Schwabenkinder

Premiere am 7. Juli auf der Geierwally-Freilichtbühne in Elbigenalp

Das Lechtal war bis in die 50er-Jahre letzten Jahrhunderts wohl eines der ärmsten Gebiete des Landes Tirol. Die Bevölkerung war allein auf den Ertrag der kargen Landwirtschaft angewiesen, der aber für kinderreiche Familien nicht ausreichend war. Mangels anderer Erwerbsquellen blieb nichts anderes übrig, als Möglichkeiten zu suchen, die das Überleben in der Heimat erleichterten. So blieb den Männern, besonders aber vielen Kindern, keine Wahl, als durch einen geringen Verdienst im Ausland mitzuhelfen, den Rest der Familie zu ernähren. Die Kinder zogen meist Mitte März, spätestens jedoch Anfang April in größeren Gruppen ins Schwabenland, wo sie auf den Gesindemärkten zum Viehhüten verdingt wurden. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren es jährlich etwa 100 „unnütze Esser“ aus dem Lechtal, die dieses traurige Los erdulden mussten. Obwohl es, besonders durch verschärfte Schulgesetze ab etwa 1910, theoretisch keine Schwabenkinder mehr geben konnte, sind trotzdem noch solche aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg bekannt.

Die Autorin Claudia Lang zum Stück
Das Thema „Schwabenkinder“ berührt sie schon seit ihrer  Kindheit, da ihre Mutter eines der letzten Schwabenkinder war. Das Stück erzählt die Geschichte einer Lechtaler Großfamilie, die exemplarisch für alle notleidenden Familien in ganz Tirol um 1900 steht. Die Handlung gipfelt im Gewissenskonflikt einer Mutter, welche ein Adoptionsansuchen für ihr Kind aus dem Schwabenland erhält. Von der Entscheidung, entweder ihr Kind freizugeben und ihm damit Wohlstand und eine gute Schulbildung zukommen zu lassen, oder es zurück in die Armut zu holen, erzählt das Stück „die Schwabenkinder“.

Der Regisseur
Thomas Gassner lebt mit seiner Familie in Innsbruck, genießt die schöne Bergwelt und keine 100 Pferde kriegen ihn von dort weg. Als Spätberufener schnupperte er bei der Kolpingbühne in Wattens seine erste Theaterluft, bis er sich schließlich nach Beendigung seines Wirtschaftsstudiums der beruflichen Theaterkarriere widmete. Seit 1996 war er u.a. Ensemblemitglied des Tiroler Landestheaters, der Komödienspiele Porcia/Spital a.d. Drau und der Tiroler Volksschauspiele Telfs. Als Regisseur und Autor arbeitete er mit Bernhard Wolf bereits bei „Sturm in den Bergen“ zusammen. 2013 inszenierte er auf der Geierwallybühne Felix Mitterers „Geierwally“.
Gassner hat bisher 35 Theaterstücke, 2 Hörspiele und einen Roman veröffentlicht. Aktuell spielt er mit dem Feinripp-Ensemble Gastspiele im In- und Ausland. (u. a. Kabarett Simpl/Wien, Schlachthof/München, Kleines Theater/Salzburg und vor allem und am liebsten im Treibhaus/Innsbruck). Der gebürtige Innsbrucker arbeitet als Schauspieler, Regisseur, Produzent, Moderator, (Drehbuch-)Autor und Schauspiellehrer. Seit 2011 leitet er gemeinsam mit Katrin Jud das Tiroler Theaterfestival „Theater trifft“ und seit 2013 auch das Festival „stummer schrei“.

Die Autorin
Wer ist eigentlich Claudia Lang-Forcher? Diese Frage muss man sich in einem bewegten Leben immer neu stellen. Und die Frage ist mit der Angabe des Geburtsjahres (1953), der Ausbildung (Theaterpädagogin), des Berufes (Regisseurin, Autorin, Schauspielerin), der Zahl der Ehen (2), Kinder (4) und Enkelkinder (9) nur minimal beantwortet. Die Kindheit und Jugendzeit von Claudia Lang-Forcher ist geprägt von den Geschichten und der Sozialität des elterlichen Gasthauses, dessen Mittelpunkt die Mutter als Wirtin ist, aber auch von harter Arbeit und einem Mangel an Zuwendung. Das Schicksal von Frauen und Kindern ihrer Tiroler Heimat liegt ihr dabei besonders am Herzen, etwa in den „Schwabenkindern“, deren schwerem Schicksal sie in ihrem ersten eigenen Theaterstück ein lebendes Denkmal gesetzt hat. Sie zeichnet ihre Charaktere ehrlich und echt, mit viel emotionaler Spannung. Eine fast mythische Verbindung ist ihr mit der legendären „Geierwally“ (Anna Stainer-Knittel, Malerin aus dem Lechtal) eingegangen. Nicht nur, dass sie mehrfach mit der Rolle der mutigen Geierwally verschmolzen ist, die hoch oben in den Felsen ein Adlernest aushebt, um ihre Lämmer zu schützen. Sie hat auch die Geierwally-Freilichtbühne in Elbigenalp vor mehr als 20 Jahren mitbegründet und war in vielfacher Weise deren Herzstück als Autorin von Theaterstücken, Regisseurin, Schauspielerin und künstlerische Leiterin. Sie hat bisher 14 Theaterstücke geschrieben, die alle mit großem Erfolg aufgeführt wurden.

Termine: 7. Juli Premiere
08.7. | 21.7. | 22.7. | 28.7. | 29.7.
04.8. | 05.8. | 06.8. | 11.8. | 12.8.
13.8. | 18.8. | 19.8. | 25.8. | 26.8.

Beginn: 20.30 Uhr
Kartenvorverkauf:
Tourismusverband Lechtal
Andrea Weger
Untergiblen 23
A-6652 Elbigenalp
MO – FR: 08 – 12 Uhr, 13 – 17 Uhr
Tel +43 (0) 5634 5315-12
E-Mail: geierwally@lechtal.at

Text: Sabina Riegger/pm

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