Coronavirus

Noch kein Normalbetrieb in den Kliniken

Thematik sollte nicht unterschätzt werden

Die Zahl der der Corona-Neuinfektionen steigt wieder und damit auch die Sorge, wie man damit umgehen soll. Manche Mediziner warnen vor einer „Corona-Müdigkeit“. Abstand halten, Rücksicht nehmen gegenüber anderen oder das Tragen einer Nasen-Mundbedeckung nimmt ab. Dabei wäre es ein Einfaches, gerade diese Regeln zu beachten. Wie wahrscheinlich es ist, dass die Infektionen im Herbst zunehmen, weiß keiner. Füssen aktuell sprach mit Gabriele Apfelbacher, Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Kreiskliniken Ostallgäu, über die Neuinfektionen und warum ein negativer Corona-Test doch positiv sein kann.

Die Corona-Infektionen steigen wieder an.
Was bedeutet das für die Kreiskliniken Ostallgäu?

Die steigenden Corona-Verdachts- und Infektionsfälle bedeuten für unsere Kliniken, dass das Infektionsschutzgesetz und unsere Hygiene- und Sicherheitskonzepte nach wie vor weiter konsequent durchgeführt werden. Der Schutz sowohl von Patienten, Besuchern und Angehörigen, als auch unserer Mitarbeiter, hat dabei höchste Priorität.

Haben Sie in Füssen einen Normalbetrieb, oder kann davon noch keine Rede sein?
Bedingt durch die Schutzmaßnahmen, insbesondere auch die gesonderten Schutzmaßnahmen im Rahmen einer notwendigen Untersuchung an Patienten, Durchführen von Abstrichen und ähnlichem mehr, kann man nicht davon ausgehen, dass wir einen Normalbetrieb haben. Nach wie vor stehen wir unter den Einflüssen von Covid-19, was in der Konsequenz auch bedeutet, dass es viele Betten gibt, die aktuell nicht belegt werden können. Eine Doppelzimmerbelegung zum Beispiel kann erst stattfinden, wenn entsprechend negative Tests vorliegen, insofern haben wir noch keinen absolut gängigen Normalbetrieb.

Alle Patienten müssen vor der Aufnahme ins Krankenhaus auf das neue Corona-Virus getestet werden. Inwieweit stimmt die Aussage von Virologen, dass ein negativer Test nicht ausschließt, dass jemand trotzdem infiziert sein könnte?
Darüber gibt es in der Wissenschaft und der Forschung der Virologen ganz klare Ansichten und Meinungen. Jemand kann durchaus positiv getestet sein, aber erst einige Tage später in irgendeiner Form körperliche Reaktionen zeigen. Egal, wo und wie ein Test stattfindet, es ist immer eine Momentaufnahme und derzeit können wir die Meinung der Virologen bestätigen. Auf Basis der aktuellen Erkenntnisse und dem Stand der medizinischen Forschung bleibt das Risiko: Wer heute negativ getestet wird, könnte morgen schon positiv sein.

Gibt es eine sogenannte „Corona-Müdigkeit“, also das Menschen die Krankheit nicht mehr ernst nehmen und sich dementsprechend auch verhalten?
Die Bevölkerung hält sich überwiegend an die Hygieneregeln, jedoch können wir nur vor der „Corona-Müdigkeit“ warnen. Oft kann, gerade wenn das direkte Umfeld nicht krankheitsbedingt betroffen ist, die Thematik schon mal mehr oder weniger verharmlost oder ignoriert werden. Die Situation sollte jedoch nach wie vor auf keinen Fall unterschätzt werden.

Im September fangen die Schulen an. Es gibt geteilte Meinungen über die Schutzmaßnahmen. Wie beurteilen Sie die Situation? Wie wichtig ist die Nasen- Mundbedeckung?
Die Mund-Nasenbedeckung als solches ist sehr wichtig, wobei natürlich differenziert zu betrachten ist, um welche Bedeckung es sich genau handelt. Wenn man vom höchsten Standard ausgeht, dann ist dieser selten im Bereich der Bevölkerung vertreten, noch seltener bei Kindern. Überwiegend handelt es sich im Alltag ja um Stoffmasken, die auch bei Kindern akzeptiert und konsequent in der Schule getragen werden. Die Mund-Nasenbedeckung dient einem Schutz, natürlich nicht einem vollständigen Schutz, aber wenigstens dem Ansatz.

Wenn ein Kind Asthma oder eine andere Erkrankung hat, soll das Kind in die Schule gehen oder setzt es sich einer Gefahr aus zu erkranken?
Asthma als auch andere chronische Erkrankungen bei Kindern können nicht pauschal beurteilt werden. Hier gibt es unterschiedliche Ausprägungen und die Beurteilung, ob die Kinder entsprechend in den Schulunterricht dürfen oder nicht bzw. wie stark die Ausprägung der chronischen Krankheit ist, und wie groß die Gefahr ist, jemanden zu infizieren oder zu erkranken, kann nur der jeweilige Facharzt entscheiden. Hier kann man keine pauschale Aussage treffen.

Warum infizieren sich vermehrt junge Menschen am Covid-19-Virus?
Ich persönlich glaube nicht, dass sich aktuell zunehmend junge Menschen an Covid-19-Virus infizieren, ich denke in der ersten Welle lag der Schwerpunkt der Beobachtung generell stärker bei der älteren Bevölkerung, denn auch da haben sich durchaus viele Jüngere mit dem Virus infiziert. Bedingt jedoch durch die Tatsache, dass sich damals bei den jüngeren Patienten häufig nicht so schwere Symptome gezeigt haben wie bei der älteren Bevölkerung, gehe ich davon aus, dass die Zahl der infizierten jüngeren Menschen auf gleichbleibendem Niveau ist. Durch die erhöhte Teststrategie, insbesondere in Bayern, werden diese aktuell jedoch schneller und häufiger erkannt.

Was würden Sie raten, Grippeschutzimpfung ja oder nein?
Und wenn ja, wann am besten?

Die Grippeschutzimpfung ist sicherlich in Deutschland ein wichtiges und sinnvolles Instrument, um die Schwere einer Erkrankung zu minimieren. Aber auch das hängt selbstverständlich immer vom jeweiligen Gesundheitszustand des Patienten ab. Klassischerweise ist die Grippeschutzimpfung im Herbst sinnvoll und notwendig, der genaue Zeitpunkt ist abhängig davon, wieweit der Grippeschutz vorhanden ist.

Foto: Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren
Das Interview führte Sabina Riegger

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