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Mein Leben als Pescetarier

Ich bin 16 und seit mehr als drei Jahren lebe ich nun als Pescetarier, aber was bedeutet das eigentlich? Es gibt viele verschiedene Formen der alternativen Ernährungsformen, von vegetarisch und vegan, den bekanntesten Formen, bis hin zu pescetarisch und ovo-vegetarisch, viele kennen die Unterschiede nicht oder wissen sich nichts darunter vorzustellen.

Mein Leben ist eigentlich nicht großartig anders, ich gehe in normale Supermärkte und kaufe ganz normale Lebensmittel ein wie jeder andere auch, mit einer Ausnahme: kein Fleisch. Der Unterschied von mir zu einem Vegetarier ist, dass ich zwar kein Fleisch aber dennoch Fisch zu mir nehme. Die Entscheidung Pescetarier zu sein war nicht ganz meine Entscheidung, denn mein Ziel war es, sowohl auf Fleisch als auch auf Fisch zu verzichten, aber viele wissen nicht, dass das nicht ganz ungefährlich ist.

Zu Beginn habe ich meinen Fleischkonsum immer mehr reduziert, bis ich nur einmal monatlich Fleisch aus der Region gegessen und dann gänzlich darauf verzichtet habe. Am Anfang fühlte ich mich ganz normal, doch mit der Zeit wurde ich immer schlapper und hatte auffallend starke Stimmungsschwankungen, nach ca. zwei Monaten suchte ich einen Arzt auf, da ich mich immer unwohler fühlte und schnell wurde klar, dass es an meinem Verzicht auf Fleisch und Fisch lag. Sowas liegt am Eiweißmangel, der durch die fehlenden tierischen Proteine hervortritt. Ich entschied mich, Pescetarier zu werden und meine benötigten Eiweiße aus dem Fisch zuziehen, da die andere Möglichkeit, Nahrungsergänzungsmittel zu mir zu nehmen für mich wegfiel, denn ich wollte mich nicht mit künstlichen Stoffen ernähren müssen.

Viele Fragen sich wahrscheinlich, wieso das Ganze, wieso so viel Probleme und vor allem, was bedeutet das für meine Familie? Ich bin ja gerade erst 16 und lebe noch zuhause, heißt, meine Familie musste sich ein wenig anpassen. Viele meinen, meine Eltern und Geschwister verzichten automatisch auch auf Fleisch, oder ich hätte große Probleme, mich zu ernähren, keineswegs. Ich lebe jetzt schon eine Weile mit getrennten Eltern und den Großteil der Zeit bin ich bei meiner Mutter, die mich auch am meisten unterstützt hat. Am Anfang dachten alle, es wäre nur eine Phase, wie ich sie schon öfter hatte, doch mit der Zeit merkten sie, dass es ernst wurde. Meine Mutter hatte keinerlei Probleme sich umzustellen, sie kochte immer weniger Fleisch und wenn es Fleisch gab, bekam ich immer eine Alternative. Mittlerweile ist sie selbst fast ein Vegetarier. Bei ihrem festen Freund ist das Ganze schon schwieriger. Man kennt sie doch, die Allgäuer mit ihrem Schweinebraten und den Weißwürsten, Hauptsache Fleisch. Anfangs gab es keinen Tag, an dem er kein Fleisch hatte, doch mit der Zeit und immer interessanteren vegetarischen Fischen weckten wir auch sein Interesse. Ein Vegetarier wird aus ihm wohl nicht, doch auch er isst mittlerweile deutlich weniger Fleisch. Mein Vater und mein Bruder haben das Ganze ein bisschen ignoriert. „Dann braucht sie halt was ohne Fleisch, dann gibt’s halt mal wieder was Vegetarisches, ist ja nicht so weltbewegend.“ Auch wenn sie es nicht deutlich zeigen, habe ich das Gefühl, dass die beiden mittlerweile auch mehr Wert auf ein regionales Steak vom guten Bauern legen und auch hin und wieder gerne das Gericht ohne Fleisch zubereiten. Ich habe kein Problem, etwas mit Fleisch zuzubereiten oder jemandem dabei zuzusehen, ich möchte es einfach selber nicht essen.

Aber das Wichtigste, wieso habe ich mich dazu entschieden?
Genau weiß ich es eigentlich nicht mehr, denn Wurst esse ich schon seit fast 5 Jahren nicht mehr, weil sie mir schlichtweg nicht schmeckt. Das mit dem Fleisch ist eine ganz andere Sache, ich lege schon Wert auf gutes leckeres Rumpsteak, aber ich muss es nicht unbedingt haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Vegetariern finde ich Fleisch sehr lecker und verzichte nicht wegen dem Geschmack darauf. Ich bin ein großer Tierfreund und liebe absolut jedes Tier, von der Spinne bis zur flauschigen Katze. Ich bin mir bewusst, dass es Nutztiere gibt und diese schon immer vom Menschen gegessen wurden. Aber das Problem ist nicht, dass sie gegessen werden, sondern, dass sie zu viel gegessen werden. Früher war es was Besonderes, wenn es am Wochenende mal Fleisch gab, doch heutzutage wird es in solchen Massen konsumiert, dass es zu schrecklichen Bedingungen für die Tiere bei der Züchtung kommt, denn es muss immer schneller, immer größer und immer billiger sein. Ich verzichte auf Fleisch, denn ich finde, wenn so viele Menschen diese Unmengen an Fleisch essen, muss es zum Ausgleich welche geben, die darauf verzichten, um die Natur und ihre Lebewesen im Gleichgewicht zu halten.

Text: Jette Gebauer · Foto: Margarete Häfelein

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4 Kommentare

  1. Hallo, ich habe selten einen so schlechten Artikel wie diesen gelesen. Wenn die 16 jährige ein so großer Freund der Tiere ist, dann sollte sie auch keine Fische essen.
    Die Ausrede, dass der Körper das braucht ist schlicht falsch.
    Nicht mal Milch und Eier braucht der Körper. Man kann vegan leben ohne schlapp zu werden und ohne massenweise Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Das einzige das genommen werden muss ist B12, aber das ist im Fleisch auch nur enthalten, weil es den Tieren zuvor gegeben wird.
    Schade dass sie nicht an einen guten Arzt geraten ist, der sie in ihrem Vegetarismus bestärkt hat.
    Eiweiß braucht der Körper, ja, aber das kann auch pflanzlich sein. Der stärkste Mann der Welt ist z.B. Veganer.
    Und Nutztiere gibt es nicht, wir haben sie dazu gemacht. Und nur weil es immer schon so war heißt das nicht, dass es richtig ist.
    Schade, dass der Bericht einfach so ohne fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse gedruckt wird. Und wieder werden sich die Fleischesser bestätigt fühlen, dass ihr Weg der richtige ist. Und leiden werden wieder die armen Tiere.
    Denn es gibt kein Fleisch von glücklichen Tieren, nur von toten.
    Wer sich mal richtig informieren will. Niko Rittenau hat ein gutes Buch dazu geschrieben „Vegan Klischee ade!“ und es gibt auch YouTube Videos von ihm.

    1. Hallo Stephanie,
      es ist keine Ausrede. Ich war als ich Vegetarier war noch recht jung und mitten im Wachstum. Es ist eine Sache Erwachsen zu sein und vegetarier, als recht junger Mensch verträgt der Körper es ganz anders. Ich weiß noch nicht ob ich später wieder komplett Vegetarier werde oder weiterhin Pescetarier bleibe, aber ausprobieren möchte ich es auf jedenfall nochnal. Jeder Körperist anders und nur weil manche problemlos vegan leben können heißt dass nicht jeder, dass jeder es kann. Ich kann jedem empfehlen vegetarisch zu leben oder wochenweise auf Fleisch und Fisch zu verzichten, aber dafür die Gesundheit zu gefährden sollte niemand.
      Ich möchte auch nochmal daran erinnern, es ist ein Bericht über mein Leben und keiner über Vegetarier, Veganer etc. insgesamt. Jeder lebt es anders aus und das ist eben mein Lebensstil. Ich bin auch weiterhin der Meinung, dass man Fleisch essen kann, aber eben nicht in diesen Mengen und vorallem nicht aus Massentierhaltungen.
      Es ist meine Sichtweise und meine Meinung und deshalb noch lange kein schlechter Artikel.
      Danke für deine Sichtweise und Meinung.

  2. Gute Antwort auf den etwas zu aggressiven und abwertenden Kommentar. Man kann seine Meinung ja sagen aber mit etwas mehr Respekt für die Lebensweise von anderen.

  3. Bin ganz Deiner Meinung Günther!
    Ich finde es toll Jette, dass Du so offen berichtest. Ich bin mir sicher, dass viele Leser ihren Fleischkonsum überdenken und bewusster und weniger Fleisch essen. Damit hast du doch schon viel bewirkt! Man kann doch nicht alle Menschen gleich zu Vegetariern machen. Ein Denkanstoss und dann läufts von allein. Dein Artikel bewirkt mehr als eine aggressive Anti-Fleischesser-Kampagne 😉. Ich weiß nicht warum die meisten Vegetarier und Veganer immer gleich persönlich werden müssen! Ich finde Deinen Bericht und Deine Lebensweise toll!

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