Menschen

80 Jahre Bergwacht Füssen

Einblicke in die moderne Arbeit der Dienststelle

Hilfe leisten, Menschen in Sicherheit bringen und vor allem Leben retten. Egal bei welchen Wetterverhältnissen, ob in gut oder gar unerreichbarem Gelände, oder egal zu welcher Tageszeit. Das sind die Aufgaben der Bayerischen Bergwacht, die 1920, damals als „Natur- und Sittenwacht“, in München gegründet wurde. Bis dahin wurde die Bergrettung lange Zeit vom Deutschen Alpenverein durchgeführt, der in verschiedenen Ortschaften entlang des Alpenrandes Stationen und Rettungsposten mit Meldepunkten organisierte. So schreibt es die Chronik der Bergwachtbereitschaft Füssen, die in diesem Jahr nun auf eine 80-jährige Geschichte zurückblicken kann. Die ursprüngliche Aufgabe der Bayerischen Bergwacht war, so heißt es weiter, die „Bewahrung der guten Sitten“ und der „Schutz fremden Eigentums im Kontext des Bergsteigens und des alpinen Skilaufs“. So mussten die Bergwachtler früher oft noch das Edelweiß vor Blumen-Jägern beschützen. Das Thema Bergrettung gewann allerdings schon damals sehr schnell zunehmend an Bedeutung und steht heute an allererster Stelle.

Den Rucksack immer griffbereit

Die Bereitschaft Füssen wurde relativ spät, im Jahre 1941, gegründet. Bereits zuvor hatten sich Bereitschaften in den Nachbargemeinden Pfronten und Nesselwang gebildet. Sie arbeiteten parallel zum Gebirgsunfalldienst des Roten Kreuzes, dem die Bergwachten heute angehören. So sind die 35 Mitglieder, die ihren aktiven Dienst bei der Füssener Bereitschaft leisten, auch ausgebildete Ersthelfer. „Dabei teilen wir uns in verschiedene Mannschaften auf, die unter der Woche oder an den Wochenenden eingeteilt sind“, erklärt Hannes Bruckdorfer, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Füssen. „Dienst bedeutet, dass jeweils ein Einsatzleiter und vier Mann über Funk in ständiger Bereitschaft stehen. Der vollgepackte Rucksack muss also immer griffbereit sein, im Winter zudem die Ski und Lawinenausrüstung.“ Bis auf wenige Verwaltungskräfte sind alle Mitglieder ehrenamtlich tätig. Ihren Dienst müssen sie dabei mit ihrem Arbeitgeber gut vereinbaren können. Denn kommt die Meldung eines Einsatzes, muss die Arbeit sofort beendet werden. Etwa 70 bis 140 Einsätze sind es im Jahr, zu denen die Bergwacht Füssen ausrücken muss, im Durchschnitt jedes Mal zwei bis drei Stunden lang. Gut 75 Prozent aller Einsätze finden dabei in den Sommermonaten statt.

Drei Jahre Ausbildung

Wer sich für eine Ausbildung bei der Bergwacht interessiert, sollte möglichst alpine Erfahrung im Klettern und Skitourengehen und die entsprechende Kondition vorweisen können. „Der Bergwachtler ist aber schon von Haus aus ein bergaffiner Mensch, der die Kameradschaft schätzt. Da sind auch so gut wie alle Berufsgruppen dabei, vom Zimmermann über den Banker, Ingenieur, Soldaten, Polizisten, Handwerker oder Ärzte und Selbstständige“, sagt Bruckdorfer, der der Bergwacht selbst schon seit 30 Jahren angehört. Rund 500 Einsätze, so schätzt er grob, hat er seit seinem 16. Lebensjahr schon gehabt. Nur einige wenige Male, zum Glück, unter großer Lebensgefahr. Auch Einsätze mit einer Zeit von bis zu 20 Stunden hat er hinter sich. Der Schwangauer kennt sich aus im Berg, war dort schon als Kind viel unterwegs. „Auch mein Großvater war bei der Bergwacht“, sagt er. „Er war Lawinenhundeführer, das hat mich schon früh dazu bewegt, da mit einzusteigen.“ Ausgebildet werden die Einsatzkräfte in verschiedenen Sommer- und Winterlehrgängen, bei denen Maßnahmen und Techniken unter den jeweiligen Vorraussetzungen trainiert werden. Zur Grundausbildung zählen unter anderem auch die Lawinensuche, die Arbeit am und mit dem Hubschrauber oder die Benutzung des sogenannten Akia, des Rettungs- oder Transportschlittens. Insgesamt dauert die Ausbildung zum Bergwachtler bis zu drei Jahre.

Im Einsatz

Im Rahmen ihrer Tätigkeiten betreut die Bergwacht Füssen im Wesentlichen den Bereich zwischen Halblech und Füssen. Ebenso umfasst das Dienstgebiet das unwegsame Gelände der umliegenden Orte und Gemeinden bis nach Roßhaupten, Lechbruck und Eisenberg. Kommt ein Alarm, muss sich Bruckdorfer als Einsatzleiter umgehend bei der Leitstelle in Kempten rückmelden, von der er alle Infos auch zusätzlich auf sein Handy bekommt. Danach erfolgt die Einbestellung der Kollegen in die Wache oder direkt in die Nähe des Einsatzortes, bevor sich die Mannschaft auf die jeweilige Suche macht. Durch die Digitalisierung hat sich auch die Arbeit der Bergwacht in vielen Bereichen erheblich vereinfacht. Während man die Mannschaft früher noch persönlich einsammeln oder abtelefonieren musste, erfolgt heute eine automatische Alarmierung per Mobilfunk. „Oft bekommen wir sogar die direkten GPS-Koordinaten, wo sich der Verunfallte genau befindet“, so Bruckdorfer.

Verantwortung für Mensch und Tier

Bei ihren Einsätzen sind die Bergwachtler grundsätzlich mit ihrer PSA, der so genannten Persönlichen Schutzausrüstung mit Gurt und Helm ausgestattet. Dazu kommen, je nach Art des Einsatzes, unterschiedliche Längen von Seilen, Verankerungsmaterialien, medizinisches Equipment oder spezielle Bergungsgeräte, die zudem aus der Wache in das Einsatzfahrzeug geladen werden. Zur Ausrüstung zählt heute ein Fuhrpark mit vier Fahrzeugen, darunter auch ein sechsrädriges Allrad-Quad sowie ein mobiler Tankanhänger, der Helikopter unterwegs mit 5000 Liter Kerosin betanken kann. So hat sich vor allem an der Technik und Ausstattung der Bergwacht bis heute einiges verändert. Die Grundaufgabe der Bergwacht, Mensch und Tier im unwegsamen Gelände Hilfe zu leisten, ist über all die Jahre aber immer gleich geblieben. Unzählige Stunden wurden in den vergangenen 80 Jahren von den Kräften geleistet, allein in den letzten zehn in nahezu 1.200 Einsätzen, rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. „Es gibt keine Uhrzeit, zu der man als Bergwachtler nicht schon unterwegs war“, so Hannes Bruckdorfer.

Text · Foto: Lars Peter Schwarz

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