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Außerferner Hilfsprojekt eröffnet Waisenhaus

In der Ortschaft Hunomat in Nepal gibt es seit wenigen Tagen ein neues Waisenhaus, dank der unermüdlichen Arbeit ein paar engagierter Damen aus dem benachbarten Tirol. Mit den verschiedensten Projekten helfen Ulrike Jäger, Marlies Kerber und Hannelore Gnadlinger nun mittlerweile seit fast zehn Jahren, die Infrastruktur in einigen abgelegenen Dörfern in Nepal aufzubauen, um die zum Teil sehr schwierigen und spartanischen Lebensverhältnisse der Menschen dort erheblich zu verbessern.

„Angefangen hat alles bei meinem ersten Aufenthalt in Nepal 2009“, erzählt Ulrike Jäger. „Zu meinem fünfzigsten Geburtstag wollte ich etwas Besonderes machen. Eine gute Freundin hat mich dann nach Nepal begleitet, wo ich schon immer mal hin wollte. Dabei waren wir mit unserem Sherpa zumeist abseits jeglicher Touristenrouten unterwegs. Schließlich sind wir auf unserem Weg im Everest-Gebiet auf 2900 Metern in ein Dorf gekommen, in dem 38 Kinder unter verheerenden Zuständen in einer kleinen Schule lernten. Sie saßen auf dem kalten Lehmboden in einem Raum ohne Fenster und Türen, an den Wänden klebte der Schimmel, das hat uns fast das Herz zerrissen. Da haben wir uns entschlossen, den Kindern zu helfen.“

Zurück in der Heimat begannen die Damen aus Höfen und Forchach bei jeder Gelegenheit in der gesamten Region Geld zu sammeln. Gut ein Jahr später saßen die Frauen, mit rund 2000 Euro Spendengeldern und einer weiteren Mitstreiterin an der Seite, bereits wieder im Flugzeug.

Wenige Wochen später war das Klassenzimmer der Kinder mit neuen Fenstern und Türen ausgestattet. „Das Geld hat sogar noch für Bänke und Tische gereicht, sogar die Wände konnten wir renovieren sowie Holzböden legen. Die Kinder waren so glücklich, dass sie nun während des Unterrichts nicht mehr frieren mussten.“

Es blieb nicht bei dieser einzelnen Hilfe. „Natürlich wollten wir wieder nach Nepal zurück, zu viel gibt es dort zu tun. Dazu kam, dass wir in der Heimat auch weiterhin mit Geldspenden unterstützt wurden. So konnten wir in den darauffolgenden Jahren dann weitere Projekte realisieren, wie unter anderem der Bau einer Krankenstation in Deurali oder der Bau von Wasserleitungen im Jubu-Tal. Auch eine weitere Schule, die in desolatem Zustand war und in der etwa 300 Kinder nicht einmal ein Dach über dem Klassenzimmer hatten, haben wir renoviert.“

So ging es in den vergangenen Jahren von einem Projekt zum nächsten. Bis zu den schweren Erdbeben im Frühjahr 2015, die als die tödlichste Katastrophe in der Geschichte des Landes galt. „Uns war klar, wir müssen sofort helfen, egal womit und egal wie.“ Zahlreiche Menschen starben damals, viele wurden dabei zum Teil schwer verletzt, Kinder verloren durch das Beben ihre Eltern und wurden zu Waisen. Mit einem Kleinlaster, beladen mit Essenspaketen und den wichtigsten Hilfsgütern, machten sich die drei Außerfernerinnen auf in kleinere, zum Teil noch immer von der Außenwelt abgeschnittene Dörfer, um dort hunderte von Familien zu versorgen. Auch gut drei Jahre später sind noch immer viele Menschen, vor allem in den ländlichen Regionen, auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das aktuelle „Projekt Waisenhaus“ im Ort Hunomat wurde schließlich als weitere Hilfsmaßnahme gestartet.

Für dieses Vorhaben mieteten Ulrike Jäger, Marlies Kerber und Hannelore Gnadlinger ein eigenes Haus an, das nun vorerst sechs Kindern ein neues Zuhause bietet. Ein weiteres Waisenhaus soll demnächst in der Stadt Panauti entstehen. „Solche Hilfe zu leisten, wird mit einer Zufriedenheit belohnt, die man kaum in Worte fassen kann. Es ist ein Glücksgefühl, das man bei uns in Europa so nicht kennt. Das kann man nicht fühlen, wenn man es nicht selbst erlebt. Wir fliegen jedes Mal mit sehr viel Tränen wieder nach Hause.“

Unterstützt wird die gesamte Nepal-Hilfe mittlerweile von zahlreichen Firmen, Geschäften, Gastronomie-Betrieben oder Sponsoren und Nepal-Freunden aus dem Außerfern, wie auch aus dem Allgäu. „Wir freuen uns über jeden Euro, mit dem wir unterstützt werden“, lacht Ulrike Jäger. „Denn jeder einzelne Euro hilft den Menschen in Nepal.“

Text: Lars Peter Schwarz · Bilder: privat

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