Kolumne

Cin Cin

Seit ein paar Wochen denke ich oft an Ginevra und Riccardo und an unser gemeinsam verbrachtes Wochenende auf ihrem Hof zurück.

Aber von vorne: Es war Mitte Juni, im Jahr 2015. Seit einer gefühlten Ewigkeit war ich auf der Suche nach einem schönen Agriturismo, also nach Urlaub auf dem Bauernhof, fernab von jeglichem Trubel. Und dann stieß ich auf die Anzeige von Ginevra und ihrem Mann Riccardo. Sofort kam ein warmes, wohliges Gefühl in mir auf und ich wusste, ich hatte endlich den Urlaubsort gefunden, nachdem wir uns sehnten: Ein alleinstehender Gutshof inmitten der lombardischen Weinberge, mit ein paar Tieren, selbstangebautem Biogemüse und einem kleinen Bade-Fass hinter dem Haus. Ich wollte keinen Schnickschnack, keine Hektik, keinen Massentourismus. Das Einzige, was ich wollte, war, in die Welt von Ginevra und Riccardo und ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln einzutauchen.

Und genau eine Woche später waren wir da, hoch oben über den Tälern der Provinz Mantua. Wir saßen noch im Auto, als uns Genevra schon mit einer Flasche Wein in den Händen entgegenstrahlte und von der Türschwelle des alten Steinhauses aus zuwinkte. Am ersten Abend aßen wir gemeinsam. Es war wunderschön. Und natürlich gab es Wein. Roten. Ich habe mir nie etwas aus Wein gemacht. Und Genevra merkte das schnell. Immerhin verdienten sie und Riccardo und der Rest der Familie ihren Lebensunterhalt mit ihrem eigenen Wein und mit Leuten wie uns, die selbstgebackenes Brot in sich hineinstopften, Oliven aßen, und nach zwei kleinen Schlucken Wein beschwipst zu Adriano Celentano schaukelten, als gäbe es kein Morgen. Ich mochte Wein nicht. Nicht einmal den von Genevra und Riccardo. Aber das lag eher am Alkohol und weniger am Wein an sich. Aber ich liebte das Gefühl an diesem Abend. Das Lachen, die Musik, die gemeinsame Zeit.

Ich trinke noch immer keinen Alkohol. Aus Prinzip. Aber inzwischen trinke ich Wein. Vor einiger Zeit habe ich nämlich entalkoholisierten Wein aus Biotraubenmost für mich entdeckt. Für echte Weinliebhaber und -trinker bin ich deswegen bestimmt eine Mogelpackung und weit, weit weg von „in vino veritas“. Mein Weißwein steht im Kühlschrank. Er ist „trocken, citrisch und ein bisschen nussig mit einem leichten Aprikosengeschmack“ im Abgang. Die Wissenschaft des Weins ist mir ein Rätsel. Aber ich kann das Etikett lesen und sagen: Er schmeckt einfach, selbst aus unseren neuen Rotweingläsern aus Dänemark.

Gleich lege ich Musik auf und dann stoßen wir an: auf das gute Gefühl, auf die Eiswürfel mit Himbeerkern im Glas, auf Genevra und Riccardo.

In diesem Sinne: Santé, Cheers und Salute! Auf das Leben, die Liebe und die Weine dieser Welt.

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