Wirtschaft

Jeder Boden erzählt eine Geschichte

Jens Schwarz aus Schwangau ist Parkettlegermeister aus Leidenschaft – seine Böden finden sich in Privathäusern, Kirchen und auf Schloss Neuschwanstein

Es gibt Augenblicke in seinem Beruf, die Jens Schwarz nicht vergisst. Augenblicke, in denen ein frisch sanierter Holzboden wieder im Licht lieg. „Da habe ich schon Leute gehabt, die haben geweint, weil der Effekt so schön war“, erzählt der Schwangauer Parkettlegermeister. Dieser Satz beschreibt wohl besser als alles andere, warum er seit mehr als zwei Jahrzehnten genau das tut, was er tut. Denn für Jens Schwarz ist ein Fußboden keine bloße Oberfläche. „Ein Fußboden hat einen unglaublichen Stellenwert, emotional. Das ist nicht nur eine Gardine oder eine Decke. Wenn der Fußboden nicht passt, ist alles nichts.“

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Begonnen hat seine Laufbahn nicht mit Parkett, sondern mit Holz in anderer Form. Jens Schwarz absolvierte seine Ausbildung als Zimmerer beim Johann Schneidberger in Schwangau – einem Betrieb, dem er ein ganzes Jahrzehnt treu blieb, bevor er zu Sepp Ambros nach Hopferau wechselte. Die Faszination für Parkettböden war schon lange vorhanden; nun reifte der Entschluss, sich zu spezialisieren. „Ich wollte immer was machen im Parketthandwerk“, sagt Schwarz. Ambros, selbst Parkettlegermeister, ermutigte ihn: „Wenn es hinhaut, gut. Wenn nicht, kommst du zurück. Aber probier‘s.“

Im Jahr 2001 legte Schwarz die Meisterprüfung ab – und gründete noch im selben Jahr seinen eigenen Betrieb. Der erste Auftrag war ein Bodenschleifen bei Ernst Knestele. Eine schlichte Arbeit, aber der Beginn eines langen Weges. „Ich habe ein Haus gebaut, ich habe vier Kinder gehabt – und ich habe einen sicheren Job mit guter Bezahlung aufgegeben“, erinnert er sich. Das Risiko war real. Und es hat sich gelohnt. Was zunächst mühsam war – um jeden Kunden werben, überzeugen, liefern – hat sich mit den Jahren grundlegend gewandelt. „Heute können wir uns die Kunden aussuchen“, sagt Schwarz. Das klingt selbstbewusst. Und es stimmt.

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Vertrauen als höchstes Gut

Was Jens Schwarz von vielen Mitbewerbern unterscheidet, ist nicht allein das handwerkliche Können – es ist die Art, wie er mit Menschen umgeht. Vertrauen ist für ihn keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Grundbedingung. „Wenn du zu einem Kunden kein Vertrauen hast, breche ich sofort ab“, sagt er ohne Umschweife. Er habe Aufträge mittendrin beendet, wenn das Vertrauen bröckelte. Die Gegenseite ist ebenso klar: Wer ihm seine Wohnung überlässt und in den Urlaub fährt, weiß – der Boden wird so gemacht, als wäre es seiner.

Mit den Jahren hat Schwarz ein Gespür für Menschen entwickelt, das sich schwer in Worte fassen lässt. „Ich weiß schon am ersten Telefonat, wie ich den Anrufer oder Anruferin einordnen muss“, sagt er. Ob Handwerker oder Akademiker, Kenner oder Laie – er liest sein Gegenüber, noch bevor er ihm die Hand gibt. Diese Menschenkenntnis, gepaart mit absoluter Termintreue und einem hohen Anspruch an Verlässlichkeit, hat ihm in der Region und weit darüber hinaus eine Reputation eingebracht. „Das positive Feedback – wenn du durch die Stadt gehst und jemand sagt, der Boden vor 20 Jahren ist immer noch so schön – das ist das Schönste. Davon kann man leben.“

Qualität ohne Abstriche

Beim Thema Qualität macht Jens Schwarz keine Kompromisse. Lehrlinge bildet er bewusst nicht aus – er stellt Fachleute ein, die ihr Handwerk vollständig beherrschen. „Von mir kriegt jeder Chefarztbehandlung“, sagt er. Das gilt für Kunden wie für die Zusammenarbeit im Team. Regelmäßige Weiterbildungen und Schulungen – auch als Mitglied der Innung Parkett und Fußbodentechnik Schwaben – sind für ihn und sein dreiköpfiges Team Pflicht, nicht Kür. „Wir gehen auf Fortbildungen, auf Schulungen. Wir sind immer up to date.“

Das Leistungsspektrum des Betriebs reicht vom Verlegen verschiedenster Parkettböden und Vinylbelägen über Oberflächen­behandlung und -pflege bis hin zum fachgerechten Einbau von Türen. Im Mittelpunkt steht dabei die Sanierung bestehender Böden und Intarsien – oft von solchen, die Jahrzehnte oder mehr als ein Jahrhundert auf dem „Buckel“ haben. „Bei Sanierungen höre ich oft: dieser Boden stammt noch von meinem Großvater“, sagt Schwarz. „Ich antworte dann, dass es gerade deshalb einen hohen Wert hätte, ihn wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Ein alter Boden ist oft ein unbezahlbares Juwel, das wiederbelebt werden kann.“

Die Referenzliste von Schwarz Parkett ist beeindruckend: Privatwohnungen, Berghütten, Kirchen und renommierte Hotels der Region zählen ebenso dazu wie Aufträge weit über die Grenzen des Allgäus hinaus – bis in die Schweiz und nach Österreich. Besonders in Erinnerung geblieben sind Schwarz die Einsätze auf Schloss Neuschwanstein, wo sein Team Böden verlegt und saniert hat. Auch an der Säbener Straße in München, der Trainingsstätte des FC Bayern, hat er seine Handschrift hinterlassen. Und im Hohen Schloss in Füssen zeugen seine Böden von der Bandbreite seiner Arbeit.

„Es ist immer anders. Unglaublich vielseitig und unglaublich abwechslungsreich. Und du triffst immer andere Leute“, sagt Schwarz. Dass zu seinen Kunden auch ehemalige Lehrer und Ärzte aus seiner eigenen Vergangenheit zählen, erfüllt ihn bis heute mit einer stillen Freude.

Gute Vernetzung ist für Jens Schwarz heute unerlässlich. „Egal ob Maler, Fliesenleger, Maurer – wir sind alle vernetzt, und das ist wichtig.“ Seit vielen Jahren verbinden ihn enge Partnerschaften mit der Schreinerei Gebler in Schwangau, dem Großhändler Allgäuer Holz im Boden aus Durach sowie dem Oberflächenspezialisten Loba oder auch das Malerfachgeschäft Ullmann. Diese Kooperationen funktionieren, weil sie auf denselben Werten fußen: Verlässlichkeit, Fachkompetenz und gegenseitiger Respekt.

Die Zukunft des Betriebs sieht Jens Schwarz in den Händen seines Sohnes Mathias, der ebenfalls Zimmerer gelernt hat, inzwischen im Betrieb mitarbeitet und plant, die Meisterschule zu besuchen. „Ich mache da keinen Druck, aber er wird es dann mal übernehmen.“ Dass Handwerk eine Zukunft hat, daran zweifelt Schwarz keine Sekunde. „Keine KI auf der Welt kann unseren Job machen.“

Auch die anderen drei Kinder des Schwangauers haben ihren Weg gefunden – und es ist auffällig, wie sie sich aufteilen: Sohn Sebastian leitet mehrere Kapellen in Baden-Württemberg und unterrichtet an der Universität Augsburg, Sohn Max ist Holzbauingenieur in München und aktuell an der Sanierung des Olympiastadions beteiligt. Seine Tochter ist am Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen tätig. Zwei mit Musik, zwei mit Holz. Dass das kein Plan, sondern reiner Zufall war, sagt Schwarz mit einem Schmunzeln.

Was er sich für die Zukunft wünscht? „Dass wir alle gesund bleiben und die Kunden weiterhin so bedienen können wie bis jetzt.“ Ein Wunsch, so bodenständig wie das Material, mit dem er sein Leben lang gearbeitet hat.

Text · Fotos: Sabina Riegger

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