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Von der Bundeswehr zur Allgemeinmedizin-Weiterbildung freigestellt


Ärztin Elke Rosskopf fühlt sich wohl im Füssener Krankenhaus

Füssen.    Die 32-jährige Ärztin – ihren Doktortitel macht sie noch – bildet sich in der Füssener Klinik weiter. Ziel: Fachärztin für Allgemeinmedizin. Bereits zu Beginn des Gesprächs geht es aber um ein anderes aktuell bleibendes Thema: Frauen und Fußball. „Ich war Torfrau und spielte mit meinem Verein sogar in der Oberliga“,  antwortet Elke Rosskopf auf die direkte Frage, ob sie – wie ihr Aussehen nahe legt – tatsächlich sportlich sei. „Mir ist Teamgeist wichtig“, erklärt sie. Wenn es sinnvoll sei, nehme sie dann auch das Heft gern selbst in die Hand. „Bei der Bundeswehr haben Offiziere Menschenführung gelernt. Ich könnte trotzdem noch keine Trainerin sein. Es zieht mich auf den Platz.“

Vom Fußballfeld, auf dem Elke Rosskopf als Mädchen sehr viel Freizeit verbrachte, hat sie sich mit 19 Jahren und nach ihrem Abitur verabschiedet. „Inzwischen habe ich nicht mehr die Zeit für einen Sportverein. Ich wandere und laufe aber gern.“ Sie sei im Ostallgäu – ihrer Wahlheimat „wegen der Berge“ – auch gern mit dem Fahrrad unterwegs. „Schuld“ an ihrer ziemlich erfolgreichen Laufbahn als Fußballspielerin im Team des TSV Eschollbrücken „war natürlich mein älterer Bruder“, erzählt sie. „Wir haben stundenlang zusammen gekickt.“ Ihr Talent fiel auf. „Einige Jahre später stand ich in der Hessenauswahl.“ Lauffreudig wie sie war, kurbelte Elke Rosskopf das Spiel ihrer Mannschaft an. „Als ich einmal verletzt war, stellte mich unser Trainer ins Tor.“ Die „nur“ 1,70 große Keeperin machte ihre Sache offenbar so prima, dass der TSV Eschollbrücken mit Elke Rosskopf eine neue Top-Torfrau in seinem Kader hatte. „Meine Libero-Position übernahm eine Kameradin.“ War sie als Mädchen burschikos? Die aus Darmstadt stammende Ärztin schüttelt den Kopf. „So würde ich es nicht ausdrücken“, sagt sie. „Aber das stimmt: Ich habe lieber mit Matchboxautos als mit meinen Puppen gespielt.“

Nach dem Abitur 1998 trat sie nicht in die Fußstapfen ihrer Familie. „Als Schülerin hatte ich zwei Praktika im medizinischen Bereich gemacht. Ich war beispielsweise bei einem niedergelassenen Chirurgen. Durch diese Erfahrungen wurde mir klar, dass mein Berufsziel Ärztin ist.“ Diesen Beruf übt im hessischen Rosskopf-Kreis ansonsten keiner aus. Die Eltern hätten sie immer unterstützt, in der Schule und im Studium in Regensburg. „Selbstverständlich sind sie darauf schon ein wenig stolz, dass es eine Ärztin in der Familie gibt. Viel wichtiger aber ist, dass wir uns alle weiterhin sehr gut verstehen.“ Der erste Schritt ins Berufsleben war ihre Verpflichtung bei der Bundeswehr. Elke Rosskopf bewarb sich hier erfolgreich. In die Laufbahn als Sanitätsoffiziersanwärter stieg sie in Kempten ein. „Hier habe ich meine Grundausbildung absolviert. Das Allgäu hat mir sofort gefallen, obwohl für mich auch das Meer seinen Reiz hat. Ich bin ein Naturmensch. Ich mag die Alpen und auch die Nordsee.“

Leben in einer Doppelrolle

In Regensburg an der zivilen Uni kam es unter den Kommilitonen irgendwann zur Sprache, „dass ich Soldatin bin und daher die Hälfte meiner Famulaturzeit an einem Bundeswehrkrankenhaus ableisten werde. Von allen anderen Medizinstudenten in meinem Semester wurde das akzeptiert.“ Die besondere Doppelrolle, gleichzeitig zivil gekleidete normale Studentin, „aber eigentlich im Dienst bei der Bundeswehr zu sein“, wurde für Elke Rosskopf nie zu einer Belastung. Während andere Studierende praktisch als Ärztinnen an einem städtischen Klinikum ausgebildet wurden, war sie in Koblenz – am Bundeswehr-Zentralkrankenhaus. Im Rahmen ihrer Weiterbildung arbeitet sie seit 2011 am Füssener Krankenhaus. „Um meine fachärztliche Weiterbildung mit der Prüfung abschließen zu können, muss ich noch sechs Monate bei einem niedergelassenen Arzt tätig gewesen sein“, erklärt sie. Alles spricht dafür, dass sie auch diese Zeit am Wohnsitz Füssen ableisten kann.

Eine prägende Zeit im Ausland

Auslandseinsätze im Jahr 2006 in Bosnien und Herzegowina als chirurgische Assistenzärztin – „Da war ich noch chirurgische Assistenzärztin“ – und über den Jahreswechsel 2009/2010 vier Monate in Afghanistan gingen nicht spurlos an ihr vorbei, wie sie sagt. Sie sei als Ärztin gern „Ansprechpartnerin und Vertrauensperson für die Soldaten. Dass wir von der Allgäu Kaserne oder einer anderen Kaserne zum Auslandseinsatz abkommandiert werden, damit muss ein Soldat immer rechnen“, betont Elke Rosskopf, die derzeit in der Füssener Altstadt wohnen kann. Auf beide Auslandseinsätze habe sie sich zusätzlich persönlich vorbereitet, „indem ich mir Infos besorgt habe. Das werde ich auch künftig tun, wenn wir ein Mandat in einem fremden Land wahrnehmen sollen.“

 

Text · Bild: Werner Hacker

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