
„Scharfe Waffen“ für die Abwehrkräfte
Jetzt ist es langsam wieder an der Zeit, sich um ein gutes Immunsystem und die Abwehrkräfte zu kümmern, denn die nächste Erkältungssaison kommt bestimmt. Manchmal kann man ja gar nichts dafür, man wird von jemandem angesteckt oder, dann hat man selber Schuld und sich den Witterungsverhältnissen nicht entsprechend angezogen…
Also, was tun? Unter anderem spielt unsere Nasenschleimhaut eine sehr wichtige Rolle an der Front zwischen innen und außen. Sie sollte stets gut befeuchtet und durchblutet sein. Dann können die Schnupfenviren oder diverse andere Bakterien schon im Vorfeld abgewehrt werden, bevor man überhaupt erkrankt. Es gibt sehr gute befeuchtende Nasensprays, die hilfreich sein können oder einen ganz speziellen Spray aus dem naturbasierten Wirkstoff Carragelose aus einer Rotalge, der sogar noch effektiver wirkt.
Man kann ihn vorbeugend anwenden und sich schützen, wenn das Gefühl entsteht, die Umgebung ist sehr angegriffen. Aber selbst noch bei den ersten Erkältungsanzeichen kann er den vollständigen Ausbruch weitestgehend verhindern, die Symptome lindern und die Dauer der Erkrankung verkürzen. Dieser Nasenspray verursacht auch keinen Gewöhnungseffekt und ist für Kinder ab einem Jahr sowie für Schwangere und Stillende geeignet. Also, ich persönlich finde ihn sehr gut.
Was fällt Ihnen als erstes zum Thema Abwehrkräfte ein? Wahrscheinlich Vitamin C (Ascorbinsäure). Es darf gerne hochdosiert vorbeugend oder zu Beginn einer Erkältung über etwa drei Wochen eingenommen werden. Danach lässt sich die Wirkung nicht mehr weiter steigern, so dass eine Einnahmepause sinnvoll ist. Bis sich die nächste Infektion ankündigt…
Der Name Ascorbinsäure erinnert an Skorbut, eine Vitamin C – Mangelkrankheit der Seefahrer. Da die Vorräte an frischem Obst und Gemüse an Bord nicht lange haltbar waren, wurde die Ernährung bei einer langen Schiffsreise immer vitaminärmer. Bis man darauf kam, das in Fässern sehr gut lagerbare Sauerkraut mitzunehmen. In meinem Artikel vom August diesen Jahres habe ich Ihnen ja ausführlich darüber berichtet.
Dann gibt es auch noch die sogenannten natürlichen Waffen gegen Viren und Bakterien. Sie sind oft in den Inhaltsstoffen der „Kreuzblütler“, einer bestimmten Pflanzengattung enthalten. Zu dieser Ordnung zählen viele Nahrungs- aber auch einige Arzneipflanzen, die scharf schmecken und stark wirken, wie z. B. Kapuzinerkressen- oder auch Kaperngewächse.
Die Kreuzblütler, wie etwa die Knoblauchsrauke, das Wiesenschaumkraut, das Bittere Schaumkraut, die Brunnenkresse sowie den Meerrettich im Garten erkennt man leicht an ihren vier kreuzweise angeordneten Blütenblättern. Diese Blüten bekommen wir natürlicherweise bei den zahlreichen Kulturformen der Kohlpflanzen sehr selten zu sehen, weil Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Weißkohl, Spitzkohl, Wirsing und Kohlrabi ja bereits vor der Blüte geerntet werden.
Aber ihre Pflanzenzugehörigkeit erkennen wir doch am Geschmack, denn sie enthalten alle die charakteristischen Senfölglykoside. Die Pflanzen schützen sich mithilfe dieser Inhaltsstoffe vor ihren Fraßfeinden. Je nach Pflanzenart sind die unterschiedlichen Senföle an Zucker gekoppelt. Wird allerdings die Pflanze angeschnitten, getrocknet oder gekocht, löst sich diese Verbindung wieder auf und die freien Senföle entfalten nun wieder ihre volle Wirkung.
Weitere wertvolle Inhaltsstoffe der Kohlpflanzen sind auch Vitamin C, wie schon erwähnt beim Sauerkraut, Mineralien, sowie Bitter- und Ballaststoffe. Gerade die Ballaststoffe dienen unseren nützlichen Darmbakterien als Nahrung. Hierdurch gewinnen sie Energie und unterstützen den Körper bei der Abwehr krankmachender Bakterien und Viren. Dieser Zusammenhang ist inzwischen schon sehr gut bekannt und erforscht.
Oft braucht man dafür gar nicht unbedingt Nahrungsergänzungsmittel, sondern einfach eine ausgewogene Ernährung. Fett, Eiweiß, Zucker und Stärke liefern den Energiegehalt unserer Nahrung und bleiben Gott sei Dank auch nach der Zubereitung weitestgehend erhalten. Anders schaut es leider bei Mineralstoffen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen aus. Denn diese gehen bei ungeeigneter Lagerung, z.B. zu viel Luft über längere Zeit, ungünstiger Zubereitung (zu viel Wasser oder gar zu große Hitze) sowie durch wiederholtes Aufwärmen sehr leicht verloren.
Jeder, der gerne pikant kocht, hat wahrscheinlich schon einmal ein Gespür für diese Verluste bekommen und zwar bei der Zubereitung einer Meerrettich-Sauce. Eine frisch geerntete und unmittelbar vor dem Servieren geriebene Meerrettich-Wurzel bringt wohl deutlich mehr Schärfe in die Sauce als die gelagerte Variante. Auch beim erneuten Erwärmen kribbelt es in der Nasenschleimhaut wesentlich weniger. Also, mein Vorsatz für nächstes Jahr: selber Meerrettich anbauen.
Ein ganz hervorragendes pflanzliches Medikament ist eine Mischung aus dem Meerrettich und der Kapuzinerkresse. Lezteres gehört zwar nicht typischerweise zu den Kreuzblütlern, enthält aber genauso Senföle. Bereits 1958 wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Wirkstoffe in dieser Kombination die Vermehrung von Influenzaviren deutlich hemmen.
2010 konnte diese virustatische Wirkung sogar auch bei Grippeviren des Typs H1N1 bestätigt werden. Darüber hinaus zeigte sich auch eine bakteriostatische Wirkung gegen multiresistente Staphylokokken, eine hemmende Wirkung auf Pilze sowie eine verbesserte Durchblutung der Schleimhäute. Deshalb ist diese Kombination auch bei gemischten Infektionen äußerst erfolgreich. Manchmal lässt sich tatsächlich der Einsatz von Antibiotika reduzieren.
Hier ist scharf wirklich günstig! Ich persönlich empfehle diese Mischung hauptsächlich bei nicht zu komplizierten Harnwegsinfektionen, aber auch durchaus für die Atemwege wie bei Sinusitis und Bronchitis. Wichtig ist allerdings: nie auf nüchternen Magen nehmen, denn die Scharfstoffe können hier natürlich auch reizen. Was außerdem noch von Vorteil ist: wenn nötig, ist auch eine längere Anwendung durchaus möglich. Das Produkt ist ebenfalls vegan, lactose- und glutenfrei.
Sehr viele Scharfstoffe enthält auch der Ingwer, von dem ich Ihnen ja schon berichtet habe. Gerade in der Erkältungszeit ist das sogenannte „Ingwerwasser“, frische Scheiben in heißem Wasser eingelegt, gerne auch mit einem Schuss Zitrone, ein sehr wohltuendes Getränk zur Stärkung des Immunsystems.
Die Heilige Hildegard von Bingen hatte damals auch noch einen „Geheimtipp“, den Galgant. Er gehört ebenfalls zu den Ingwergewächsen und wird in der Hildegard-Medizin relativ vielfältig verwendet. Um nur einiges zu nennen: zur Vorbeugung bei Grippesymptomatik, Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Magenkatarrh, Heiserkeit, Husten und Erkältungen. Was uns in diesem Zusammenhang besonders interessiert, ist die prophylaktische Maßnahme zur Steigerung der körperlichen Abwehrkräfte. Die Anwendung ist relativ einfach. Einmal täglich ein bis zwei Galgant -Tabletten oder wahlweise ein bis drei Messerspitzen des Pulvers aufgelöst in einem Glas Himbeerwasser, auch hier wieder gerne mit frisch gepresstem Zitronensaft. Jeden Tag ein Gläschen vom Herbst bis in den Winter hinein.
Sie werden sich vielleicht fragen: was bringt hier die Himbeere? Also im Originaltext heißt es: „Der Himbeerstrauch taugt gegen Fieber. Wenn einer Fieber hat und Abneigung gegen das Essen, dann koche er Himbeerblätter leicht in Wasser, und diese Pflanze lasse er so in diesem Wasser liegen und trinke das Wasser am Morgen und zur Nacht angewärmt. Das in Wasser gekochte Kraut selbst lege er warm über eine Stunde über seinen Magen/Darm. Das mache er an drei Tagen und die Fieber in ihm werden vergehen.“
Sie sehen, es gibt relativ viele und gute Möglichkeiten, gesund und fit in der oft nicht so angenehmen Jahreszeit zu bleiben.
Ihre Apothekerin
Simone Wagner



