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Kaloriendoping für die Seele

EssstörungenBulimie – wenn die Seele (er)bricht

Essstörungen stellen ein ernst zu nehmendes gesundheitliches Problem dar. Obwohl sich Betroffene der unterschiedlichen Krankheitsbilder unter anderem in ihrem Erscheinungsbild beträchtlich unterscheiden, ist es doch allen Essgestörten gemeinsam, dass das lebensnotwendige „Essen“ ein erhebliches psychosomatisches Problem, oft mit körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen geworden ist.

 

 

Es gibt vier Arten von Essstörungen: Magersucht, Ess-Brech Sucht, Latente Esssucht und Binge (binge=schlingen) Eating Disorder. Früher galten Essstörungen als typisch weiblich. Doch weit gefehlt, auch Männer sind heute nicht gefeit davor. Jede zwölfte Person die an Essstörungen leidet ist männlich. Etwa fünf bis zehn Prozent der Magersüchtigen sind Männer, wobei nach wie vor Frauen den hauptsächlichen Anteil  von Essstörungen aufweisen.

Andrea (Name von der Redaktion geändert) hatte zuerst eine latente Esssucht. Von Größe 38 bis Größe 44 hatte sie alles im Kleiderschrank. Essattacken machten ihr das Leben im wahrsten Sinne des Wortes schwer. Deshalb bekam sie permanent ein schlechtes Gewissen. Dies führte dazu, dass sie wieder und immer wieder Diäten machte, die eigentlich das Gegenteil bewirkten. Sie nahm fünf Kilo ab und nahm wieder sechs Kilo zu. Es war ein Teufelskreis. Irgendwann, sie kann sich nicht so genau an den Zeitpunkt erinnern, fand sie sich beim Erbrechen. „Es ging irgendwie nahtlos über“, erzählt Andrea. Für Andrea ist es schwer ein Doppelleben zu führen. Als Angestellte in leitender Position muss sie perfekt funktionieren. Nach Außen ist sie die Kollegin mit Humor, eine Sportlerin, klug, zuvorkommend und immer hilfsbereit.

Was allerdings keiner weiß, Andrea denkt immer nur an das Essen. Um so schwerer ist es sich im Büro zurück zu halten, um nicht diese großen Mengen an  Essen zu vertilgen. „Ich habe gehofft, meine „Gewichtsprobleme“ auf diese Weise ohne viel Anstrengung zu lösen: ab und zu ein paar Abführmittel oder nach dem Essen erbrechen“. Was jedoch scheinbar harmlos anfing, wurde zwanghaft und bedrohlich: die Nahrungsmengen, die sie verschlang, wurden immer größer. Die Frage nach dem „warum“ beschäftigte die Mutter zweier Kinder zunehmendst. „Es musste doch einen Grund haben, warum ich das tat. Es war ekelerregend. Ich schämte mich für mein Tun.  Manchmal konnte ich meinen Kindern nicht mal in die Augen sehen. Es war schlimm“, so Andrea. Sie hatte Angst sich jemanden anzuvertrauen. Sie, die andere lehrte und Tipps gab, brauchte nun selbst Hilfe. Keiner ihrer Freunde, Bekannten und Familie wäre auf die Idee gekommen, dass sie Bulimiekrank ist. Schließlich konnte sie ihr Essverhalten in der Öffentlichkeit kontrollieren.

So wie Andrea gibt es viele andere Frauen und Männer, die insgeheim wissen, dass sie eine Essstörung haben. Nur an wen soll man sich wenden? Andrea traute sich und erkundigte sich im Internet nach einer Selbsthilfegruppe. „Ich bin froh, diesen Schritt getan zu haben. Es kostete mich aber eine große Überwindung dort hin zu gehen. Ich hatte Angst“. Mittlerweile ist Andrea auf dem Weg der Besserung. Sie macht eine Therapie und lernt gerade viel über sich selbst. „Ich hatte immer großen Druck. Ich konnte mir keine Schwäche leisten. Mein Mann will keine dicke Frau. Für ihn sind alle Frauen, die mehr wiegen als es seinen Idealvorstellungen entspricht, undiszipliniert und schwach“, erklärt Andrea. Von ihrem Mann hat sie sich getrennt und sie gesteht ich auch nun Schwächen zu, die sie wiederum stark machen

Was ist Bulimie?
Bulimie (Esssucht mit Erbrechen) ist eine psychosomatische Krankheit, unter der vor allem junge Frauen, aber auch immer häufiger Männer leiden.
An Bulimie Erkrankte befinden sich in einem Zwiespalt. Zum einen versuchen sie verzweifelt dem Schlankheitsideal zu entsprechen. Zum anderen hilft ihnen Essen innere Spannungen, Zwänge und Ängste für einen kurzen Moment abzubauen.
Bulimie-Kranke verschlingen riesige Nahrungsmengen und zwingen sich anschließend, alles zu erbrechen, bevor es verdaut werden kann.
Die Betroffenen sind häufig normalgewichtig. Bulimiker sind häufig besonders sensible, leistungsorientierte Menschen mit einem mangelnden Selbstwertgefühl. Gefühle des Versagens und körperliche Probleme verdichten sich häufig zu Depressionen.
Außer den emotionalen Problemen und den schlechten Essgewohnheiten kann auch das regelmäßige Erbrechen den Verdauungstrakt schädigen.
Mit jedem herbeigeführten Erbrechen von Speisen und Magensäure werden die Zähne, die Speiseröhre und der Wasserhaushalt geschädigt. Außerdem regt die Nahrung im Magen das restliche Verdauungssystem an. Wenn aber wiederholt keine Nahrung in den Darm gelangt, ist der Regelmechanismus irgendwann so gestört, dass eine normale Verdauung und Nährstoffaufnahme sehr schwierig wird.

Häufigkeit von Bulimie:
Meistens beginnt Bulimie zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. 85 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Nach Schätzungen des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München leiden inzwischen acht Prozent aller Frauen an Bulimie. Unter jüngeren Frauen liegt der Prozentsatz noch höher. Die Zahl der Neuerkrankungen nimmt stetig zu.

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