
Eine Liebesgeschichte zwischen Tradition, Leidenschaft und handgemachtem Käse
25 Jahre im Einklang mit der Natur – Die Petersbergalm und ihre Gastgeber
Am Talschluss des wildromantischen Hornbachtales liegt auf 1.250 Metern ein ganz besonderer Ort: die Petersbergalm. Seit einem Vierteljahrhundert wird sie von Karl-Heinz Strohmaier und seiner Frau Elfriede Kröll bewirtschaftet.
Als die beiden vor 25 Jahren die Petersbergalm pachteten, waren sie Anfang 20 und 30 Jahre alt. Strohmaier, ein Käsemeister aus dem Bregenzerwald, und Kröll, eine Zillertalerin mit reichlich Erfahrung im Verkauf einer großen Sennerei, wussten zwar, was auf sie zukam – aber die Realität übertraf wohl alle Erwartungen: Kein Strom, keine Produktionsstätte für den Käse, nur die pure, ursprüngliche Alm, wie man sie sich in romantischen Vorstellungen ausmalt.

„Wir haben nicht lange überlegt, sondern einfach losgelegt und gearbeitet“, erinnert sich Strohmaier .Für das junge Paar war die Abgeschiedenheit kein Ausschlusskriterium, sondern vielmehr eine Chance. Jahr für Jahr wurde die kleine Alm behutsam modernisiert. Seit einigen Jahren wird dank des kleinen Wasserkraftwerkes eigener Strom produziert. Trotz der Abgeschiedenheit – die Alm liegt am Ende von Hinterhornbach – gibt es sogar Internet, zur Freude der Alm-Mitarbeiter, die aus der ganzen Welt kommen. Ob aus Südamerika, Rumänien, Bulgarien oder aus Nepal – sie alle sind für ein paar Sommermonate ein Teil der Peterberg-Alm.
Die letzte ihrer Art
Die Petersbergalm ist mehr als nur eine bewirtschaftete Almhütte – sie ist ein lebendiges Denkmal alpiner Kultur. Als letzte verbliebene Senn-Alm im gesamten Lechtal wird hier die Milch der 24 Kühe, die auf der Petersbergalm ihre Sommerfrische genießen, direkt vor Ort zu ausgezeichnetem Bergkäse, Bierkäse und Tilsiter verarbeitet. Eine über 100-jährige Tradition, die Strohmaier mit meisterlicher Präzision fortsetzt. Und das mit internationalem Erfolg: Bei der renommierten Almkäseolympiade in Galtür – einem der wichtigsten Wettbewerbe für Almkäse im gesamten Alpenraum – heimste die Petersbergalm bereits mehrere Gold-, Silber- und Bronzemedaillen ein.

In der kleinen Bauernstube der Almhütte hängen die Auszeichnungen an der Wand. Ein kleiner Bauernladen ist im Gastraum integriert, wo der Gast Almkäse, Wurstwaren von Strohmaiers Bruder und weitere bäuerliche Produkte aus der Region kaufen kann. Und wer besonders aufmerksam hinsieht, entdeckt überall kleine Details: bunte Vogelhäuschen und Gießkannen, Blumen, handbemalte Kreidetafeln, rot karierte Kissen und Vorhänge, Kuhglocken in allen Größen und Farben. Über Gastgarten und Gastraum verteilt, geben sie der Alm ihren ganz eigenen Charme.
Ein Arbeitstag, der bei Sonnenaufgang beginnt
Für Karl-Heinz Strohmaier und seinen Sohn Bernhard klingelt der Wecker bereits um halb fünf Uhr morgens. Dann geht es in den Stall. „Es ist ein langer Arbeitstag“, sagt Elfriede Kröll. Erst um 22 Uhr ist alles erledigt – 24 Milchkühe, Schweine und Schafe wollen versorgt, gemolken, gefüttert werden. Der Käse muss produziert, gepflegt und gelagert werden. Und dann sind da noch die Gäste. Strohmaier und Kröll machen die Arbeit mit Leidenschaft.
Genau das haben sie auch ihrem Sohn Bernhard weitergegeben. Die Liebe zu den Tieren riecht und sieht man. Gepflegte Kühe, der Geruch von frischem Heu im Stall, glückliche Schweine, die sich frei bewegen können und Schafe, die friedlich grasen – außer wenn sie die Glocken der Kühe hören. Dann blöken sie lauthals, weil sie dann wissen, es ist Zeit für ihre Portion Heu, die sie von Bernhard Strohmaier bekommen.

So ist es nicht verwunderlich, dass Natur und Regionalität fester Bestandteil im Leben der Familie Strohmaier und Kröll sind. Die almtypische Speisekarte, von Jausen über Knödel bis hin zu Kuchen, lässt sich mit heimischen Produkten abdecken. „Wir versuchen so viel wie möglich damit umzusetzen“, so Kröll und Strohmaier. „Alles ist selbstgemacht und mit viel Liebe zubereitet“, lacht Elfriede Kröll.
In den vergangenen 25 Almsommern hat die Familie bereits viel erlebt. Das Jahrhunderthochwasser ließ 2005 auch in den Seitentälern des Lechs, wie in Hinterhornbach, die Pegel steigen. In jenem August kam auch Sohn Bernhard auf die Welt, wie sich Kröll an das Jahr voll Höhen und Tiefen zurückerinnert. Aktuell betreibt der Bach das almeigene Wasserkraftwerk – dessen Instandhaltung aber auch viel Aufwand bedeutet.
Ein Sehnsuchtsort für gestresste Großstädter
Ab und zu kommen Praktikanten, die in Zeiten von Digital Detox und Burnout-Prävention die Petersbergalm mehr als nicht als Ausflugsziel sehen, sondern vielmehr . als „Auszeit auf der Alm“. Der strukturierte Tagesablauf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang lässt keinen Raum für Alltagssorgen. Die ehrliche, körperliche Erschöpfung nach einem Tag auf der Alm wird von vielen Kopfarbeitern als mental befreiend empfunden. Auf der Petersbergalm finden sie genau das, was sie suchen: Bodenständigkeit und Menschlichkeit.
Wenn der Winter kommt
Im Sommer bleibt kaum Zeit für eigene Freizeitaktivitäten. Dafür gehört der Winter den beiden. Elfriede Kröll liebt Skitouren, Karl-Heinz Strohmaier ebenfalls – allerdings auch anspruchsvolle Skiüberquerungen. Dann, wenn die Alm unter einer dicken Schneedecke ruht und die Stille des Winters das Hornbachtal in einen Wintertraum verwandelt, tanken die beiden Kraft für die nächste Saison.

Ein Ausflug, der sich lohnt
Der Weg zur Petersbergalm ist eine ideale, leichte Familienwanderung. Vom Wanderparkplatz am Ortsende von Hinterhornbach führt ein breiter Schotter- und Güterweg in etwa 1,5 bis 2 Stunden gemächlich bergauf – nur 150 bis 180 Höhenmeter, problemlos auch mit Kinderwagen oder Mountain-/Gravelbike zu bewältigen. Unterwegs belohnen die Wanderer tolle Blicke auf den markanten Gipfel des Hochvogels und rauschende Wasserfälle wie der Salbbach-Wasserfall. Am Ziel wartet dann nicht nur prämierter Käse und herzhafte Almküche, sondern vor allem eines: ein echtes Stück gelebter Tiroler Alm-Tradition.
Fam. Strohmeier · A- Hinterhornbach
Tel.: +43 (0) 6 76 / 6 18 25 09
petersbergalm@live.at · www.petersbergalm.at
Text: rie · Fotos: Hubert Riegger/ privat



