Es lebe die Nostalgie!

Bricht heutzutage ein Henkel vom Topf ab, kauft man einen neuen. Ob Scherblattfolien von Rasierapparaten, neue Patronen für den Drucker oder Sägeblätter für die alte Handsäge. Oft sind die Preise für Ersatzteile genauso teuer wie ein neues Gerät selbst. Und das Schlimme daran ist, dass wir uns längst daran gewöhnt haben, inmitten dieser Wegwerf-Gesellschaft zu leben und das auch zu akzeptieren. Aber nicht alle. Denn schließlich gibt es Menschen wie Klaus Filser aus Füssen, die in diesen Zeiten fast schon wie Einzelkämpfer wirken. Zu ihrem Hang zur Nostalgie kommt meist langjährige Erfahrung und somit eine enorme Kompetenz, die es schlichtweg verbietet, die verschiedensten Dinge immer gleich aufzugeben und wegzuwerfen.

Klaus Filser ist ausgebildeter Elektriker sowie zudem Radio- und Fernsehtechniker, lernte beide Berufe beim damaligen Fachgeschäft Möst in der Fußgängerzone und blieb dem Unternehmen treu, bis es schloss. Schließlich eröffnete er sein eigenes Geschäft in der Sonnenstraße, wo er sich neben dem Elektrohandel vor allem auf die Reparatur der verschiedensten Geräte konzentriert. Alten Fernsehern, Radios, Plattenspielern, Waschmaschinen oder Video- und Kassettenrekordern haucht er so neues Leben ein, vorausgesetzt es lohnt sich noch. „Zu mir kommen viele ältere Menschen, die sich nicht immer gleich von ihren Geräten, die sie immerhin schon seit Jahrzehnten begleitet haben, trennen wollen.“

Filser arbeitet gerade an einem alten Abspielgerät, das mit geöffnetem Chassis auf seiner Werkbank liegt. „Ab und zu muss man schon den Kopf anstrengen, um drauf zu kommen, was fehlt“, lacht der Techniker. „Oder man muss improvisieren, das kann dann manchmal auch etwas länger dauern.“ In anderen Fällen wird es allerdings auch oft schwer, die nötigen Ersatzteile zu bekommen, da vieles heute nicht mehr hergestellt wird. Viele der Geräte, die Klaus Filser repariert, werden schon seit vielen Jahren nicht mehr verkauft. Und auch von den Firmen und Gerätenamen, die früher noch bekannt und erfolgreich waren, sind viele heute verschwunden. „Für solche Fälle hab ich noch ein paar alte Teile auf Lager, da sind Gehäuse, Platinen oder Spulen und oft passen diese Teile. Zuerst muss man halt einfach schauen, was an einem Gerät fehlt, wegwerfen kann man es dann ja immer noch.“

Zwar handelt der Fachmann auch mit neuen Elektrogeräten, aber die kauft man ja heute im Großhandel oder über das Internet. Der Kampf gegen die Wegwerf-Gesellschaft wird irgendwann einmal vorüber sein. Denn mit den Jahren werden schließlich nicht nur die alten Geräte weniger, sondern auch die Experten und Nostalgiker, die sich damit auskennen.

Text · Bild: Lars Peter Schwarz

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