GesundheitLeben

Zitrusfrüchte – Teil 2

Sauer macht lustig und gesund

Nachdem ich Ihnen im letzten Artikel ja nur über die Zitrone berichtet habe, komme ich diesmal noch zu einer anderen Zitrusfrucht, der Grapefruit (Citrus paradisi).

Die ersten Grapefruit-Bäume sollen etwa im 17. Jahrhundert auf der Insel Barbados/Antillen und in Westindien entdeckt worden sein. Nach den letzten Erkenntnissen handelt sich es wohl um eine Kreuzung aus Orange und Pampelmuse. Der Name Grapefruit kommt vom englischen „Traubenfrucht“. Diese Bezeichnung wurde ihr zuteil, da die Früchte im Baum sehr dicht zusammen hängen, ähnlich wie Trauben. Ich persönlich esse sie sehr gerne, früher gab es auch mal Diäten wie z.B. die sogenannte „Hollywood-Diät“ zum Abnehmen, die auf Grapefruitsaft basiert haben, jetzt kommt das große „aber“: Wann darf man sie keinesfalls zu sich nehmen?

Grapefruits, die Pampelmuse und die verwandte Pomelo sind der Klassiker in Kombination mit Wechselwirkungen bei der Medikamenteneinnahme und somit in diesem Zusammenhang wirklich sehr mit Vorsicht zu genießen! Hier sind tatsächlich sogar einige Todesfälle bekannt! Warum? Substanzen aus diesen Früchten hemmen bei uns ein bestimmtes Enzym mit dem etwas komplizierten Namen CYP3A4, welches für die Aufnahme vieler Arzneistoffe über die Darmschleimhaut zuständig ist. Was passiert hier? Die Folge ist nämlich, dass die eingenommenen Wirkstoffe zu lange im Körper verbleiben. Das ist dann auch momentan nicht mehr rückgängig zu machen. Hier kommt zustande: Die Konzentration des jeweiligen Medikamentes steigt im Blut ganz deutlich an und kann nun zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Was sehr seltsam klingt, aber tatsächlich so ist, dass das oben genannte Enzym bei jedem Menschen anders wirkt und so die Effekte der 3 Südfrüchte relativ unberechenbar macht. Ist es bei manchen Personen in der Darmwand schwach aktiv, ist es bei anderen bis zu achtmal wirksam. Und je aktiver es ist, desto stärker wirkt es auch. Als Beispiel: Trinkt man 3 Tage lang täglich ein Glas mit 200 ml gleichzeitig mit dem Medikament Grapefruitsaft, kann dass bewirken, das z. B. Simvastatin, ein relativ bekannter Cholesterinsenker, im Körper dreimal höher vorliegt als geplant. In der Folge steigt das Risiko für Leberschäden und eine Zersetzung der Muskulatur. Das könnte wiederum zu Nierenversagen führen. Dieses Phänomen kennt man auch von bestimmten Blutdruckmedikamenten, Immunsupressiva, Psychopharmaka, Mitteln gegen Herzbeschwerden, Allergien oder Asthma und sogar der „Pille“! Fazit: Medikamente aller Art nie mit Grapefruitsaft einnehmen, denn selbst 200 ml des Saftes stören bis zu 3 Tage lang die Verwertung, sprich, es gibt eine ungeplante Überdosierung! Übrigens, auch die Bitterorangen, die häufig in der schönen englischen Orangenmarmelade enthalten sind, können diese Wechselwirkungen hervorrufen. Normale Orangen oder Orangensaft haben eigentümlicherweise wohl keinen Effekt auf das Enzym CYP3A4, aber trotzdem mein Rat: Medikamente immer nur mit ganz normalem Leitungswasser zu sich nehmen!

Oh je, jetzt tut mir die arme Grapefruit fast schon leid, weil ich sie so schlecht gemacht habe! Es heißt ja auch nicht, dass Sie sie nie mehr essen dürfen, aber ein ausreichender Abstand von mehreren Stunden zu Ihrer Arzneieinnahme sollte halt einfach sein. Aber zu ihrer Ehrenrettung möchte ich doch sagen, dass sie uns etwas ganz besonderes liefert, nämlich ihre Kerne! Die Wirkung der Grapefruitkerne entdeckte Dr. Jacob Harich, Arzt, Physiker und Immunbiologe etwa in den 1980er Jahren zufällig so ganz nebenbei auf seinem Komposthaufen im Garten, auf dem die Abfälle der Grapefruit kaum verrotteten. Schimmelpilze, Parasiten und Bakterien konnten ihnen anscheinend nichts oder nur sehr wenig anhaben. Er untersuchte die Kerne genauer und dabei stellte sich heraus, dass ihr hoher Anteil an den sogenannten Bioflavonoiden einen großen Schutz vor Zersetzung bieten und sie deshalb so ähnlich wie ein Konservierungsmittel wirken. Das veranlasste Dr. Harich, sich der Frage zu widmen, ob dies nicht auch für den Menschen nützlich sein könnte. Bald war klar, dass Grapefruitkerne eine sehr gut entzündungshemmende und antioxidative Wirkung haben und somit vor Viren, Bakterien und Pilzen tatsächlich schützen können oder zumindest deren Ausbreitung reduzieren. Er entwickelte daraufhin ein Verfahren, deren Inhaltsstoffe zu binden. Die bereits oben genannten Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die sehr viele gesundheitsfördernde Wirkungen in sich tragen. Die meisten davon besitzen eine gelbliche Farbe, daher auch ihr Name: lateinisch flavus = gelb. Neben Hesperidin, Quercetin und Rutin ist besonders das Naringin wichtig, das u.a. für den bitteren Geschmack der Früchte verantwortlich ist. Leider gibt es nicht allzu viele Studien über den Grapefruitkernextrakt, den es übrigens fertig zu kaufen gibt, aber israelische Forscher haben z.B. herausgefunden, dass er den Fettabbau in der Leber anregt und dabei das „schlechte“ Cholesterin LDL senkt. Sogar der Zuckerstoffwechsel wird mit reguliert, also könnten Personen mit Diabetes ebenfalls davon profitieren. Wissenschaftliche Untersuchungen sind noch sehr spärlich, aber die Aussagen über die antimi-krobiellen Wirkungen sind doch sehr vielversprechend! Als Beispiel könnte man den sehr bekannten Pilz Candida albicans anführen, der sowohl äußerlich als auch innerlich zu massiven Problemen führen kann. Gerade, wenn er im Darm die Überhand gewinnt, leiden die Betroffenen an den verschiedensten Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten und, etwas schräg, unter Heißhunger auf Süßes, denn der Pilz braucht Zucker zu seiner Vermehrung. Hier kann der Grapefruitkernextrakt sehr gut unterstützend wirken. Gerade auch nach einer antibiotischen Behandlung, wenn keine Darm-Sanierung erfolgt ist, kann dieser noch eine ganze Weile darunter leiden und eine für Pilze günstige Umgebung darstellen.

Auch an einen allgemeinen Schutz der Gefäße wäre zu denken, denn das Naringin hilft dem Körper dabei, die Gefäße abzudichten, deren Elastizität aufrecht zu erhalten und kleinste Ablagerungen zu reduzieren, man denke nur an die resultierenden Beschwerden wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte,Venenprobleme oder Hämorrhoiden. Unsere Haut wäre ebenfalls ein sehr gutes Anwendungsgebiet, denn der Grapefruitkernextrakt wirkt ja prima antiseptisch. Reagiert die Haut mit Akne, Pickeln oder Pusteln, wird in der Regel ja viel Talg produziert, der die Poren verstopft. Jetzt dringen Bakterien ein und das führt logischerweise zu Entzündungen, die sehr schmerzhaft sein können. Selbst hässliche Narben sind dann nicht ausgeschlossen.

Unangenehm sind auch die sogenannten Fieberblasen, in der Fachsprache auch Herpes genannt, die nicht nur unschön aussehen, sondern auch richtig weh tun können. Wie kann der Extrakt hierbei helfen? Er wirkt gegen die dafür verantwortlichen Viren und stimuliert zusätzlich das Immunsystem, damit sich der Körper möglichst schnell selber regenerieren kann. Bei Helicobacter pylori, einem Erreger, der sich gerne im Darm niederlässt und der Auslöser von Magenschleimhaut-, Zwölffingerdarmentzündungen oder gar Geschwüren werden kann, ist auch eine Herangehensweise möglich, wie eine vorsichtige Studie aus Polen gezeigt hat.

So, jetzt denke ich, habe ich die Grapefruit doch wieder ganz gut rehabilitiert, sonst hätte ich wirklich ein ganz schlechtes Gewissen! Aber denken Sie trotzdem daran, die Einnahme mit Ihrem Arzt abzusprechen, damit sich alles mit ihren Medikamenten verträgt, beziehungsweise den schon besprochenen zeitlichen Abstand zu halten, um auf der sicheren Seite zu stehen.

Sauer macht immer noch lustig und gesund!
Ihre Apothekerin
Simone Wagner

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Das könnte Dich auch interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"