Kultur

RUDOLF – Der letzte Kuss

Interview mit Morgan Large

Morgan Large zählt zu den renommiertesten britischen Bühnen- und Kostümdesignern der Gegenwart. Der in London lebende Künstler hat sich durch spektakuläre Produktionen im Londoner West End und auf internationalen Bühnen einen Namen gemacht – von Sydney über Dubai bis Tokio. Nach seinem Abschluss am Liverpool Institute for Performing Arts (LIPA), das von Paul McCartney mitbegründet wurde, erhielt Large den prestigeträchtigen Sennheiser Award for Excellence. Seitdem hat er an weltberühmten Häusern wie dem Sydney Opera House, dem Royal Opera House und dem London Palladium gearbeitet.

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Large versteht sich als Geschichtenerzähler, der historische Genauigkeit mit modernster Technologie verbindet – von computergesteuerten Stickereien bis zu innovativen Materialien für realistische Bühnenlandschaften. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Best of London Theatre Award für „Newsies“ und dem UK Theatre Award für „Wonderland“.

Zu seinen aktuellen Projekten 2026 gehören „Sunset Boulevard“ mit Sarah Brightman in Tokio und die erste Non-Replica-Produktion von „Wicked“ auf internationaler Tournee. Im Frühjahr 2026 kommt er nun nach Füssen, um das Musical „Rudolf – Der letzte Kuss“ am Festspielhaus Neuschwanstein visuell zum Leben zu erwecken.

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Morgan, Sie haben an vielen der großen Opern- und Musicalhäuser der Welt gearbeitet – in Dubai, Sydney oder am Londoner West End. Nun haben Sie diese Bühne hier bereits zum zweiten Mal gesehen. Viele halten sie für eine der größten Bühnen, die es gibt. Wie fühlt sich das für einen Bühnenbildner an – eher einschüchternd oder eher wie ein spannender Spielplatz?
„Es ist definitiv ein enormer Raum. Als Bühnenbildner ist es meine Aufgabe, genau zu verstehen, welche Möglichkeiten dieser Raum bietet. Gleichzeitig bleibt meine wichtigste Verantwortung immer dieselbe: die Geschichte zu erzählen. Wir sind hier, um eine wirklich faszinierende Geschichte zu erzählen – eine, die zugleich episch und sehr intim ist. Mein Ansatz bei RUDOLF war die Frage, wie man eine eher persönliche, beinahe häusliche Geschichte so inszenieren kann, dass sie groß und weit wirkt, ohne ihre Intimität zu verlieren. Wir wollen das Publikum auf eine Reise mitnehmen – und hoffentlich ermöglicht das Bühnenbild genau das.“

Sie beschreiben das Stück als zugleich episch und intim. Die Figuren bewegen sich zwischen Einsamkeit, inneren Konflikten und der Suche nach ihrem Platz in einer schwierigen Zeit. Kann sich das auch im Bühnenbild widerspiegeln?
„Ja, absolut. Es ist eine faszinierende Geschichte mit mehreren zentralen Figuren, deren Entwicklung wir klar erzählen möchten. Was wir nicht tun, ist, perfekt realistische Schauplätze abzubilden. Stattdessen laden wir das Publikum dazu ein, seine eigene Vorstellungskraft zu nutzen. Wir erzählen die Geschichte also nicht streng naturalistisch. Ich entwerfe Bühnenbilder gern so, dass einige Dinge offen bleiben – damit das Publikum gewissermaßen selbst in das Bild eintreten und es vervollständigen kann.

Viele Menschen kommen bereits mit dem Wissen in die Vorstellung, wie die Geschichte endet. Was ist für Sie der emotionale Kern des Stücks?
„Natürlich kennen viele den Ausgang der Geschichte. Aber die Stärke dieses Musicals liegt nicht nur darin zu zeigen, was geschieht, sondern auch zu erklären, warum es dazu kommt. Gemeinsam mit dem Regisseur Alex Balga war es mir wichtig, die Handlung klar in ihrer historischen Zeit zu verorten. Die Ereignisse, die hier dargestellt werden, hatten enorme Konsequenzen. Was diesen Menschen widerfahren ist, hat letztlich die Welt verändert. Diese größere historische Dimension wollten wir unbedingt sichtbar machen.“

Kürzlich fand eine ausführliche Besprechung Szene für Szene statt. Für Menschen, die den Theaterprozess nicht kennen: Was passiert dabei – und warum ist es so wichtig?
„Theater ist immer ein Zusammenspiel vieler Menschen. Als Bühnenbildner bin ich für die visuelle Welt der Produktion verantwortlich, arbeite dabei aber eng mit dem Lichtdesigner, den technischen Teams und vielen anderen zusammen. Solche Treffen sind entscheidend, weil ich hier meine Ideen und Absichten vorstellen kann. Alle Beteiligten müssen verstehen, wie die Produktion aussehen soll und was das Bühnenbild erreichen möchte. Dieses gemeinsame Verständnis ist die Grundlage für die weitere Arbeit.“

Welche emotionale oder ästhetische Wirkung soll das Bühnenbild beim Publikum hinterlassen?
„Ich hoffe, dass das Bühnenbild wie eine unerwartete Lösung wirkt. Meine Arbeit beginnt immer damit, dass ich mir zunächst die Musik anhöre. Ich versuche, meine Produktionen so aussehen zu lassen, wie sie klingen. Wir haben eine fantastische Partitur von Frank Wildhorn – mit großen Balladen und sehr dynamischen, energiegeladenen Nummern. Das Bühnenbild muss all das tragen können: große, weit gespannte Momente ebenso wie sehr intime Szenen. Außerdem muss ein Musical schnell und fließend von einer Szene zur nächsten wechseln können. Gleichzeitig ist es mir wichtig, bestimmte Räume bewusst offen zu lassen – damit das Publikum sie mit seiner eigenen Vorstellungskraft füllen kann.“

Was war Ihre erste Vision, als Sie das Libretto gelesen und die Musik gehört haben?
„Mein erster Impuls war, eine Welt zu schaffen, die sich ständig verändern und verwandeln kann. Auf der Bühne steht ein großer Turm auf einer Drehbühne, den das Publikum aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt. Mit jedem neuen Schauplatz verwandelt sich dieser Turm – einmal in Innenräume, dann wieder in Außenräume. Auf diese Weise erzählen wir diese große Geschichte durch permanente visuelle Veränderung.“

Ihr Bühnenbild für „Maria Theresia“ wurde oft als modern beschrieben – historisch verankert, aber nie museal. Können wir bei RUDOLF eine ähnliche Handschrift erwarten?
„Es ist eine ganz andere Art von Stück mit einem anderen musikalischen Charakter. „Maria Theresia“ ist stärker zeitgenössisch und poporientiert. RUDOLF ist das weniger, aber es hat dennoch einen modernen Klang. Durch ein zeitgenössisches Licht- und Videodesign hoffe ich, dass sich diese Modernität auch in dieser Produktion widerspiegelt.“

Wenn Sie die Produktion in einem Wort beschreiben müssten – welches wäre das?
„Episch.“

Und für Menschen, die die Geschichte von RUDOLF noch nicht kennen: Wie würden Sie das Musical in wenigen Sätzen beschreiben?
„Es ist eine sehr wichtige Geschichte, die erzählt werden muss. Sie erinnert uns an Ereignisse der vergleichsweise jüngeren Vergangenheit und an ihre weitreichenden Folgen. Was diesen Menschen widerfahren ist, hatte enorme Auswirkungen und hat letztlich den Lauf der Welt verändert. Diese historische Bedeutung – verbunden mit einer außergewöhnlichen Musik – macht dieses Stück so kraftvoll.“

Interview: Dirk Schattner/Anne Roth · Foto: Michael Böhmländer

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