
Ein Ort, an dem Abschied menschlich wird
Zwei Jahre Bestattungsinstitut Barbara Leitner
Vor zwei Jahren wagte Barbara Leitner den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete ihr eigenes Bestattungsinstitut. Was klein begann, ist heute weit mehr als ein Eine-Frau-Betrieb. Am 7. November lädt das Institut zum Tag der offenen Tür ein – ein guter Anlass, um zurückzublicken, aber auch um zu zeigen, wie anders Abschiednehmen sein kann.
Barbara Leitner ist seit fast zehn Jahren Bestatterin. Als sich die Unternehmerin 2024 selbstständig machte, kannte sie die Region, die Menschen – und hatte keine Angst vor dem Scheitern. Was die 40-Jährige damals nicht plante: eine Filiale in Füssen, eine weitere in Roßhaupten, ein wachsendes Team, ein Einzugsgebiet, das heute von München bis Sonthofen und von Immenstadt bis Roßhaupten reicht. „Dass ich jemals jemanden fest einstelle oder mehrere Standorte betreue – das hätte ich vor zwei Jahren nicht gedacht.“ Heute zählt das Institut eine festangestellte Mitarbeiterin und vier weitere Teammitglieder – und seit einiger Zeit auch Unterstützung in der Buchhaltung. „Weil da liegt nicht mein Herz“, sagt die Bestatterin und lacht. „Ich brauche die Zeit für die Menschen, die ich begleiten darf.“
Wenn Trauerrednerin auf Bestatterin trifft
An ihrer Seite: Monja Kienecker-Haslach, 41 Jahre alt, ursprünglich studierte Medienkommunikatorin und Journalistin, seit sechs Jahren freie Trauerrednerin und ausgebildete Trauerbegleiterin. Die beiden lernten sich über ihre gemeinsame Arbeit kennen – die Kemptenerin als Rednerin, Barbara Leitner als Bestatterin. Irgendwann kam eins zum anderen. „Es war keine klassische Bewerbung“, erzählt Monja Kienecker-Haslach. „Wir haben zusammengearbeitet, und dann wuchs das einfach.“
Heute übernimmt die 41-Jährige nahezu alle Aufgabenbereiche einer Bestatterin – von der würdevollen Versorgung der Verstorbenen über einfühlsame Trauergespräche und die Begleitung der Angehörigen bis hin zur Organisation und Durchführung von Bestattungen. Darüber hinaus ist sie weiterhin als freie Trauerrednerin tätig. Warum sie sich für diesen Berufsweg entschieden hat? Es sei eine Frage der Haltung, sagt die Kemptenerin. Denn wer offen ist und hinschaut, sieht in der Trauer Zusammenhalt, Dankbarkeit und tiefe menschliche Begegnung. „Da, wo Tod und Trauer sind, da ist gleichzeitig auch ganz viel Leben und Liebe. Und das ist das Schöne.“, so Monja Kienecker-Haslach.
Der Abschiedsplaner – Orientierung in der schwersten Zeit
Eine der wichtigsten Neuerungen der letzten zwei Jahre ist ein eigens entwickelter Abschiedsplaner – ein Printprodukt, das die Familie des Verstorbenen bereits in den ersten Stunden der Trauer begleitet. „Für viele sind so viele Fragen offen“, erklärt Monja Kienecker-Haslach. „Bestattung ist nichts, womit man sich freiwillig tagtäglich beschäftigt.“
Der Abschiedsplaner beginnt mit einer persönlichen Ansprache, erklärt die nächsten Schritte, listet Möglichkeiten auf – von der Erdbestattung über die Urne bis zur freien Trauerfeier – und gibt einen ehrlichen Überblick über Kosten. Barbara Leitner beschreibt den Grundgedanken dahinter so: „Ihr wisst, wir kümmern uns jetzt um euren verstorbenen Menschen – und ihr könnt jetzt in Ruhe schauen, was in den nächsten Tagen auf euch zukommt. Für viele artet die Situation schnell in Stress aus. Die Angehörigen denken, ich muss jetzt jede Entscheidung innerhalb von zwölf Stunden treffen. Wir wollen diesen Druck rausnehmen und sagen: Jetzt erst mal ankommen. Ihr habt gerade einen Menschen verloren.“
Vorsorge: Reden, bevor es soweit ist
Ein weiteres Herzensthema des Instituts ist die Bestattungsvorsorge. „Ab 35 aufwärts kommen täglich Menschen zu uns, die schon vorsorgen möchten“, sagt Barbara Leitner. Der Wunsch nach einem persönlichen, individuellen Abschied wird größer – und damit auch das Interesse an der Vorsorge. „Ich höre oft: Die Kinder sagen, das ist doch noch viel zu früh. Aber die Älteren wollen es einfach vorbereitet wissen“, erklärt die Bestatterin. Das Vorsorgegespräch ist immer auf mehrere Termine aufgeteilt: Erst Beratung, dann Unterlagen, dann Wünsche festhalten, dann unterschreiben.
„Mit Zeit und ohne Druck. Und immer mit einer Kostenübersicht.“ Gerade Menschen, die allein leben oder keine nahen Angehörigen haben, empfiehlt Barbara Leitner, sich frühzeitig auch rechtlich beraten zu lassen. Denn eine umfassende Vorsorge geht weit über die eigene Bestattung hinaus. Dazu gehört auch die Frage, wer im Ernstfall die eigenen Angelegenheiten regelt und Entscheidungen trifft, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Hier rät die Bestatterin, rechtzeitig einen Anwalt aufzusuchen, um entsprechende Vollmachten und eine mögliche rechtliche Betreuung zu klären.
Abschied darf auch lächeln lassen
Was das Bestattungsinstitut von Barbara Leitner besonders auszeichnet, ist die Zeit, die sie und ihr Team sich für die Angehörigen nehmen. Hier gibt es keine Abschiede nach Schema F. Stattdessen stehen die persönlichen Wünsche, Erinnerungen und Bedürfnisse der Familien im Mittelpunkt. Denn ein Abschied ist traurig, aber genauso darf hier Raum für schöne Erinnerungen, positive Gefühle und ab und an sogar für gemeinsames Lachen geschaffen werden.
Barbara Leitner und Monja Kienecker-Haslach beschreiben als Beispiel eine Trauerfeier für einen leidenschaftlichen Fußballer. Die Bestatterin und die Trauerrednerin besorgten Trillerpfeifen, teilten sie an alle Trauergäste aus. Monja Kienecker-Haslach eröffnete die Rede mit einem Anpfiff – und am Ende pfiffen rund 100 Menschen gemeinsam, ein letztes Mal für den Verstorbenen. Oder die Beerdigung, bei der jeder eine leuchtend gelbe Sonnenbrille trug, das Markenzeichen des Gestorbenen. Oder die Trauerfeier in einer Hütte mit Blasmusik und Weißwurstfrühstück, die über drei Stunden ging.
Auch Fotos und kleine Erinnerungsbücher gehören inzwischen dazu. „Die Angehörigen nehmen an dem Tag so wenig bewusst wahr. Deshalb fotografieren wir – dezent, respektvoll. Damit sie die Eindrücke später nochmal auf sich wirken lassen können“, erklären die beiden Bestatterinnen. Barbara Leitner und Monja Kienecker-Haslach erleben, wie sich die Bestattungskultur verändert. „Die Menschen wollen persönliche Abschiede“, sagt Barbara Leitner. Sie wollen lieber eine Lebensfeier, hin zu etwas ganz Eigenem.
„Abschiede finden längst nicht mehr nur in Friedhofskapellen statt, sondern auch in der Natur, im eigenen Garten oder sogar im Lieblingslokal des Verstorbenen. Statt steriler Friedhofsatmosphäre und schwarzer Kleidung prägen heute oft bunte Farben, die Lieblingsmusik des Verstorbenen und humorvolle Anekdoten den Abschied. „Man feiert die Spuren, die ein Mensch hinterlassen hat und spendet Trost durch die gemeinsame Erinnerung an die schönen Momente“, beschreibt Barbara Leitner. Nichtsdestotrotz spielt die Kirche dabei nach wie vor eine Rolle – aber eine andere als früher. „Wir haben zu den Pfarrern ein sehr gutes Verhältnis“, sagt Leitner. „Sie lassen sich auf mehr ein. Sie sind offener geworden. Und das ist schön.“
Ein Ort, der anders ist
Wer das Bestattungsinstitut betritt, merkt schnell: Hier ist es nicht düster. Die Räume sind hell, einladend, mit viel Liebe gestaltet. Über 250 Quadratmeter in Pfronten, dazu Termine in Füssen und Roßhaupten. Der erste Schritt in ein Bestattungsinstitut fällt den wenigsten leicht. „Die meisten kommen mit einer gewissen Scheu zu uns“, berichten die beiden Bestatterinnen. „Und gehen mit dem Gefühl: Das war gar nicht so schlimm.“ Es gibt wohl kein schöneres Kompliment für ein Bestattungsinstitut.
INFO
Ein Tag für Begegnung, Austausch und Kennenlernen
7. Novmber, 10 bis 14 Uhr im Bestattungsinstitut Barbara Leitner, Vilstalstraße 3, 87459 Pfronten. Ab 15 Uhr: Lesung von Frollein Tod (Autorin und Präparatorin) aus ihrem Buch „…doch für mich bist du ein Freund.“
Text · Foto: Sabina Riegger



