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Die Weinrebe – Teil 2

Wer meinen Artikel über die Weinrebe vom letzten Monat verfolgt hat, sie war eben die Pflanze des Jahres 2023, weiß, dass wir letztes Mal bei den Blättern stehen geblieben waren. Aber gar nicht so schlimm, falls Sie diesen nicht gelesen haben, jetzt kommen nochmal ganz interessante Sachen, nämlich die Trauben an sich, und das nicht nur für den Wein, sondern gerade auch die darin enthaltenen Kerne, die höchst wirksame Inhaltsstoffe zur Verfügung stellen.

Noch ein kleiner Nachtrag zu den Weinblättern, die ja in naturheilkundlicher Form u. a. zur Stärkung der Venenfunktion genutzt werden: auch gefüllt mit Reis oder Fleisch sind sie gerade im griechisch-türkischen Bereich als „Dolmates“ bekannt. Dort isst man sie frisch oder in Öl eingelegt, für mich eine absolute Delikatesse, zwar nicht ganz so medizinisch wirksam, aber total fein für eine sommerliche Delikatessen-Platte.

Kommen wir erst mal zu der sog. „Traubenkur“: hier wurden tatsächlich mehr als 500 g, in früheren Zeiten sogar bis zu 3 kg allerdings kernlose (!) Trauben gegessen. Zugegeben, nichts für den Diabetiker, da der Fruchtzuckergehalt schon sehr hoch ist! Die Geschichte ist allerdings sehr interessant – in Kurorten wie Meran, Bad Dürkheim, Bingen am Rhein oder im damaligen Preßburg wurden sie häufig im 19. bis zum 20. Jhd. angeboten. 3 Kilogramm pro Tag, na bravo! Von dieser Kur versprach man sich Heilung von Krankheiten fast jeglicher Art, z. B. Magenbeschwerden, Hysterie, Hämorrhoiden, Leberkrankheiten, Atemwegserkrankungen, Hautproblemen, Gicht, Bluthochdruck, Augenkrankheiten oder grauen Haaren… Ja, schön wär´s!

Ich will die Traubenkur gar nicht verurteilen, aber in diesen Zeiten hat man es gerne doch mal übertrieben – oder waren die Patienten damals etwas robuster?

Man kann sich als gesunder Mensch, sofern man das mag, durchaus mal im Herbst eine kleine Traubenkur gönnen: maximal 300 bis 500 g pro Tag, denn die Inhaltsstoffe sind schon durchaus auch hilfreich. Der Hauptbestandteil ist natürlich Wasser, gefolgt von den Kohlenhydraten, sprich Zucker, aber dann kommt gleich pro 100g Frucht 195 mg Kalium, 414 Mikrogramm Eisen und 4 mg Vitamin C. Das ist wirklich schon ganz ordentlich und für das Immunsystem vorbeugend für den Winter doch recht fein und es schmeckt ja auch noch gut.

Wer in dieser Richtung etwas empfänglich ist, würde vielleicht sogar sagen, dass die Trauben, die ja wirklich in der Sommerzeit komplett die Sonne aufgesaugt haben, das kommende Dunkle etwas wieder wettmachen können und die Aktivität fördern. Würde dem keinesfalls widersprechen.

Jetzt kommen wir zum Hochwertigsten, das die Weinrebe zu bieten hat: den Traubenkernen. So klein und unscheinbar, wenn man Trauben isst, spuckt man sie sogar oftmals aus, was für eine Verschwendung!
Nur ein Beispiel: aus den Traubenkernen wird bereits seit dem Mittelalter ein sehr kostbares Speiseöl gewonnen.

Nach dem Keltern werden die Kerne aus dem frischen Trester gesiebt und in erwärmter Luft getrocknet. Anschließend werden sie kalt gepresst, und das Öl kommt ungefiltert in die Flasche. Für einen Liter Öl benötigt man ungefähr 50 Kilogramm (!) frische Kerne. Die Farbe des Öles ist grün-golden, ganz unabhängig von Rebsorte und Reifegrad. Es riecht so leicht nach dem Trester, sprich ein wenig nach Grappa. Was ganz toll ist: Traubenkernöl, kann als einziges kaltgepresstes Speiseöl, ohne chemische Veränderungen erhitzt werden und ist damit auch zum schonenden Braten unter 190 Grad geeignet!

Und jetzt kommt gleich noch mal ein Highlight: OPC – das ist die Abkürzung für „Oligomere Proanthocyanidine“. Komplizierter Begriff, den Sie sich so nicht merken müssen, OPC reicht. Hierbei handelt es sich um Pflanzenstoffe aus der Gruppe der sog. Bioflavanoide.

Diese OPC werden vor allem eben aus den Traubenkernen oder aber auch aus der Rinde einer Pinienart, der französischen Strandkiefer, gewonnen. Entdeckt wurden sie von dem französischem Professor Jack Masquelier, der in den 1970er-Jahren erstmals das hierauf beruhende Produkt auf der Basis von Traubenkernen auf den Markt brachte.

Anekdote am Rande: bereits im Jahre 1948 entdeckte und isolierte er, während einer Studie zur Verfütterbarkeit von Erdnusshäutchen die oligomeren Proanthocyanidine. Jetzt weiß ich endlich, warum meine Vögel im Garten so super fit sind!

Nun aber weiter ernsthaft im Text: 1985 gelang ihm tatsächlich dann der Nachweis, dass OPC-freie Radikale neutralisieren können, man spricht hier sogar von dem mächtigsten Radikalfänger überhaupt. Das bestehende US-Patent von 1987 bringt das ganz klar zum Ausdruck: „Die Zusammensetzung kann den schädlichen Wirkungen des Alterns, die durch ein Übermaß an freien Radikalen hervorgerufen werden, vorbeugen, lindern oder hemmen“.

Also nichts mehr mit Traubenkernen ausspucken, sondern sie ganz im Gegenteil gründlich kauen oder z.B. auch mal aus den kompletten Trauben einen schönen Smoothie machen.

OPC ist tatsächlich in seiner antioxidativen Wirkung 20-mal höher als Vitamin E und 50-mal wirkungsvoller als Vitamin C, wie schon das amerikanische Patent bestätigt hat.

Welche positiven Wirkungen werden denn nun OPC u.a. genau zugeschrieben? Sie sind in sehr vielen Hautpflegeprodukten zu finden. Besonders tiefe Falten entstehen immer dann, wenn die Faserproteine Kollagen und Elastin, welche die Haut straff und elastisch erhalten, von freien Radikalen angegriffen werden. Hier kann durch OPC , Maquelier bezeichnete es selbst als „Kollagen-Vitamin“ eine gewisse Reparaturfunktion und ein Stoppen der Zerstörung durch bestimmte abbauende Enzyme erreicht werden.

Auch ein Schutz vor Schäden durch zu viel UV-Licht wird diskutiert. Im Bereich der Haut ist eine innerliche, aber auch äußerliche Anwendung möglich, am besten natürlich beides! Sie schenken sich damit ein natürliches Facelifting. – OPC lassen die Haare besser wachsen. Das Haar wird dichter und länger, denn die Zahl der Haare, die sich in der Wachstumsphase befinden, wird erhöht. Außerdem wird die Zellvermehrung der Haarfollikel angetrieben, also auch ein Mittel zur Förderung des Haarwuchses.

OPC als stärkstes bisher entdecktes Antioxidans sorgen für schnelle Wundheilung, beugen der altersbedingten Makula-Degeneration AMD und Grauem Star vor, schützen vor Karies, Osteoporose, Bluthochdruck, Diabetes, Verdauungsproblemen, Allergien, Arthritis und Entzündungen. Im Rahmen der Arteriosklerose wird das Cholesterin positiv beeinflusst, indem das „schlechte“ LDL-Cholesterin gesenkt wird, ohne das „gute“ HDL-Cholesterin zu verringern. Das sind natürlich nur unterstützende Maßnahmen, aber sie sind auf Dauer gesehen wirklich sehr effektiv.

Was aber wirklich gut getestet wurde, ist die Wirkung bei Venenleiden, wovon bundesweit ca. 26 Millionen Menschen betroffen sind. Nachdem Personen mit Venenschwäche täglich 300 Milligramm OPC eingenommen hatten, verbesserte sich der Zustand von etwa 75% bereits nach nur 4 Wochen. Symptome wie schwere Beine, nächtliche Krämpfe und Juckreiz waren deutlich zurückgegangen. Sogar offene Beine schlossen sich in Einzelfällen wieder und verheilten. In einer anderen Studie bekamen Patienten mit Venenproblemen in den Beinen 150 Milligramm OPC täglich. In fast allen Fällen wurde die Kapillarschwäche verbessert und bei einem Viertel sogar normalisiert und das bei guter Verträglichkeit!

Was macht man aber, wenn man auf Rotwein oder Trauben allgemein allergisch reagiert? Dann einfach auf die OPC aus dem Pinienrindenextrakt, wie schon oben erwähnt, zurückgreifen.

Zum Schluss noch der Wirkstoff Resveratrol, der in der Schale von Trauben, hauptsächlich der roten, gebildet wird, um sich selbst vor Pilzen und Parasiten, je nach Bedarf, zu schützen. Er gehört auch zu den sekundären Pflanzenstoffen und zeigt ähnliche Wirkungen wie OPC. Daher bietet es sich durchaus an, diese beiden zu kombinieren. Kosmetikfirmen preisen es gar als Wundermittel gegen Fältchen an!

Wie sagt man so schön: In vino veritas – im Wein liegt Wahrheit – aber, wie Sie sehen, noch so manches mehr.

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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