Menschen

Arbeiten aus Spaß an der Freude


Der junggebliebene Koch

Füssen.   Täglich eine Stunde Gymnastik, früh ins Bett und kein Alkohol, dass sind für Karl Vogl die Tipps für ein gesundes und vor allem vitales Alter. Mit 70 Jahren ist der gebürtige Münchener noch voll im Berufsleben. „Nicht weil ich muss, sondern weil ich will“, sagt er bestimmt. Unter seinen Kollegen heißt er nur „Turbo“, ein Name, der ihm durchaus schmeichelt.

Seit 30 Jahren ist Karl Vogl mit einer italienischen Ballett-Tänzerin verheiratet. Er, der Koch, der für Klassik damals noch wenig Interesse zeigte und sie, die feine, grazile Primaballerina, die mit ihrem Tanz die Besucher im Theater verzauberte. Diese Gegensätzlichkeit ließ sie eins werden. Jeder machte das, was er am besten kann: Kochen und Tanzen und damit die Gäste und Besucher erfreuen. Italienisch kann Karl Vogl nicht – „Der Zug ist abgefahren. Früher konnte ich wenigstens ein paar Brocken“, erwidert er.

Seinem Namen Turbo wird er gerecht. Irgendwie hat man das Gefühl, den 70-Jährigen mit den Fragen zu stören, weil „es gibt ja noch so viel zu tun“ und vor allem kann man auch erzählen, während man kocht.

Man lernt nie aus

Karl Vogl ist der Herr der Soßen, der Vorbereiter, der Perfektionist. Die Zwiebelringe müssen exakt die gleiche Dicke und die passende Bräune haben, Packungen gibt es bei ihm nicht. „Wenn sie hier nicht frisch kochen würden, hätte ich nicht angefangen. Angebote hatte ich aus München genug.“ Überheblich klingt das bei Karl Vogl nicht. Er ist einer vom „alten Schlag“, er sagt, was er denkt oder lieber gar nichts. Der erste Eindruck ist der eines brummenden Bäres, der einfach seine Ruhe haben will und lieber arbeitet. Schmeicheln kann man dem stattlichen Mann wahrscheinlich nur schwer, es müssen schon Taten sein, die ihn beeindrucken. Fast sein ganzes Leben lang ist er Koch. Dabei wollte er ursprünglich Maschinenschlosser werden, die Lehre hatte er bereits zugesichert bekommen. Es war der Friseur, der über seinen Bruder erzählte, der auf der ganzen Welt unterwegs war, um in tollen Restaurants und Hotels zu kochen. „Als Koch lernt man die Welt kennen“, sagte der Friseur. Ab diesem Zeitpunkt war es für Karl Vogl klar, dass er Koch werden will – zu groß war sein Fernweh. Letztendlich verhalf ihm dieser zu der Lehre im Bayerischen Hof in München.

Die Welt sehen

Zehn Jahre lang war Karl Vogl im Ausland. Mal als Schiffskoch auf der „Rotterdam“, dann wieder in der Schweiz, Österreich und auf der ganzen Welt. Er war einige Jahre in leitender Position bei der Lufthansa tätig und kochte für die Prominenz im Flugzeug. „Es waren interessante Jahre und vor allem lehrreiche“, blickt er heute nüchtern zurück. Ob Eckart Witzigmann oder Alfons Schuhbeck, er kochte schon mit beiden – „man lernt beim Kochen nie aus“, so seine Devise. In Schweden, in einer Fischfabrik, lernte er wie man Fisch schnell und richtig tranchiert. „Die Messer waren so scharf, dass, wenn man nicht richtig aufpasste, sich im Nu verletzen konnte“, erzählt er lebhaft. Seine Gier nach Wissen und Lernen ließen ihn neben seiner Arbeit als Koch viele andere Tätigkeiten machen, wie zum Beispiel diese in der Fischfabrik. Bereut hat er nichts, ganz im Gegenteil. „Ich lerne auch heute noch“, sagt er selbstbewusst.

Ein „Schreihals“ oder Choleriker sei er in der Arbeit nie „g‘wesn“. „Warum auch“, meint er im Münchener Dialekt. Während Karl Vogl redet, wandern seine Augen ständig zum Sud, in dem allerlei Gewürze, Gemüse und Fleischknochen sind und leicht vor sich hin köcheln. Ab und zu rührt er in dem Riesentopf um, schaut gleichzeitig in den „Zwiebeltopf“, um die goldgelben Ringe mit dem Schaumlöffel immer wieder zu wenden, bis sie die richtige Farbe haben. „Frische sollte eine Selbstverständlichkeit sein“, sagt er plötzlich laut, und widmet sich, so als ob er gar nichts gesagt hätte, wieder seinen duftenden Töpfen zu. Spätestens ab drei Uhr nachmittags ist Karl Vogl mit seiner Arbeit fertig. Ein anstrengender Tag? „Nicht mehr oder weniger. Mir macht es auf jeden Fall viel Spaß und das ist das Wesentliche“, klärt er auf. Zu Hause in Höfen hat er seine Ruhe. Abends weggehen mag der Koch nicht so gerne. „Wir gehen lieber irgendwo mittags zum Essen, das ist für uns Ausgehen genug“. Ein großer Fleischesser ist Karl Vogl nicht, er mag lieber die leichte Küche wie Pasta, Salate oder auch mal einen Fisch und das alles frisch und selbstgemacht, so wie bei seinem Arbeitgeber, dem „Olivenbauer“.

 

Text · Bild: Sabina Riegger

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