Die Kräuterhexen aus dem Lechtal

Im Lechtal nennt man sie die Kräuterhexen; Frauen, die sich mit Wildkräutern auskennen und das Wissen über die Kraft der Kräuter bewahren und an andere weitergeben. 66 Frauen und ein Mann zählen mittlerweile zu dem Verein, der im Februar 2011 gegründet wurde.

Angefangen hat alles mit einem Kurs des Ländlichen Fortbildungsinstitutes (LFI). In eineinhalb Jahren wurde den Teilnehmern viel Wissenswertes über Kräuter und Heilpflanzen beigebracht. Ein Teil dieser Ausbildung war eine Projektarbeit, die Simone Knitel, Michaela Kerber und Verena Lämmle kurzerhand in einem Verein umsetzten. Die Idee hat bis heute Erfolg. „Unsere Kräuterprojekte sollen den Teilnehmern altes Wissen rund um die Kräuter und die Heilpflanzen vermitteln“, erläutert Verena Lämmle, die noch sehr viel Potenzial in dem Verein sieht. „Wir stehen noch in den Anfangsschuhen. Es gibt noch sehr viel Potenzial“, so die gelernte Kosmetikerin.

Da das Lechtal hauptsächlich mit seiner Natur punktet und weniger mit Arbeitsplätzen, suchen die Menschen nach Alternativmöglichkeiten um sich einen Nebenerwerb zu sichern. Die Kräuterhexen haben sich mit ihrem Wissen einen kleinen Wirtschaftszweig aufgebaut. „Im Verein gibt es noch die Lechtaler Kreativhexen. Sie werben mit einer roten Hexe auf einem Pinsel und produzieren aus Steinen Schmuck, Schwemmholzprodukte und machen aus Draht Skulpturen“, erklärt Verena Lämmle, die sehr viel mit Kräutern kocht.

Sigrid Juchtmanns, eine Belgierin, die sich ins Lechtal verliebt hat, gehört auch zu den Lechtaler Kreativhexen. Mit ihrer Familie kam sie als Baby schon ins Lechtal und lernte da das Laufen. Heute lebt sie in Griebach und stellt mit ihrem Mann Naturschmuck her. Dabei werden Blumen und Pflanzen einige Wochen lang gepresst, danach auf Glasperlen gedruckt und in handgemachte Holzfassungen gefasst und zu Schmuck verarbeitet. „Alle Produkte werden in Kleinstmengen hergestellt. Meistens in der Küche“, weiß Verena Lämmle aus eigener Erfahrung. Auch sie hat eine Aufgabe für sich gefunden um ihr Wissen weiter zu geben. „Das Natürliche, die Kräuter und Heilpflanzen bekommen immer mehr Aufmerksamkeit. Die Leute besinnen sich zurück und wollen viel wissen, auch die Kinder“, so die Natur- und Bergwanderführerin, die seit vielen Jahren den Jagdschein besitzt und mit der Natur so verwurzelt ist wie man nur sein kann. Letztes Jahr hat sie mit „Wildwuchs“ begonnen. „Wildwuchs ist eine Lechtaler Kräuter- und Brauchtumsschule für Kinder. Mit ihrem Wissen geht sie an die Schulen und macht dort Projektarbeiten und erklärt dort die Naturpflanzen.“ Für die Zukunft sind Kräuterausbildungen für Kinder geplant, die über ein Jahr dauern sollen. Vielleicht sind das dann unsere Kräuterhexlinge“, lacht die Mutter vierer Kinder. Für die Lechtaler Kräuterhexen ist dieser kleine Nebenerwerb wichtig. „Für uns ist es eine Plattform, ein hervorragendes Netzwerk von dem wir Alle profitieren“, so Verena Lämmle.

Dass es im Lechtal immer schon Menschen gab, die sich mit Heilpflanzen und Wildkräutern auskannten, ist in den vielen Erzählungen in Form von Sagen festgehalten worden. In Steeg betreiben Josef und Theresia Wildanger im Bereich des „Grubner Bauernhofs“ die Lechtaler Heilpflanzenschule. Josef Wildanger ist Schuldirektor, bildet auch Kräuterpädagogen aus und weiß schier alles über die hiesigen Pflanzen, wie zum Beispiel über den Enzian. Es ist die bitterste Pflanze und ist mit 60.000 Bittereinheiten eine der bittersten Pflanzen überhaupt. Und in Forchach sitzt mit Marianne Weirather eine der größten Expertinnen im Tal. Beide haben übrigens enge Kontakte zu den Lechtaler Kräuterhexen. „Wir sehen uns ja nicht als Konkurrenten, sondern haben ein gemeinsames Ziel: Wir möchten das Wissen über die Kraft der Kräuter bewahren und an andere weitergeben“, erklärt Obfrau Verena Lämmle.

Mehr Informationen über die Lechtaler Kräuterhexen unter www.facebook.com/LechtalerKraeuterhexen. Eine Mitgliedschaft kostet 25,- Euro im Jahr.
Informationen über Kräuterführungen erteilt auch das Tourismusbüro in Elbigenalp. Eine kleine Broschüre über die Lechtaler Kräuterhexen ist auch im Tourismusbüro erhältlich.

Tourismusbüro Lechtal
Untergiblen 23 · A-6652 Elbigenalp
Tel. +43 5634 5315 · E-Mail: info@lechtal.at
www.lechtal.at

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