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„Das „Allgäuer Dorf“ wird schon tot geredet, bevor wir überhaupt planen können“

Im Gespräch mit Füssens Bürgermeister Paul Iacob

Hitzige Debatten um das „Allgäuer Dorf“ stehen seit Wochen auf der Tagesordnung vieler Füssener Bürger und Bürgerinnen. So richtig kann sich niemand für das künstliche Dorf, das am Winkel der B310 und B16 entstehen soll, begeistern. Doch so viel Aufmerksamkeit, wie sie Füssen die letzte Zeit durch die Medien bekommen hat, gab es schon lange nicht mehr. Zuletzt beim Bau des Festspielhauses, seiner Eröffnung und der Absetzung des Musicals. Füssens Bürgermeister Paul Iacob kann es nicht verstehen, dass „man etwas kaputt redet, was noch keine richtigen Konturen hat. Es muss sich alles noch entwickeln“, so Iacob. Geplant ist, laut Projektleiter Trimmel, das Allgäuer Dorf 2015 zu eröffnen. Eine knappe halbe Million Besucher erwarten die Macher des Projektes. In dem Urlauberdorf sollen Familien angesprochen werden mit Kindern von drei bis 13 Jahren. Laut Iacob wird kein Hotel als „Riesenbunker“ gebaut, sondern wird aus schmucken, kleinen allgäutypischen Häusern bestehen. Der Rathaus-Chef betont immer wieder, dass er keinen Kitsch haben will, sondern eine touristische Aufwertung. Über die Investitionssumme gibt es nicht wirklich genaue Zahlen: Zwischen 40 und 60 Millionen kann das Projekt kosten, so Projektleiter Trimmel. Füssen aktuell sprach mit Paul Iacob, unter anderem über den Paragraphen 14 des Zweckverbandes, der manchem Gegner schwer im Magen liegt.

Braucht Füssen wirklich das „Allgäuer Dorf“?
Wir brauchen eine touristische Aufwertung in dieser Region. Wie wir sie bezeichnen ist zweitrangig. „Allgäuer Dorf“, was verstehen wir darunter?

Sagen Sie es mir.
Ich möchte ein Ferien- und Erlebnisdorf mit handwerklich, traditionellem Charakter errichten, welches das alte und das neue Allgäu zeigt und damit auch eine Chance der Vermarktung bietet, vom Bodensee bis zum Allgäu. Es wird ein innovatives, ökologisches und energetisches „Allgäuer Dorf“ werden. Wir zeigen auch ein modernes Allgäu mit seinen Zukunftschancen.
Das „Allgäuer Dorf“ wird ebenfalls ein Feriendorf sein. Und wenn es nicht so wird, wie wir es uns vorstellen, dann entsteht das „Allgäuer Dorf“ auch nicht.

Sie sprechen immer von „ich will“ wenn es um das „Allgäuer Dorf“ geht.  Wollen es die Stadträte und die Bürger auch?
Wenn sie erst einmal das Konzept sehen, dann wollen sie es sicherlich auch. Im Übrigen bin ich auch ein Bürger Füssens. Ich will mir kein Monument setzen, sondern etwas bewegen. Hinter diesem Projekt stehen das Landratsamt und neun weitere Gemeinden des Zweckverbandes.
Es passiert leider viel zu oft, das wir gute Projekte tot reden und die Investoren Füssen einfach zu kompliziert finden und dann abspringen.

Sie sprechen von H&M?
Indirekt.

Das heißt, H&M kommt nicht mehr nach Füssen?
Genau so ist es. Anstatt vernünftig miteinander zu reden und nach Lösungen zu suchen, die für beide Parteien verträglich sind, wird es komplizierter. Vielmehr sollten wir Projekte als Chance sehen.

Kommen wir zum „Allgäuer Dorf“ zurück. Gibt es bereits Investoren für dieses Projekt?
Es gibt eine Projektentwicklungsgesellschaft „Allgäuer Dorf“. Die hat die Aufgabe, Mieter und Investoren zu suchen sowie die Planungen mit dem Zweckverband und den Behörden auf den Weg zu bringen.  Wir als Stadt Füssen haben die Aufgabe den Flächennutzungsplan zu ändern. Durch den Zweckverband wird der Bebauungsplan erstellt. Zugleich wird ein städtebaulicher Vertrag mit der Projektentwicklungsgesellschaft „Allgäuer Dorf“ geschlossen, so dass wir keine Kosten  seitens der Kommunen übernehmen.

Nach dem Paragraph 14 des Zweckverbandes Allgäuer Land hört sich das aber ganz anders an: „Die Verbandsmitglieder haben nach folgendem Maßstab (Anteile) zur Deckung des Finanzbedarfes beizutragen, soweit dieser nicht durch Leistungen des Staates, Zuschüsse, Beiträge Dritter, Erträge aus dem Vermögen sowie Darlehen gedeckt werden kann“. Im Klartext bedeutet das 36 Prozent für Füssen.
Fakt ist, dass die Projektgruppe unsere Vorgaben in eine wirtschaftliche Form bringen muss. Über den städtebaulichen Vertrag, der über die Projektentwicklungsgesellschaft abgeschlossen wird, ist abgesichert, dass die Stadt Füssen, die beteiligten Gemeinden sowie der Zweckverband Allgäuer Land keine Kosten am Projekt „Allgäuer Dorf“ übernehmen müssen. Somit ist abgesichert, dass der Paragraph 14 in dieser Verbindung nicht zum Tragen kommt. Anders verhält es sich bei Steuereinnahmen, die dann gemäß Paragraph 14 unter den beteiligten Kommunen aufgeteilt werden.

Ich verstehe Sie also richtig: Die Stadt Füssen haftet nicht finanziell für das „Allgäuer Dorf“?
Genau so ist es. Das ist eine Information, die für die Bürger und Bürgerinnen wichtig ist.

Sie mögen Recht haben. Nur das was die Bürger wissen ist so oberflächig, dass es Spekulationen nährt.
Ich kann erst Ende März mehr dazu sagen. Dann denke ich, werden alle das „Allgäuer Dorf“ mit anderen Augen sehen. Aber glauben Sie mir, wir sind auf dem richtigen Weg. Um noch einmal auf Ihre Frage zurückzukommen, wenn die Investoren nach dem 3. Haus bankrott gehen, dann werden wir den Bau nicht fortführen. Die Privatinvestoren können dann verkaufen, was legitim ist. Doch auch hier sichern wir uns ab. Eine Nutzungsänderung kann nur durch die Genehmigung des Zweckverbandes erfolgen. Der Zweckverband setzt somit, um es salopp auszudrücken, kein Geld in den Sand, sondern wir haben einen Privatinvestor.

Die Bagger fahren also erst dann an, wenn die komplette Investitionssumme da ist?
Natürlich. Keiner investiert einfach so Geld ins Blaue.

Gibt es bereits Investoren, eventuell auch aus Füssen?
Es sind Investoren und Ankermieter da. Wie gesagt, es sind schon einmal Informationen nach außen gedrungen, bevor der Vertrag unterzeichnet wurde. Das machen wir nicht. Um es bildlich auszudrücken: Erst muss das Bild gemalt und eingerahmt werden. Dann kann es jeder sehen.

Ist die Infrastruktur für so ein millionenschweres Projekt in Füssen gegeben?
Ja, wir haben eine optimale Verkehrslage. Zur Sicherheit werden im Verfahren durch ein Verkehrsgutachten und Gespräche mit dem Straßenbauamt alle Erfodernisse geklärt.

Ich betrachte nicht nur die Verkehrslage als Infrastruktur, sondern auch die Gegebenheiten für  Freizeitaktivitäten, Busverbindungen, Geschäfte?
Wir sind gut aufgestellt. Sicherlich werden wird noch einiges an Hausaufgaben machen müssen, doch das wäre nichts, was wir nicht schaffen könnten.

Sehen Sie das „Allgäuer Dorf“ nicht als Konkurrenz zum Festspielhaus? Immerhin sollen dort auch ein Hotel, Tagungs- und Veranstaltungsräume entstehen.
Nein, ganz und gar nicht. Es wird sich eine Synergie ergeben, die für Beide nur von Vorteil sein wird.

Vielen Dank für das Gespräch
.
Ich danke Ihnen für das Interesse.

Text : Sabina Riegger

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