Coronavirus

Kein freies Bett mehr auf der Intensivstation in Füssen

Angesicht der steigenden Corona-Fallzahlen in Deutschland erwartet die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) den bisherigen Höchststand an Intensivpatienten jetzt schneller als erwartet – nämlich voraussichtlich noch im April. In einem Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen äußerte DIVI-Präsident Gernot Marx, dass bereits Ende April eine Größenordnung von 6.000 und mehr Corona-Intensivpatienten erreicht werden würde: „Wir müssen davon ausgehen, dass wir deutschlandweit jetzt jeden Tag zwischen 50 und 100 neue COVID-Intensivpatienten aufnehmen müssen“. Der Druck wird auch weiter zunehmen, so Priv.-Doz. Dr. med. Bernd Hartmann, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Palliativmedizin des Klinikum Kaufbeuren und der Klinik Füssen.

Seit Tagen sind die Intensivstationen in Füssen, Kaufbeuren, Kempten, sowie der Landkreise Ober-, Ost- und Unterallgäu voll ausgelastet. „Letzte Woche hatten wir das Problem, dass mehr als zehn Patienten außerhalb dieser Einzugsbereiche verlegt werden mussten. Bis zu sechs Wochen liegen die Patienten, mittlerweile auch jüngere Patienten im Alter zwischen 50 und 60 Jahren, beatmet auf der Intensivstation. Wir können derzeit die gesetzlich vorgeschriebene Intensivpflege von 1:2, d.h. eine Intensivpflegekraft ist für zwei Intensivpatienten verantwortlich, nicht erfüllen“, beschreibt Dr. Bernd Hartmann die dramatische Lage in Füssen und Kaufbeuren. Die Pflege von COVID-19-Patienten ist weit intensiver als bei anderen Intensivpatienten. „Deshalb wird jetzt Pflegepersonal aus anderen Bereichen speziell für die Intensivpflege geschult und weiterqualifiziert. Das Problem hierbei ist, dass das Personal dann in ihren Bereichen fehlt und auf den Intensivstationen die Intensivpflegekräfte lediglich unterstützen aber nicht allein Intensivpatienten pflegen können“, erklärt der Intensivmediziner. Seine Prognose: „Bei diesen hohen Infektionszahlen wird es bis Pfingsten weiterhin sehr angespannt auf den Intensivstationen sein.“

Dass die britische Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 schon längst in Füssen angekommen ist, bestätigt auch Dr.med. Bernd Hartmann. „Die positiv Getesteten hatten nahezu alle die Coronavirus-Mutante B.1.1.7. Ein Patient war mit der Variante B.1.351 (südafrikanische Mutation) infiziert.“

Planbare Operationen sind auf spätere Zeitpunkte verschoben. Nicht so Operationen, die zum Beispiel mit Krebserkrankungen oder mit Schmerzen verbunden sind. Auch Notfälle werden sofort behandelt. „Wir haben schon letztes Jahr gemerkt, dass Patienten zu Schaden kommen, wenn sie mit Beschwerden nicht zu uns kommen, weil sie vielleicht Angst haben oder denken, dass sie nicht behandelt werden können. Wir sind für die medizinische Versorgung der Bevölkerung da“, erklärt der Chefarzt ausdrücklich. Jeder Patient und jeder Besucher, der ins Krankenhaus kommt, wird getestet, ebenso die Mitarbeiter, obwohl mittlerweile ein großer Anteil geimpft ist.

So ist es nicht verwunderlich, dass der Intensiv- und Palliativmediziner alles andere als Verständnis für die Corona-Leugner aufbringen will.

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Text · Foto: fa

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