Basilikum – viel mehr als nur ein Küchengewürz

Wenn ich an Basilikum (Ocimum basilikum) denke, fällt mir als erstes, wie wahrscheinlich vielen von Ihnen, der „Caprese“, der berühmte Vorspeisensalat aus Tomaten, Mozzarella, Basilikum und Olivenöl ein, der gerade im Sommer eine erfrischende Köstlichkeit darstellt. Die Farben Rot, Weiß und Grün entsprechen der Flagge Italiens und so gilt er dort als Nationalgericht.

Ihr Name stammt von den griechischen Wörtern „basileus“ für „König“ und „ozein“ für „riechen“ ab und deutet sicherlich auf den außerordentlich aromatischen Geruch hin. Schon um 2000 v. Chr. gelangte der Basilikum nach Ägypten, wo man in den Grabkammern der Pharaonen hieraus gewundene Kränze fand. Viel später brachten ihn Mönche etwa im 11. – 12. Jahrhundert mit über die Alpen, wo er sich nun relativ schnell über ganz Europa verbreitete. Hildegard von Bingen schreibt hierzu: „Wer starke Fieber hat oder Schüttelfrost, der koche Basilikum unter Zugabe von Honig in Wein, seihe es ab und trinke oft davon vor dem Essen, nach dem Essen und nachts, und die Fieber werden vergehen, und ein Schüttelfrost wird geheilt.“ Hochfieberhafte Zustände treten ja typischerweise bei Malaria auf, aber können auch Begleiterscheinungen von massiven Lungenentzündungen, Rotlauf (Erysipel) und anderen Infektionen sein. Und hier kommt erstaunlicherweise der große Brückenschlag bis in unsere Zeit: Wissenschaftler in Kenia haben ein preiswertes Malaria-Schutzprogramm entwickelt, das auf der Wirkung von Basilikum und Eukalyptus basiert. Durch gezieltes Verteilen dieser Pflanzen an und im Haus lassen sich bis zu ¾ der Malariamücken fernhalten. Und wenn sich die Malaria schon manifestiert hat, könnte der Basilikum-Wein die Fieberschübe lindern.

Verschiedene Sorten

  • Genoveser Basilikum: die bekannteste Art, sozusagen der „Klassiker“ aus dem Mittelmeerraum, entstanden aus den ursprünglichen Formen. Sehr aromatisch und würzig, leicht pfeffrig, ein wenig süß und feurig.
  • Süßes Basilikum: ähnlich dem Genoveser Basilikum, aber mit kleineren Blättern und einem süßlicheren, feineren und runderen Geschmack.
  • Rotblättriges Basilikum „Dark Opal“: stammt ursprünglich aus Japan, kann bis zu 60 cm hoch werden, wächst buschig-verzweigt und hat sehr dekorative purpurrote Blätter. Sein Aroma ist kräftig, voll und seidig-weich und passt sehr gut zu Reisgerichten.
  • Lakritz – Basilikum „Ararat“: kommt aus dem vorderen Orient, hat marmorierte Blätter und einen lakritzartigen Geschmack. Als Heilpflanze bei Verdauungsstörungen und Nervosität. Der Preßsaft heilt Insektenstiche.
  • Griechisches Basilikum: wird in Griechenland zum Schutz vor Moskitos aufs Fensterbrett gestellt und gilt als heilig. Vom Geschmack her würzig mit einer Note von Anis und Nelke.
  • Zitronen-Basilikum: kommt aus Nordwestindien und vereint Zitronenaroma mit feinem Melissenduft. Sehr gut zum Aromatisieren von Olivenöl und als bekömmlicher Entspannungstee.
  • Anis-Basilikum: Usprünglich aus Persien, wird heute in Indonesien und Thailand angebaut. Riecht sehr fein, voll und üppig nach Anis, mit einem Hauch von Exotik.
  • Siam Queen Thai-Basilikum: heilige Pflanze in Thailand. Geruch lieblich nach Anis und Lakritze. Die Triebspitzen sind ideal für Teemischungen.
  • Wildes Basilikum, auch Tulsi, Tulasi oder Holy: wird in Indien für Tempelräucherungen verwendet. Schmeckt pfeffrig, ähnlich einer Kreuzung aus Ingwer und Minze. Einsatz in der ayurvedischen Medizin.
  • Orthosiphon artistatus – Katzenbart, Javatee, indischer Nierentee: eine buschige Basilikumart, die in Ostindien, Südostasien und im tropischen Amerika angebaut wird. Hierzulande werden die Triebspitzen schon sehr lange traditionell angewendet zur Durchspülung bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengrieß.

Inhaltsstoffe

Das bei uns erhältliche europäische Basilikum enthält vor allem Linalool und Cineol, während die osteuropäischen Sorten mehr Eugenol aufweisen. Nach Zitronen duftende Arten enthalten vor allem Citral, stark estragolhaltige Pflanzen haben einen süßen Geschmack und Geruch nach Anis oder Lakritze (Thaibasilikum, Anisbasilikum). Außerdem sind im Basilkum vielen Spurenelemente, Mineralstoffe und Vitamine, wie Kupfer, Mangan und Vitamin C enthalten. Weiterhin sind noch andere komplexe Stoffverbindungen vorhanden, die von ernährungsphysiologischer Bedeutung sind. Diese bioaktiven Substanzen wirken u.a. antimikrobiell, antioxidativ, entzündungshemmend, sie entgiften den Körper, haben einen positiven Einfluss auf das Immunsystem, den Blutdruck und den Blutzucker- und Cholesterinspiegel.

Heilwirkung

  • Wenn eine Erkältung im Anflug ist, wirkt Basilikumtee oder ein Bad mit einem Aufguss schweißtreibend, schleimlösend und antseptisch.
  • Bei Verdauungsbeschwerden kann Basilikumtee eine ausgleichende Wirkung entfalten, Magendrücken, Blähungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen werden gelindert.
  • Ein Bad mit einem Aufguss aus Basilikum hilft bei nervöser Erschöpfung, Melancholie und Ängsten.
  • Bei Atemwegserkrankungen (Erkältung, Husten, Brustfellentzündung) unterstützt und beschleunigt Basilikumtee die Heilung.
  • Basilikum stärkt das Herz und kräftigt den Kreislauf. Bei Prüfungen, Anspannung und Stress kann eine Tasse Basilikumtee beruhigend wirken.
  • Getrocknete, pulverisierte Blätter entfalten eine ähnliche Wirkung wie Niespulver. Es hilft beim Verlust des Geruchsinns nach chronischem Schnupfen.
  • Frisch gepresster Basilikumsaft lindert und heilt Insektenstiche und Hautflechten – zweimal täglich auf die betroffenen Stellen auftragen.
  • In der indischen ayurvedischen Heilkunde wird die Pflanze hauptsächlich bei Infektionen und Fieber eingesetzt. Die Rezeptur: Tulsi-Basilikumkraut, Pfeffer, Knoblauch und Ingwer zu gleichen Teilen, 1-2 Zitronen und Honig mischen. Von dieser Paste isst man täglich 1-2 TL.

Na, hätten Sie das gedacht, was das „Küchenkraut“ Basilikum so alles kann? Toll, oder?

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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