Menschen

Moment mal…

Julia Hiemer

Kreative Babypause

Füssen.    Leben und leben lassen. Julia Hiemer liebt es, unkonventionell zu leben. Die 35-jährige Künstlerin hat ihren eigenen Rhythmus im Leben gefunden. Doch nun wird es nach den Jahren der Rastlosigkeit Zeit Pause zu machen, denn die studierte Bildhauerin erwartet mit Freude ihren Nachwuchs.

Schon in ihrer Kindheit wusste Julia, dass sie einmal Künstlerin werden wollte. Entweder das oder Erfinderin. Damals hat sie wie jedes Kind gern gemalt, gebastelt und gezeichnet. Julia ist gebürtige Füssenerin, ging hier zur Schule und war eigentlich ein Teenager unter vielen. Doch direkt nach ihrem Abitur entschloss sie sich spontan, an die renommierte Holzbildhauerschule in Oberammergau zu gehen. Dort absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung. Anschließend verschlug es sie nach Wien, um an der „Akademie der bildenden Künste“ ihr Diplom abzulegen. Im Rahmen des Erasmus-Austausch-Programms der EU, welches Studenten ermöglicht, für ein halbes Jahr im Ausland zu studieren, ging Julia nach Venedig. Sie verlängerte ihren Aufenthalt in der barocken Metropole auf ein Jahr, denn die Stadt faszinierte sie sehr und gab ihr genügend Freiraum, um sich künstlerisch weiterzuentwickeln.

Direkt nach dem Studium fand Julia eine Anstellung bei einer großen Theaterservicefirma für Bühnenausstattungen. Schnell merkte sie, dass sie dieser Art von Arbeit nicht ihr Leben lang nachgehen wollte. Darum brach sie ihre Zelte in Wien ab, um für zwei Jahre ins Ausland zu gehen. Denn Julia hatte noch einen weiteren großen Traum. So wollte sie immer mit einem alten VW-Bus durch die Welt reisen. Da es zum Lebensmotto der umtriebigen Künstlerin gehört, sich alle Träume zu verwirklichen, kaufte sie sich also nach dem einjährigen Ausflug in die Arbeitswelt einen Bus. Ihr Weg  führte sie nach Südfrankreich und später Spanien, wo sie sich mit kleineren Auftragsarbeiten den Lebensunterhalt finanzierte. In Barcelona stahl man ihr sämtliche Papiere und alles Geld, das sie noch hatte. Aber eine Lebenskünstlerin wie Julia lässt sich von solchen Umständen nicht unterkriegen. Seit 2009 lebt sie wieder mit ihrem Freund in Füssen.

Wenn man der zierlichen jungen Frau auf der Straße begegnet, würde man ihr kaum einen solchen Lebensweg zutrauen. Und noch weniger würde man vermuten, wie sie ihre Werke erschafft. Mit Motorsäge und Eisen bewaffnet haucht sie gefällten Baumstämmen neues Leben ein. Am Ende entstehen Skulpturen, menschliche Silhouetten, die dem Betrachter einen Spiegel vorhalten sollen. „Die Figuren spiegeln meinen Charakter wider. Ich bin halt keine Perfektionistin“, verrät die Künstlerin. Sie lassen ihrem Betrachter den nötigen Freiraum zur Inspiration, genau so, wie Julia Hiemer ihr Leben führt. Momentan gönnt sich die Künstlerin eine Pause, freut sich auf den Nachwuchs und den damit verbundenen neuen Lebensabschnitt. Aber ans Aufhören denkt sie nicht, denn ihre Arbeiten sind sehr erfolgreich. Bei den letzten Allgäuer Festwochen gewann sie den Publikumspreis mit der Figur eines kleinen Mädchens, genannt „Grün hinter den Ohren“. An diesen Erfolg will Julia im nächsten Jahr anknüpfen.

 

Pfarrer Bernd Leumann
Frohsinn und christliche Nächstenliebe

Pfronten.    Ein junger Pfarrer, der mit frischen Ideen und Aufgeschlossenheit seinen Beruf meistert. „Es ist immer wichtig, dass das Menschliche stimmt“ meint Bernd Leumann, der seit über zwei Jahren Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Pfronten ist.

Pfronten.    Ein junger Pfarrer, der mit frischen Ideen und Aufgeschlossenheit seinen Beruf meistert. „Es ist immer wichtig, dass das Menschliche stimmt“ meint Bernd Leumann, der seit über zwei Jahren Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Pfronten ist.

Der 35-jährige liebt seinen Job. In der Freizeit erkundet er gern mit dem Fahrrad die Gegend. Dabei begibt er sich meist gemeinsam mit dem Füssener Stadtpfarrer Frank Deuring auf Entdeckungstour. Ausgiebige Bergtouren sind sein zweites Steckenpferd. „Pfronten ist dafür der ideale Ort“, ergänzt Leumann lächelnd. Mit einer Gruppe von Leuten macht er auch gelegentlich Musik. Das Instrument seiner Wahl ist die Geige. Öffentlich auftreten würde er aber nie, da er das Musizieren zum reinen Vergnügen betreibt. Denn seine eigentliche Passion hat er zum Beruf gemacht. Bernd Leumann ist Pfarrer aus Leidenschaft.

Ausschlaggebend für seine Berufswahl war eine Begebenheit aus der Schulzeit. In der 11. und 12. Klasse hatte der gebürtige Wertacher einen Lehrer für Deutsch und Religion, der oft Diskussionsrunden über die Sinnfragen des Lebens führte. Das hatte den Schüler Bernd sehr beeindruckt, denn in ihm reifte nach und nach der Wunsch, sein Wissen über das Leben zu vertiefen. Also studierte er direkt nach dem Abitur Theologie in Augsburg. Die Menschen in Pfronten, die den Gottesdienst von Pfarrer Leumann besuchen, schätzen seine erfrischende Art. Zu Beginn der Messe schafft er es häufig, mit einer witzigen Anekdote die Kirchengänger aufzuheitern. Dies gelingt ihm natürlich nicht immer. Aber das muss es auch nicht. Nach dem Studium war Leumann ein halbes Jahr als Praktikant in Frankreich tätig. Dort fiel ihm direkt die fröhliche Atmosphäre auf, die im Gottesdienst herrschte. „Wie dort die frohe Botschaft verkündet wurde, fand ich sehr ansprechend“, äußert sich der junge Geistliche dazu. „Das war komplett gegensätzlich zu den Messen, die ich bis dato kannte. Der Beruf des Pfarrers ist eine enorme Herausforderung, denn der Zeitgeist geht in eine andere Richtung. Wenn man als Pfarrer etwas bewegen will, muss man offen sein für Neues.“ Im Zuge dessen setzt Leumann seine persönlichen Schwerpunkte. So fördert er die ehrenamtliche Seniorenarbeit und setzt sich selbst bevorzugt für die Jugendarbeit ein. Etwa bei Jugendgottesdiensten oder indem er Ferienausflüge ins In- und Ausland organisiert. Im nächsten Sommer ist eine Fahrt  ins Partner-Bistum auf Ibiza geplant. „Viel Werbung musste ich dafür nicht machen, um genügend Teilnehmer zu finden“, erzählt Bernd Leumann lachend. Außerdem ist für November ein Filmgottesdienst geplant. Dabei wird zur Unterstützung seiner Predigt ein kleiner Film vorgeführt.

Seine besondere Aufmerksamkeit gilt aber nicht nur den Pfrontenern. Im Rahmen der Pfrontener Ghana-Hilfe reiste er vergangenen August in das afrikanische Land, um sich vom Fortschritt der Aufbauarbeiten in den Pfrojekten zu überzeugen. „Denn diese Arbeit macht das Pfarrerleben erst glaubwürdig“, so der engagierte Priester.

Text · Bild: sk


 

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