füssen wird das Antonius-Brot verteilt. „Wenn Du Almosen gibst, dann sollst Du es nicht hinausposaunen. Es bekennt sich keiner, dass er arm ist oder Geld braucht“, erklärt der Pater. Wie viel Geld jährlich an Bedürftige geht, kann der Pater nicht sagen. Helfen und Nächstenliebe heißt hier das Gebot, und nicht die Summe.

Manchmal werden die eigenen Suppenküchen in Berlin-Pankow unterstützt, wo mehr als 400 Menschen täglich zum Essen kommen. „Wir sind dankbar, dass Menschen für das Antonius-Brot spenden, sonst könnten wir einige Projekte nicht stemmen. Wir konnten die Erdbebenopfer in Italien unterstützen oder auch die Christen in Syrien“, erzählt der Franziskaner.

Die alte Tradition des Antonius-Brotes beruht auf einer Begebenheit aus der Biografie des Heiligen Antonius von Padua. Der Legende nach habe eine Mutter, die in der Nähe der Baustelle der Basilika des Heiligen Antonius aus Padua wohnte, ihren zweijährigen Sohn allein in der Küche gelassen. Das Kind fiel beim Spielen in ein Fass voll Wasser. Kurze Zeit später fand die Mutter das Kind leblos auf. In der Verzweiflung betete die Frau zum Heiligen Antonius (geb. um 1195 in Lissabon, Portugal – gest. am 13. Juni 1231 in Arcella, heute ein Stadtteil von Padua in Italien), bat um Hilfe und versprach: Sollte das Kind überleben, dann würde sie den Armen so viel Brot schenken, wie das Kind wog. Der Heilige Antonius erhörte ihre Bitte – und die Frau hielt Wort. Sie schenkte dem Kloster so viel Brot, wie das Kind wog, damit es an andere arme Mütter verschenkt werden konnte. Diese einfache Episode war es, die dazu führte, dass das Antonius-Brot sich über Jahrhunderte etablierte, als Danksagung für das Gute, das einem widerfahren ist.

Auch heute noch wird in katholischen Kirchen auf der ganzen Welt das Antonius-Brot gesammelt und an die Armen verteilt. Dienstags findet in der Franziskanerkirche die Antoniusandacht statt, gleich im Anschluss an die Messe.

Text · Bild: Sabina Riegger

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