
Geschichte, die unter die Haut geht
Claudia Lang-Forchers „Sterntaler für die Zugspitze“ feiert Premiere
Theater ist die Essenz von Leben und die Konzentration von Gefühlen. Gutes Theater ist noch mehr – es zeichnet sich durch die Kraft aus, die Grenze zum Publikum aufzulösen und hat die Fähigkeit, im Inneren der Seele eine Resonanz zum Schwingen zu bringen, eine Verwandlung anzustoßen. All das findet sich im Theaterstück „Sterntaler für die Zugspitze“ von Claudia Lang-Forcher. Es beleuchtet zum einen die Entstehung der Tiroler Zugspitzbahn vor 100 Jahren und bringt zum anderen eine Begegnung mit dem bewegenden Schicksal des Wirtschafts-Visionärs Dr. Hermann Stern.
Bei der kürzlichen Premiere öffnete sich der Vorhang und die Schauspieler verwandelten sich in die Akteure. KI generiert wurden historische Bilder animiert und das Publikum direkt und tiefgründig angesprochen. Die Bühne war dunkel gehalten und machte dadurch die Lichteffekte wirkungsvoller. Dominiert wurde sie durch den allgegenwärtigen Zugspitzgeist, dargestellt von Judith Schmid. Nicht genug gelobt werden kann die authentische schauspielerische Leistung der „Kulissenschieber Ehrwald” und die klare Regiehandschrift von Claudia Lang-Forcher.
Niemand hätte das Stück besser und echter spielen können als die Darsteller der „Kulissenschieber Ehrwald“, unter denen viele die Nachkommen derjenigen sind, die eigenhändig an der Zugspitzbahn gebaut haben. In dieser Weise bietet dieses Bühnenstück einen echten emotionalen Erinnerungsmoment, der lange nachwirken dürfte. Die Authentizität der ureigenen Geschichte entfacht in den Schauspielern eine Leidenschaft, die durch keine Professionalität ersetzt werden kann.
Dieser Funke springt auf das Publikum über und so geht es nicht nur um den Lebensweg des Dr. Hermann Stern, sondern auch um die Auseinandersetzung mit existenziellen Themen wie Genialität, Demütigung, Ungerechtigkeit, Vergebung oder den wahnhaften Zeitgeist des Nationalsozialismus überhaupt. Es ist ein bewundernswertes Zusammenspiel aller theatralen Mittel von Bühne, Licht, Emotion, Text und Musik gelungen. Eher unterbewusst wird im Hintergrund die geniale Musik von Christof Kammerlander aufgenommen, die emotionale Stimmungen des Stückes unterstreicht.
Die Schauspieler haben das Publikum ab der ersten Sekunde in ihren Bann gezogen. Dabei spielten sie nicht nur eine Rolle, sondern luden die Darstellung mit Schicksal und Leben auf. So ging es nicht allein um die gesprochenen Worte, sondern um den Körperausdruck als der Essenz des Stückes.
Alles hat seinen Platz: der Pioniergeist der Ehrwalder unter Führung von Dr. Hermann Stern, die düstere und bedrohliche Stimmung des Nationalsozialismus, die Wesenhaftigkeit der Zugspitze als Berg. Der Autorin Claudia Lang-Forcher war es ein Bedürfnis, sich gemeinsam mit den Akteuren vor dem schweren Schicksal des Dr. Hermann Stern zu verneigen, denn die Zugspitzbahn stellt nicht nur Materie, sondern auch den Geist der Pioniere dar, die dieses Werk der Technik umgesetzt haben. Dr. Hermann Stern hat Himmel und Hölle erlebt. So ist es ein Theaterstück geworden, das entstehen musste, um Geschichte und Schicksal der Ereignisse vor 100 Jahren erlebbar zu machen und in die Gegenwart zu transportieren. Bravo, bravissimo an alle, die dabei mitgewirkt haben!
Spieltermine:
Freitag, 07. August
Samstag, 08. August
Freitag, 21. August
Samstag, 22. August
Freitag, 28. August
Samstag, 29. August
Die Aufführungen beginnen jeweils um 20:00 Uhr.
Text · Foto: Elisabeth Wintergerst



