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Mein Glaube ist eine Lebenseinstellung

Im Buddhismus glaubt man an den Kreislauf des Lebens, den sogenannten Samsara.
Yoko Sugahara kommt aus Tokio und lebt seit 26 Jahren in Füssen. Der Glaube ihrer Religion
ist der Buddhismus.

Buddhisten werden so lange wiedergeboren, als Mensch, Tier oder Dämon, bis sie im Reinen mit ihrem eigenen Leben sind. „Mein Glaube ist wie ein Anker, der tief in mir ist und mich mit meinen Vorfahren und meiner Tradition verbindet. Ich glaube an die Wiedergeburt und an das gute wie auch schlechte Karma. In meinem jetzigen Leben rechne ich die Taten meines vorherigen Lebens ab“, beschreibt die 55-jährige Japanerin.

Dieser Glaube ist nicht nur eine Erfahrungsreligion, sondern auch eine Lebenseinstellung. Besonders wichtig dabei ist die Achtsamkeit als Lebenseinstellung, dazu gehören das richtige Denken, Reden, Handeln und die Lebensführung. In ganz Deutschland gibt es nur 0,33 Prozent Buddhisten, zudem ist diese Religion hier in Deutschland keine staatlich anerkannte Religion.
Für Gebete gibt es buddhistische Tempel, die Orte für die innere Reinigung sind, allerdings besitzt fast jeder Japaner einen eigenen Hausaltar.

„Zum Beten stehe ich an meinem kleinen Hausaltar, vor dem Bild meines verstorbenen Vaters. Das beruhigt mich, so fühle ich mich sicher und geschützt. Drei sanfte Schläge auf einer Klangschale, ein Räucherstäbchen, Kerzen und Gebetsperlen gehören zum Ritual. Das mache ich aber meist nur, bevor ich große Entscheidungen treffen muss oder Wünsche für das Glück meiner Kinder habe“, erklärt Yoko. „Meine Großmutter väterlicherseits betete jeden Morgen und Abend mit mir und rezitierte dabei auswendig das Sutra, ein buddhistisches Gebetsbuch. Sie lehrte mich das Karma-Prinzip und dass geschenktes Obst und Süßigkeiten immer erst an den Altar für die Vorfahren kommen“, ergänzt sie.

In der Familie ist es üblich, dass die religiöse Erziehung hauptsächlich die Großeltern übernehmen. In der japanischen Religion gibt es auch den Shintoismus. Shinto-Schreine sind Orte, an denen man die Götter verehrt. Diese werden meist nur an besonderen Anlässen, wie Neujahr oder dem Frühlingsbeginn besucht. „In diesem Glauben spielen vor allem die jüngeren Frauen eine große Rolle. Nur manche von ihnen haben starke Wahrnehmungen zu den Kräften der Natur und sind somit wie ein Medium. Meine Großmutter mütterlicherseits lebte in einem Dorf im Norden von Japan. Sie hatte diese starke Wahrnehmung. Sie besaß einen „Tante Emma“-Laden, in den die Dorfbewohner immer wieder kamen und von ihren gesundheitlichen Problemen erzählten. Sie beriet die Leute und betete ihr Leben lang für das Glück und die Gesundheit der Bewohner. Einer kleinen buddhistischen Kapelle spendierte sie sogar eine modellierte aus Holz geschnitzte Hand mit ihrem Namen darauf. Die Dorfleute glaubten daran, dass sie ihre Wunden und Krankheiten mit der Hand heilen konnten, indem sie die betroffenen Stellen massierten. – Sie war für Viele eine Coaching Lady“, schildert Yoko.

Text · Foto: Diana Hofer

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