Soziales

Pädagogik, die „ein großer Luxus“ ist

Das „Montessori-Kinderhaus Schwangau“ wird 40 Jahre alt

Wann und in welcher Form das Jubiläum gefeiert werden soll, weiß Estela Garcia noch nicht. Die 46-jährige Spanierin ist eines von fünf Mitgliedern im Vorstand des Vereins „Montessori-Kinderhaus Schwangau“, der heuer sein 40-jähriges Bestehen feiert.

Seit rund zehn Jahren am Ehberg 23 im Dorf der Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau beheimatet, lernen dort derzeit 24 Kinder zwischen drei und sieben Jahren, etwas „selbst zu tun“, wie das Motto im Montessori-Kinderhaus lautet. Demzufolge geht es laut der vor gut 100 Jahren von der italienischen Ärztin, Pädagogin und Philosophin Maria Montessori entwickelten Pädagogik sozusagen darum, Kinder dabei zu unterstützen, möglichst selbstständig und unabhängig zu werden und zu agieren. Im Rahmen dessen werden die Kinder auch in Schwangau beim Entdecken und Forschen gefördert beziehungsweise zum Lernen angeregt sowie motiviert. Ob dies nun in sprachlicher, handwerklich praktischer, naturwissenschaftlicher oder sozialer Hinsicht ist, „die Kinder entscheiden, in welchem Bereich sie arbeiten wollen“, erklärt Garcia.

Den jungen Mädchen und Buben wird dabei viel Freiraum geboten, selbst zu entscheiden, womit sie sich beschäftigen wollen. Je nach individuellem Interesse ist das mitunter ein Baustein, um ihre kognitiven und sozialen Fähigkeiten auszubauen. Dabei werden sie in erster Linie von drei Pädagogen unterstützt. Aber auch die Eltern werden abwechselnd in die Arbeit eingebunden. „So zeigen Mama oder Papa den Kleinen schon mal, wie etwas geht, wodurch sie zum Vorbild für die Kinder werden“, unterstreicht Estela Garcia.

Von Montag bis Freitag gibt es eine „Kernzeit“ zwischen 8.30 und 12.30 Uhr. Nach dem täglichen Morgenkreis können die Mädchen und Jungen ihren eigenen Interessen nachgehen. Das Kinderhaus bietet dafür verschiedene Räume und Bereiche an: Im Atelier oder im „Traumland“, aber auch in der Sprachecke, der Leseecke, der Brotzeitecke oder am „Friedenstisch“ können die Kinder basteln, lesen, rechnen oder sich darin üben, einen Streit zu schlichten..

Eine, die das Angebot gerne nutzt, ist die vierjährige Laia. Sie ist die Tochter von Estela Garcia. Ihre ältere Tochter Noa besuchte ebenfalls das „Montessori-Kinderhaus Schwangau“ und geht mittlerweile auf die Montessori-Schule in Füssen.

Die Kinder arbeiten zusammen oder alleine, sie malen, bauen oder arbeiten mit Holz. Die Pädagogen und Betreuer schauen meist nur kurz über die Schulter und beobachten die Kinder. Sie verfolgen die unterschiedlichen Interessen der Kleinen, lassen sie dabei aber bewusst „in Ruhe“ – denn genau das ist ein zentraler Gedanke der Montessori-Pädagogik. „Kindern soll Zeit und Ruhe gegeben werden“, erklärt Garcia.

Dennoch gibt es klare Regeln: Die Kinder sollen nicht schreien, nicht rennen und die „Arbeitsmaterialien“ anderer Kinder anfassen. Während der freien Arbeits- und Spielphasen am Vormittag entscheiden die Kinder in Schwangau selbst, wann sie essen möchten. Sie bereiten kleine Dinge selbst vor und lernen, die Verantwortung für ihren Essplatz zu übernehmen.

Jede Menge Angebote, sich zu beschäftigen und zu lernen: Die gibt es für Vorschulkinder im Montessori-Kinderhaus Schwangau.

Als Abwechslung zu den diversen Tätigkeiten und Beschäftigungen im Haus gehen die Kleinen aber auch jeden Tag raus an die frische Luft, wo sie zum Beispiel im Garten oder auf der Terrasse des Hauses spielen können. Schließlich soll ihnen neben der „Arbeit“, wie es Estela Garcia nennt, auch genügend Gelegenheit gegeben werden, sich zu bewegen. Neben den angebotenen Möglichkeiten, Spaß am Lernen zu haben, an ihre eigenen Grenzen zu stoßen und Hürden eigenständig zu überwinden, wird den Kindern im „Montessori-Kinderhaus Schwangau“ auch zu vermitteln versucht, friedlich mit anderen Menschen umzugehen sowie ihnen gegenüber respektvoll zu begegnen.

Bei alledem lautet die Devise „Kinder dürfen Kinder sein“, macht Garcia die Montessori-Pädagogik deutlich, der sich der rund 90 Mitglieder zählende Verein voll und ganz verschrieben hat. Außer über Gebühren und private Spenden wird er zudem über eine staatliche Förderung und die Unterstützung der Gemeinden Schwangau, Hopferau, Pfronten sowie der Stadt Füssen finanziert, worüber Estela Garcia sehr dankbar ist und sagt: „Es ist ein großer Luxus, dass wir hier so etwas haben.“

Info:
Montessori-Kinderhaus Schwangau
Am Ehberg 23
87645 Schwangau
Tel. 08362/8712 · Fax 08362/9261432
E-mail: info@montessori-schwangau.de

Öffnungszeiten:
Mo., Do. und Fr. von 7.30 bis 14 Uhr,
Di. und Mi. 7.30 bis 16 Uhr

Am Montag, 25.01.2027, findet von 13.30 Uhr bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür statt.

Text · Fotos: Alexander Berndt

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