
Die erstaunliche Welt der Bohnen
Die Bohnen zählen wohl mit zu unseren ältesten Kulturgewächsen, sind wahre Kraftpakete, galten einst als sogenanntes „Fleisch der Armen“. Sie wachsen sehr genügsam und verbessern mit ihren Wurzeln sogar die Erde.
Hier erscheint immer einmal wieder die Frage: Hat Christoph Kolumbus nun die Gartenbohne mit nach Europa gebracht oder nicht? Am 4. November 1492 soll der, wie er sich selbst gerne nannte, „Admiral des Meeres“ auf Kuba, wie man jetzt weiß, in sein Bordbuch (er wähnte sich noch immer auf dem Weg nach Indien)notiert haben, dass in diesem fruchtbaren Land Bohnen wachsen, die ganz anders aussehen würden als jene daheim.
Doch ein historisch eindeutiger Beleg dafür fehlt bis heute. Mit welchem Schiff die Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris) nun mitkamen, ist im Grunde nicht wirklich wichtig. Auf jeden Fall eroberten sie im 16. Jahrhundert endgültig die Gärten Europas. Und verdrängten Stück für Stück die gute alte heimische Ackerbohne (Vicia faba).
Jahrhundertelang war dieses ureuropäische, sehr robuste Gewächs wirklich eines unserer wichtigsten Grundnahrungsmittel. Sogar bereits bei Ausgrabungen prähistorischer Pfahlbauten in den Alpen fand man Reste von Ackerbohnen. Nun jedoch war diese widerstandsfähige Bohnenart, die auch wunderbar in rauen Regionen gedeiht, vielen auf einmal nicht mehr gut genug. Die „welschen“, sprich fremden Gartenbohnen lieferten mehr Ertrag und schmeckten dazu noch weniger mehlig. Und so kam es dazu, dass man die Ackerbohne abfällig als Sau-, Pferde- oder Viehbohne bezeichnete und sie wurde forthin als Viehfutter abgetan. Und, wie es ja oft so ist: was der Bauer nicht kennt…
Anfangs, in den ersten Jahren verfütterte man allerdings auch die neuen Gartenbohnen, die in unserer Gegend erstaunlich gut gediehen, zunächst nur an Haustiere. So ganz traute man den Pflänzchen aus Übersee, die auch hübsche Blüten bildeten, wohl doch nicht. Das erinnert mich etwas daran, dass Friedrich der Große seine Kartoffelfelder von Soldaten bewachen ließ, damit seine Untertanen glaubten, dass diese seltsamen Knollen bestimmt sehr wertvoll seien…
Womit wir bei einer weiteren Bohnenart wären: der sehr kletterfreudigen Feuerbohne. Sie bildet ganz bezaubernde scharlachrote, schmetterlingsförmige Blüten. Daher wurde sie lange Zeit irrtümlicherweise ausschließlich als Zierpflanze gehalten. Wenn es doch gefallen hat… Spanische Seefahrer brachten diese Schlingpflanze, die auch manchmal Prunkbohne genannt wird, etwa in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus Guatemala mit.
Aber wie so oft: in der alten Welt dachte niemand daran, die länglichen Hülsen, die sich alsbald aus den feuerroten Blüten entwickelten, zu pflücken. Tja, was für eine Verschwendung! Denn die „Phaseolus coccineus“ mit ihren schwarz-rot gesprenkelten Hülsen und dem feinen, zart nussigen Geschmack ist eine echte Kostbarkeit. Sie gilt sogar als „Königin der Bohnen“, speziell in der Steiermark in Österreich. Die berühmte steirische Käferbohne ist nämlich auch eine Feuerbohne.
Erzherzog Johann war es, der volksnahe Enkel von Kaiserin Maria Theresia, der diese heutige Spezialität in diesem Gebiet populär machte. Wie kam es dazu? Der Habsburger mit einer sehr sozialen Ader hielt sich 1815 in England auf und nahm Saatgut dieser proteinreichen und nahrhaften Pflanze mit in seine Heimat. Dort litt die Bevölkerung großen Hunger. Heute ist immer noch das „Fleisch der Armen“ das Markenzeichen und der Exportschlager dieser Region. Bis zu vier Meter hoch ranken sich dort die Bohnen! Im Garten eignen sich die Kletterpflanzen daher auch gut als Sichtschutz. Feuerbohnen und Stangenbohnen sind übrigens „Linkswinder“.
Was bedeutet das? Das heißt, sie wachsen immer entgegen dem Uhrzeigersinn an ihren Rankhilfen empor. Wenn man das weiß, kann man ihren jungen Trieben im Frühjahr Hilfestellung bieten. Denn die Wuchsrichtung ist ihnen tatsächlich genetisch vorgegeben… Für das Kultivieren diverser Bohnenarten im häuslichen Garten gilt vor allem: sie mögen gerne gut durchlässige, nährstoffreiche Böden, feuchtwarmes Wetter und, was sehr wichtig ist: sie sollten nie tiefer als zwei bis drei Zentimeter eingesetzt werden!
„Bohnen wollen die Glocken läuten hören“, lautet eine alte Gärtnerweisheit. Sie brauchen Wärme und Sauerstoff aus den oberen Erdteilen, denn, wenn zu tief gesetzt faulen sie gerne. Bis Bohnen nach dem Säen keimen, dauert es etwa zwei Wochen. Um diese Zeit zu verkürzen, können als Trick die Bohnensamen ein bis zwei Tage oder zumindest über Nacht in ausgekühltem Kamillentee eingeweicht werden. Aber wer hat es denn so eilig!
Das gilt im Übrigen auch für die exotischen, besonders hitzeverträglichen Helmbohnen (Lablab purpureus), die im 18. Jahrhundert aus den Tropen importiert wurden, ebenso wie die extrem langen Spaghettibohnen und die Flügelbohne (Psophocarpus tetragonolobus). Solche Sorten könnten im Zeichen des Klimawandels und der extremen Hitzeperioden durchaus eine Alternative sein. Zu blühen beginnen fast alle Bohnenarten in etwa sechs bis acht Wochen nachdem sie gesetzt wurden.
Ist es aber während der Blütezeit zu kalt oder zu trocken (Ersteres bei uns eher nicht, Zweiteres leider sehr wahrscheinlich), bilden sie kaum oder wenig Hülsen aus. Bei einem idealen Standort – windgeschützt und mäßig warm – lassen sie sich sogar mehrmals hintereinander durchpflücken. Das regt ihr Wachstum an und sie setzen stets wieder neue Blüten und Hülsen an. Gewonnenes Saatgut hält sich trocken aufbewahrt übrigens durchaus über mehrere Jahre.
Bohnen, in welcher Form auch immer gegessen, sind natürlich schmackhaft, aber besonders gut sind im gesundheitlichen Sinne die Bohnenschalen. Das ist die äußere Schicht der Bohnenkerne, die sehr reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien ist.
Wie kann man sie anwenden?
Einerseits zur Ergänzung einer ballaststoffreichen Ernährung, die die Verdauung fördert und zur Aufrechterhaltung eines gesunden Darmtrakts dient. Sehr schön, um das bei Bedarf den Mahlzeiten hinzuzufügen, z.B. in Suppen, Eintöpfen oder als Zutat zu Backwaren können sie verwendet werden, um als wertvolle Komponente zu dienen.
Auch ein Teeaufguss ist möglich: einen Teelöffel mit 150 bis 200ml heißem Wasser übergießen und für 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Dieser Tee wird für seine unterstützende Wirkung auf den Stoffwechsel sehr geschätzt,. zwei bis fünf Tassen täglich. Das ist leider etwas in Vergessenheit geraten, aber zu meinen „Anfängen“ war ein Bohnenschalentee zur Unterstützung bei Diabetes das Mittel der Wahl, um den Blutzuckerspiegel mit zu regulieren. Diesen gibt es natürlich auch fertig zu kaufen.
Bei einem erhöhten Cholesterinspiegel sind die enthaltenen löslichen Ballaststoffe in der Lage, ausgleichend zu wirken und so auch das Herz-Kreislauf-System zu unterstützen. Ebenfalls als Tee angewendet, dienen sie als pflanzliches Mittel zur Durchspülung der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung von Nierensteinen. Bei Allergien gegen Hülsenfrüchte, Vitamin C oder Chrom ist allerdings Vorsicht geboten. Außerdem sind sie nicht unbedingt angezeigt bei konkreten Wasseransammlungen(Ödemen) aufgrund Herz-oder Niereninsuffizienz.
Und bitte nicht vergessen: Bohnen immer nur gekocht essen, roh sind sie für uns giftig!
Ihre Apothekerin Simone Wagner



