
Schmerzende Muskeln
Im Fachjargon auch Myopathien genannt, sind diese oft wesentlich mehr als ein normaler
Muskelkater nach zu viel ungewohnter sportlicher Betätigung, die Ursachen können
tatsächlich sehr vielfältig sein. Wenn man weiß, woher sie kommen, ist es relativ leicht. Ein klassischer „Muskelkater“ vergeht nach einigen Tagen wieder, ist aber durchaus
unangenehm und kann richtig schmerzhaft sein.
Hier gleich mal einige Tipps am Rande: zur Vorbeugung von Muskelkater vor und nach dem Sport entweder eine Tasse Kaffee oder alternativ ein Glas mit 0,3 Liter Kirschsaft trinken. Auch prima: ein Ingwerdrink entspannt die verkrampfte Muskulatur und lindert Schmerzen. Dazu ein Teelöffel Ingwerpulver in einen Liter kochendes Wasser einrühren und über den Tag verteilt zu sich nehmen. Was ebenfalls sehr gut funktioniert, ist folgendes: Ein Teelöffel Ingwerpulver mit etwas warmem Wasser zu einer Paste mischen und auf die schmerzenden Stellen aufstreichen.
Alternativ sind auch Kälteanwendungen sehr sinnvoll, sofern es sich um eine akute Entzündung handelt. Die Kälte dämpft den Stoffwechsel der Muskeln sowie die Durchblutung und hindert auf diese Weise die Nervenbahnen daran, Schmerzsignale weiterzuleiten. Ein Klassiker ist auch der Quark-Umschlag: gekühlten Quark dick auf ein feuchtes Baumwolltuch streichen. Mit der Quarkseite vorsichtig auf die schmerzende und entzündete Stelle legen. Dann ein trockenes, etwas dickeres Baumwolltuch darüber wickeln und das Ganze etwa eine Stunde einwirken lassen.
Aber wenn das alles nicht zutrifft? Den anderen Auslösern von Muskelschmerzen auf die Spur zu kommen, ist tatsächlich gar nicht so ganz einfach. Neben unerwünschten Nebenwirkungen von Medikamenten, leider auch der sog. Statine, können durchaus auch seltene, genetisch bedingte Krankheiten, Fibromyalgie oder Ähnliches dahinter stecken. Da ist Detektivarbeit gefragt und die gehört dann in die Hände eines Fachmannes.
Ein gestörter Stoffwechsel kann eine der häufisten Ursachen sein. Störungen im Kohlenhydrat-, Fett- oder Purinstoffwechsel (das hat im weitesten Sinne mit einer erhöhten Harnsäure zu tun, die sich dann in der bekannten Gicht äußert) können schuld sein, wenn die Muskeln schmerzen. Charakteristisch sind hierfür belastungsabhängige, muskelkaterähnliche Schmerzen, die überall im Körper vorkommen können. Beispielsweise reicht oft bereits das Zerbeissen von zähem Fleisch aus, und die Betroffenen bekommen Muskelkater in der Kaumuskulatur.
Bei stärkerer Belastung droht gar der Zerfall von Muskelfasern! Fasten kann manchmal bei bestimmten Fettstoffwechselstörungen ebenfalls die Symptome verstärken. Auch reichhaltige Speisen, Kälte, Stress, Schlafmangel, Infekte und Medikamente, z.B. Ibuprofen, können hier auslösend wirken. Deshalb ist zur Vorbeugung und Behandlung dieser Beschwerden ein intakter Stoffwechsel extrem wichtig. Es gibt aber mehrere Stoffwechselblockaden, gegen die man angehen kann.
In diesem Zusammenhang ist eine Optimierung des Säure-Basen-Haushaltes schon sehr hilfreich. Unnatürliche Ernährungsgewohnheiten führen gerne dazu, dass der Basenanteil in unserem Körper ständig zu gering ist. Ein Zuviel an Zucker, Weißmehlprodukten, Fleisch und Wurst übersäuert den Körper. Um die Säuren zu neutralisieren, werden kostbare Basen, vor allem Calcium verbraucht. Eine Übersäuerung des Organismus ist die Grundlage von vielen Beschwerden und Krankheiten, nicht nur von Muskelschmerzen. Denn: was nicht neutralisiert wird, landet wie eine Art „Sondermüll“ im Bindegewebe. Dadurch verlangsamen sich die Stoffwechselprozesse. Wir nehmen u.a. auch zu, selbst, wenn wir uns kalorienbewusst ernähren und viel bewegen.
Tja, das liebe Bindegewebe. Es ist deutlich mehr als nur ein Bindeglied und Lückenfüller zwischen den Organen. Es dient als Nährstoffspeicher und eben als Zwischenlager für die Stoffwechselprodukte. Im Bindegewebe entsorgen die Zellen all ihre „Schlacken“. Damit diese unseren Körper auch wieder verlassen können, müssen genügend Mineralsalze vorhanden sein. Bei einem Mangel verbleiben diese Rückstände im Gewebe und binden Wasser. Nun kommt es zu Muskelleiden, Verspannungen und Wassereinlagerungen, sprich Ödemen.
Auch die Verdauung kann eine Rolle spielen. Umweltschäden, zu üppige Ernährung, Genussgifte und Medikamente können die Leber belasten. Schließlich ist sie unser zentrales Stoffwechselorgan. Aber Magen, Bauchspeicheldrüse und Darm leiden ebenfalls mit. Also gerät gleich einiges ins Stocken. Muskelentzündungen, Verstopfung, Blähungen und Magenprobleme können die Folgen sein.
Der Wasserhaushalt: Viele von uns trinken zu wenig, ich will mich da gar nicht so ganz ausschließen. Trinken ist aber so wichtig! Jeden Tag schwemmt unser Körper Säuren und Schlacken heraus und zwar ausgefiltert als Harn durch die Nieren.
Ein Teil landet davon, wie wir schon gehört haben, im Bindegewebe, weil für den Abtransport die Mineralsalze fehlen. Muskelschmerzen und Verspannungen sind nun wieder die Folge. Also: trinken. trinken, trinken… Gerade im Sommer doppelt wichtig, da man oft vermehrt schwitzt. Ich weiß, dass auch besonders bei älteren Menschen gerne das Durstgefühl fehlt, da hilft eigentlich nur eines: die tägliche Tagesration herrichten, Minimum ca. zwei Liter, würde ich sagen und immer wieder einen kräftigen Schluck nehmen. Ihr Wohlbefinden wird deutlich verbessert.
Die Eiweißverdauung: Eiweiß ist ganz wichtig für die Bildung von Enzymen, Hormonen, Muskeln und Bindegewebe. Allerdings entsteht bei der Spaltung Ammoniak, ein relativ starkes Zellgift. Aber hier gibt es eine Lösung. Die Leber wandelt ihn in ungiftigen Harnstoff um, der nun wieder mit dem Urin ausgeschieden wird. Eine zu hohe Zufuhr von Eiweiß bedeutet Schwerstarbeit für Leber und Nieren, was wiederum zu Muskelschmerzen führen kann.
Die Fettverdauung: Klar brauchen wir Fette, denn sie liefern essentielle Fettsäuren. Fett ist außerdem der beste Energiespeicher für Notzeiten. Der Körper bunkert das an den Oberschenkeln und Hüften, an Bauch und Po. Im Fettgewebe lagert er leider auch gerne u.a. Giftstoffe ab, die später freigesetzt werden. Anzeichen hierfür sind Muskelbeschwerden, depressive Verstimmungen, Krankheitsanfälligkeit und Kopfschmerzen.
Die Kohlenhydratverdauung: Im Prinzip sind Kohlenhydrate eigentlich Energie pur. Im Überfluss sind sie natürlich für ein nicht gewünschtes Übergewicht verantwortlich. Hierfür sind besonders Süßigkeiten und Weißmehlprodukte mit verantwortlich. Und durch die daraus entstehende erhöhte Insulinausschüttung bekommt man schneller wieder Hunger. Schon interessant, wie die Systeme in unserem Körper miteinander verbunden sind. Neben einer gesunden Ernährung, einem Säure-Basen-Ausgleich hier evtl. mit Pulvermischungen, Tees oder Bädern, sind selbstverständlich die Optionen möglich, die ich Ihnen bei einem normalen Muskelkater bereits vorgestellt habe. Ob Wärme oder Kälte gut tut, ist oft sehr unterschiedlich. Das entscheidet man am besten selbst.
Was gibt es noch? Eine Einreibung der schmerzenden Stellen mit einer Mischung aus je zehn Milliliter Pfefferminz-, Melissen-, Lavendel- Eukalyptus- und Kiefernnadelöl wirkt sehr lindernd. Ähnliches gibt es, Gott sei Dank, schon in Form von Fertigpräparaten.
Aus dem Bereich der Schüssler-Salze sind u.a. Nr.1, Calcium fluoratum als generelles Basismittel, sowie Nr.12, Silicea, das wie eine Drainage für das Bindegewebe wirkt, bekannt. Bei chronischen Muskelbeschwerden empfiehlt sich ein Cocktail von Nr.1, Calcium fluoratum, Nr.2, Calcium phosphoricum und Nr.8, Natrium chloratum. zwei Monate lang im täglichen Wechsel je viermal zwei Tabletten im Mund zergehen lassen. Bei akuten Muskelschmerzen hilft eine Salbe der Nr.3, Ferrum phosphoricum als Einreibung.
Aus der Pflanzenheilkunde kommt auf jeden Fall der Löwenzahn in Frage, der dient zur Entsäuerung des Körpers sowie zur Kräftigung und Reinigung der Leber und der Gallengänge. Wie Sie ihn gerne zu sich nehmen, bleibt Ihnen überlassen: ob als Tee, im Frühjahr mit den frischen Blättern im Salat oder als fertigen Presssaft, es ist alles gut. Löwenzahn gehört zu den besten Entgiftungsmitteln der Natur, auch im Zusammenhang mit Blutfetten.
Die Mittel aus der Homöopathie sind hier sehr, sehr vielfältig, es ist gar nicht so leicht, das Richtige zu finden. Da zählt das individuelle Beschwerdebild. Was passiert, wenn versehentlich das falsche Mittel gewählt wurde? Nichts, so wie sich ein Schlüssel nicht umdrehen lässt, wenn er im falschen Schloss ist, dann passt es eben nicht und der Körper zeigt keine Reaktion. Also probieren.
Muskelschmerzen sind kein Schicksal, sondern durchaus behandelbar.
Ihre Apothekerin
Simone Wagner



