Fit & WellLeben

Muntermacher für das Frühjahr

Ja, Muntermacher können wir, glaube ich, alle ganz gut brauchen in diesen Zeiten! Es ist sogar relativ einfach, sich mit frischen Kräutern aus dem heimischen Bereich viel Gutes zu tun. Beginnen möchte ich deshalb mit einem „Küchengewürz“, das mit Sicherheit jeder kennt und schätzt, nämlich der Petersilie.

Petersilie (Petroselinum crispum)

Sie ist auch unter den Namen Peterling, Peterle, Suppenwurzel oder Bittersilche bekannt. Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum und wir unterscheiden zwischen zwei Sorten: die mooskrause und die glatte Variante, die je nach Belieben verwendet werden, wobei die glatte Petersilie etwas kräftiger schmeckt und sich das Aroma feiner entfaltet.
Sie enthält sehr viele gute Wirkstoffe: Vitamin C, ätherische Öle (Apiol, Myristicin), Eisen, Kalzium, Phosphor und Chlorophyll, das blutreinigend, blutbildend und entgiftend wirkt. Petersilie stärkt die körpereigene Abwehr, da schon 10 g den täglichen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen abdecken. Sie wirkt belebend, harntreibend und krampflösend.

Etwas heftig hört sich allerdings folgender Spruch an: “Petersilie hilft den Männern aufs Pferd und den Frauen unter die Erd.“ In alter Zeit nutzten ungewollt schwangere Frauen das Küchenkraut in großen Mengen als Abtreibungsmittel, also in der Schwangerschaft Vorsicht in höherer Dosierung, Männer setzten auf die potenzsteigernde Wirkung der Samen – hier aber, wie soll ich es sagen, werden Petersiliensamen als Tee getrunken, schon seit langer Zeit in der Volksmedizin bei Prostataproblemen und deren Folgen angewendet. Der regelmäßige Verzehr fördert nicht nur die Nierenfunktion, sondern auch die Verdauungsorgane und eine regelmäßige Monatsblutung. Meine persönliche Lieblingsanwendung – klar, für die, die mich schon länger kennen – ist der nach der Heiligen Hildegard von Bingen beschriebene – Petersilientrank, auch Herzwein oder Meluvin genannt.

Das ist wirklich eine geradezu geniale Rezeptur, die natürlich stärkend auf den ganzen Herz- und Kreislaufbereich wirkt, sprich bei Herzinsuffizienz, Altersherz, Mangeldurchblutung, Kraftlosigkeit, stressbedingten Herzschmerzen, oder einem Rückstau im venösen System mit Ödemen in Beinen und Lunge. Auch ein Ausgleich bei leichter Hypo- oder Hypertonie ist unterstützend möglich. Bei der Reha nach Herzinfarkten beseitigt er den verbliebenen Rest-Schmerz. Im Originaltext steht geschrieben:“Wer im Herzen oder in der Milz oder in der Seite Schmerzen leidet, der koche Petersilie in Wein unter Zugabe von etwas Essig und reichlich Honig und seihe durch ein Tuch ab. Den so zubereiteten Wein trinke er oft, und es heilt ihn.“ Dieser Nachsatz ist besonders wichtig, denn Hildegard bezeichnet ihn ausdrücklich als spezielles „Heil-Mittel“! Der Petersilien-Trank ist nicht allzu schwer herstellbar, aber er ist auch schon bereits fertig erhältlich – wie praktisch!

Die Rezeptur lautet wie folgt:
10 Stängel frische Petersilie mit Blättern, 2 EL Weinessig, 80-150 g Honig, 1 L Weiß-oder Rotwein (mit rotem schmeckt es besser!)
Die Petersilie und der Wein werden 5 Minuten lang aufgekocht, anschließend gibt man den Honig und den Weinessig dazu und kocht noch einmal 5 Minuten weiter. Wichtig ist, dass gekocht wird, denn nur in der Siedehitze entsteht aus der Petersilie und dem Honig die wirksame Herzglykosidverbindung. Bei Diabetikern nimmt man besser nur 80 g Honig pro Liter. Der Herzwein wird abgeschäumt, abgesiebt und in sterile Flaschen abgefüllt. Dosierung: 3 mal täglich ein Likörglas nach dem Essen trinken. Die Wirkung kann verstärkt werden, z.B. indem man eine Petersilienwurzel mitkocht. Dadurch erreicht man eine noch intensivere Entwässerung. Alternativ könnte man sich sogar eine „Forte-Version“ herstellen: hier gibt man zusätzlich 25-30 Tropfen Weißdorntinktur hinzu, wodurch eine stärkere Durchblutung des Herzmuskels und eine Kräftigung des Herzens erreicht wird.

Ein sehr schöner Fitmacher im Frühjahr ist auch die Brunnenkresse (Nasturtium officinale)

Sie wurde schon von den Urvölkern Europas gerne zur Ergänzung der Ernährung genutzt. Für Deutschland ist historisch belegt, dass ab dem Jahr 1650 diese speziellen Kressekulturen richtig in Mode kamen. Das Zentrum hierfür war Erfurt. Aber ihr größter Fan war definitiv Napoleon. Er führte nach dem Erfurter Vorbild 1809 den Anbau nahe Versailles ein und ließ eigens für den Winter eine Kultur an den Quellen von Nimes anlegen. Bereits 100 Jahre später war die Brunnenkresse so beliebt, dass der Bedarf allein für Paris nicht mehr vollständig aus eigener französischer Produktion gedeckt werden konnte!

Das Kraut mit dem frischen, leicht scharfen Geschmack, der an Gartenkresse erinnert, kann natürlich nicht nur zum Kochen verwendet werden, zum Beispiel frisch in Suppen und Salaten, es werden ihm auch gerade in der Naturheilkunde diverse gute Wirkungen zugesprochen. Die Brunnenkresse enthält auch tatsächlich viele hilfreiche Inhaltsstoffe, wie z.B. Senfölglykoside, die verdauungsfördernde, stoffwechselanregende und antibakterielle Wirkungen haben. Ihr hoher Eisengehalt in Verbindung mit Folsäure beugt Blutarmut vor. Das ebenfalls enthaltene Vitamin C erleichtert die Eisenaufnahme aus pflanzlicher Nahrung. In 100g grünem Kraut ist so viel davon enthalten, dass sich damit sogar der Tagesbedarf eines Erwachsenen decken ließe! Daneben ist sie reich an Mineralstoffen, Spurenelementen, sowie ätherischen Ölen und Bitterstoffen.

In der Volksmedizin werden ihr appetitanregende, stoffwechselaktivierende und verdauungsfördernde Eigenschaften zugeschrieben, die blutreinigende Wirkung ist seit alters her bekannt, genauso wie der Einsatz bei Atemwegsbeschwerden. Da nur frische Brunnenkresse wirklich effektiv wirkt, sollte man sie besser aus Kulturen kaufen – selber wild sammeln könnte gefährlich sein, denn, wenn das entsprechende Gewässer nicht wirklich ganz klar und fließend ist, ist die Gefahr relativ groß, sich mit dem großen Leberegel zu infizieren. Eventuell kann man sie auch selber ziehen, aus Sprossstecklingen oder Samen. In Wasserbecken, -schalen oder Balkonkästen ohne Löcher kann man sie durchaus dauerhaft halten. Voraussetzung ist ein immer feuchter Boden und so ist man auf der sicheren Seite.

Bleiben Sie fit & gesund,
Ihre Apothekerin
Simone Wagner

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Das könnte Dich auch interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
Füssen aktuell