
Türk Gücü Füssen feiert 45-jähriges Jubiläum mit Neuanfang
Der traditionsreiche Fußballverein startet mit verjüngter Mannschaft in der B-Klasse durch – Doch die Rahmenbedingungen bleiben schwierig. Nach turbulenten Monaten wagt Türk Gücü Füssen einen kompletten Neustart. Der Verein, der 1981 gegründet wurde und in diesem Jahr sein 45-jähriges Bestehen feiert, geht mit einer verjüngten Mannschaft in die neue Saison. Am 19. August steht in Oberstaufen das erste Spiel in der B-Klasse an.
Ein besonders dunkles Kapitel der vergangenen Saison war ein Rassismus-Vorfall bei einem Spiel zwischen dem Kemptener Fußballverein SV Heiligkreuz und dem Füssener Verein Türk Gücü. Letztes Jahr im August kam es zu einem Spielabbruch. Grund dafür: Ein Spieler von Türk Gücü soll von einem Gegenspieler rassistisch beleidigt worden sein. „Im Verlauf des Fußballspieles wurde einer unserer Spieler mehrfach mit rassistischen Ausdrücken und Affengeräuschen beleidigt“, erzählt Vorstand Serhat Eroglu.
Bei dem betroffenen Spieler handelte es sich um einen 19-Jährigen aus Westafrika. Ein Mitspieler von Türk Gücü reagierte darauf mit Beschimpfungen gegen den Gegenspieler und erhielt vom Schiedsrichter die rote Karte. Der Trainer brach das Spiel daraufhin ab. „Die Punkte waren uns egal, aber sowas geht auf keinen Fall. Bei uns spielt die Hautfarbe keine Rolle, wir haben seit der Gründung internationale Spieler“, betont der Vorstand. Der Schiedsrichter verhielt sich neutral und gab an, nichts gehört zu haben. Da Türk Gücü Füssen mitten in der Rückrunde im März 2026 ausschied, wurden alle bis dahin absolvierten Spiele der Saison annulliert. Das sorgte im Abstiegskampf der Kreisklasse für erhebliche Unruhe und Unmut.
Multikulturelle Mannschaft mit Familiengefühl
Türk Gücü Füssen versteht sich als Multikulti-Verein. „Wir haben Deutsche, Türken, Aramäer, Spanier, Italiener, Albaner und dunkelhäutige Spieler. Wir sind Multi-Kulti“, erklärt Eroglu stolz. Mindestens acht bis neun neue, größtenteils sehr junge Spieler verstärken nun die neue Herren-Mannschaft. Mit Ercüment Yasar konnte ein erfahrener Trainer gewonnen werden, der viele Jahre zuvor sogar Vorstand des Vereins war und für seine Tätigkeit als Trainer auf eine Vergütung verzichtet. „Er unterstützt uns mit seiner Erfahrung, weil wir einen Neuanfang machen wollen – diszipliniert und mit dem Ziel, wieder einen guten Namen zu bekommen“, so Eroglu.
Strukturelle Probleme belasten den Verein
Trotz des sportlichen Neuanfangs kämpft Türk Gücü mit strukturellen Problemen. „Wir haben keine Möglichkeit, nach dem Training zu duschen“, erklärt Eroglu ein grundlegendes Problem. Die Kabinen der TSG seien ständig belegt – durch Sportunterricht, Gymnastik oder andere Gruppen. „Ich habe angeboten, die Trainingstage zu verschieben, wenn wir einen Tag duschen dürften. Aber wir haben keine Chance“, berichtet der Vorstand frustriert. Auch der Plan, einen Duschcontainer aufzustellen, scheiterte. „Der Bürgermeister sagte, dass es das Landratsamt nicht erlaubt. Das kann ich verstehen, weil es zum Gesamtbild passen muss. Aber es sollte doch möglich sein, einen Weg zu finden, um das Duschen für die Spieler möglich zu machen.“
Eroglu sieht das als Nachteil für seinen Verein und für die Gewinnung neuer Spieler. „Es war herausfordernd eine neue Mannschaft zu bilden“, gibt Eroglu zu. Ein weiteres Problem ist die fehlende Flutlichtanlage. „Im Oktober wird es schnell dunkel, so dass wir das Training vorzeitig abbrechen müssen“, erklärt er. Türk Gücü würde, falls es finanziell möglich wäre, die Kosten für die Flutlichtanlage mit Hilfe von Sponsoren übernehmen. „Ich habe bei der Stadt angefragt und bat um einen Kostenvoranschlag. Das war letztes Jahr im Oktober – bis jetzt haben wir keine Rückmeldung erhalten.“
Finanzielle Engpässe
Mit etwa 70 Mitgliedern ist Türk Gücü ein kleiner Verein. Die Einnahmen beschränken sich auf Mitgliedsbeiträge und die Bewirtschaftung an Spieltagen. Damit kann der Verein keine großen finanziellen Sprünge machen. „Ich habe dem Bauamt eine E-Mail geschrieben, ob wir Werbung an den Banden anbringen dürfen so wie der FC Füssen. Das würde uns finanziell viel helfen“, so Eroglu und hofft auf eine Zusage.
Wie es mit dem Verein weitergehen soll, darüber hat der 43-Jährige eine klare Vorstellung. „Vom Aufstieg wollen wir erstmal gar nicht reden“, stellt er klar. „Uns geht es in erster Linie darum, dass wir diszipliniert in die Liga starten, uns anständig aufführen und ein neues Kapitel aufschlagen. Wenn wir die nächsten drei Jahre nicht aufsteigen, wäre das okay. Es geht mir um den Zusammenhalt und den Spaß. Alles andere kommt von selbst.“ Der Verein plant künftig mehr gemeinsame Aktivitäten: Kegeln, Radfahren, Schwimmen, Grillen.
Zum 45-jährigen Jubiläum plant der Verein keine öffentliche Feier. „Wir wollen vielleicht vor dem ersten Heimspiel ein Familiengrillen organisieren, wo wir unsere Mitglieder und Spieler mit ihren Familien einladen. Einfach, dass wir wieder zusammenkommen“, erklärt Eroglu.
Das erste Saisonspiel von Türk Gücü Füssen findet am 19. August in Oberstaufen statt. Training ist dienstags um 18 Uhr am Sportplatz.
Text · Foto: Sabina Riegger



