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App-Diagnose Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine Störung des normalen Herzrhythmus, die meist ohne erkennbare Ursache plötzlich auftritt und sich unterschiedlich stark bemerkbar machen kann. Am häufigsten tritt ein unangenehmes Herzstolpern oder –rasen auf und verursacht Atemnot, Abgeschlagenheit, Schwindel und gelegentlich auch Brustschmerzen. Oft verspürt man dabei Beklemmung oder sogar Angst.

Vorhofflimmern ist eine Störung des normalen Herzrhythmus, die meist ohne erkennbare Ursache plötzlich auftritt und sich unterschiedlich stark bemerkbar machen kann. Am häufigsten tritt ein unangenehmes Herzstolpern oder –rasen auf und verursacht Atemnot, Abgeschlagenheit, Schwindel und gelegentlich auch Brustschmerzen. Oft verspürt man dabei Beklemmung oder sogar Angst. Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland an dieser Krankheit. Sie ist schwer zu diagnostizieren. Häufig bleibt sie sogar unbemerkt und kann zum Schlaganfall führen. Eine medizinische App soll Patienten nun helfen, Vorhofflimmern rechtzeitig zu erkennen.

Füssen aktuell sprach mit Chefarzt. Dr. med. Martin Hinterseer, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie und Priv.-Doz. Dr. Dr. Martin Zens, Leiter der Sektion e-health an der Klinik Füssen, über die Funktionsweise der App und ihre Einsatzmöglichkeit.

Dr. Hinterseer, wie oft passiert es, dass Vorhofflimmern nicht erkannt wird?
Dr. Hinterseer: Vorhofflimmern ist eine Volkskrankheit mit besonderer Häufung im Alter. Leider wird es häufig erst bei Auftreten von Komplikationen, z.B. dem Schlaganfall bemerkt. Die Episoden können vor allem nachts unbemerkt auftreten, so dass sogenannte subklinisches Vorhofflimmern häufig ist.

Welche Vorteile bietet die App Patienten mit Herzrhythmusstörungen?
Dr. Dr. Zens: Die App – oder vielmehr das Smartphone – haben die Patienten jederzeit dabei und somit ist eine Messung des Herzschlages ortsunabhängig möglich. Egal ob auf dem Tegelberg, während der Radtour am Forggensee oder beim Einkaufen in der Stadt: Regelmäßige Messungen helfen dabei, sporadisch auftretendes Vorhofflimmern aufzudecken und es können gezielt Messungen durchgeführt werden, wenn der Patient Herzrasen oder Herzklopfen verspürt. Dazu ist kein Arztbesuch oder weiteres technisches Gerät möglich. Die App funktioniert auf den meisten handelsüblichen Handys.

Wie wird der Pulsschlag mit dem Smartphone gemessen?
Dr. Dr. Zens: Die App nutzt die Kamera und den Blitz des Telefons, um ein medizinisches Messgerät nachzubilden. Hierüber kann der Pulsschlag an der Fingerkuppe gemessen werden. Dazu muss lediglich ein beliebiger Finger für wenige Sekunden über Blitz und Kamera des Smartphones gehalten werden. Ist der Pulsschlag unregelmäßig, könnte Vorhofflimmern vorliegen.

Eine Studie zur App läuft an der LMU, die Aussagen darüber liefern sollte, ob die App Vorhofflimmern genau erkennt. Gibt es bereits Auswertungen der Ergebnisse?
Dr. Dr. Zens: Die Einschlussphase der Studie ist abgeschlossen und die ersten, vielversprechenden Ergebnisse sind bereits vorliegend. Mit einer endgültigen Auswertung ist im Frühjahr 2021 zu rechnen. Wir sind jedoch sehr zuversichtlich zeigen zu können, dass die Nutzung der App einen Vorteil darstellt.

Ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern kann auch durch ein Langzeit-EKG festgestellt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, einen Ereignisrekorder operativ hinter das Brustbein des Patienten zu implantieren um eine längerfristige Kontrolle zu behalten. Warum sollten Patienten als Alternative zu diesem Implantat gerade diese App auf ihrem Smartphone nutzen?
Dr. Hinterseer: Diese implantierbaren Mini-Geräte von der Größe eines Streichholzes werden in Herzhöhe unter die Haut implantiert und sind als Dauer-EKG besonders geeignet, jegliche Arten von Herzrhythmusstörungen zu detektieren. Nachteil zu einer Smart-Phone Lösung sind die Notwendigkeit eines, wenn auch sehr kleinen operativen Eingriffs, und die Kostenübernahme durch die Krankenkassen sind häufig schwierig.

Es gibt auf dem Medizinmarkt sehr viele solcher Apps, die zudem kostenlos angeboten werden. Was unterscheidet diese App von den anderen und warum empfehlen Sie die?
Dr. Dr. Zens: In der Tat gibt es unzählige medizinische Apps auf dem Markt. Eine Verunsicherung für medizinische Laien ist nachvollziehbar. Ein wichtiges Merkmal qualitativ hochwertiger Apps ist ein CE-Kennzeichen. Dieses ist für Medizinprodukte vorgeschrieben. Weiterhin sollte man sich über den Hersteller und die Datenschutzbestimmungen informieren. Die hier vorgestellte Lösung der Fa. Preventicus (Heartbeats App®) ist ein Medizinprodukt (CE Klasse IIa) und bei dem Entwickler handelt es sich um einen nach ISO 13485 zertifizierten Medizinproduktehersteller.

Als Kooperationspartner ist die Versicherungskammer mit im Boot. Da stellt sich die Frage wie sicher ist es das die Daten ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden?
Dr. Dr. Zens: Die Datenspeicherung erfolgt auf einem Server der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ein Zugriff auf die Daten seitens der Versicherungskammer ist weder gewünscht noch technisch möglich. Die Teilnahme an der Studie erfolgt durch die Probanden vollkommen freiwillig. Ein Einschluss ist nun nicht mehr möglich.

Was kostet die App und wird sie von der Krankenkasse gezahlt?
Dr. Dr. Zens: Eine Demoversion der App mit eingeschränkter Funktionalität ist kostenfrei verfügbar. Die Kosten einer Vollversion sind der Herstellerseite zu entnehmen. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten der App.

Vielen Dank für das Interview.
Dr. Hinterseer: Wir danken Ihnen für das Interesse.

Preventicus Heartbeats (Google Play Store)

Preventicus Heartbeats (iOS, App Store)

Das Interview führte Sabina Riegger · Foto: privat

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