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Das Colomansfest in Schwangau

Jahr für Jahr zieht das Colomansfest, das zu Ehren des Heiligen Coloman, dem Schutzpatron der Tiere, gefeiert wird, tausende Besucher nach Schwangau. Einzigartig ist der Anblick der vielen geschmückten Pferde vor dem Hintergrund der beiden Königsschlösser und dem Panorama der Allgäuer Alpen. Der Colomanstag am 13. Oktober ist ganz ohne Zweifel auch einer der wichtigsten und höchsten Feiertage in der Gemeinde. Schon in der Früh gegen neun Uhr formiert sich der Zug am Rathaus. Angeführt von der Musikkapelle Schwangau folgen verschiedene Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine, danach die prächtigen Kutschengespanne von Geistlichkeit, Bürgermeister und den Ehrengästen. Vom Rathaus aus bewegt sich der Festzug anschließend in Richtung der Kirche Sankt Coloman. Dort angekommen, stellen sich die Reiter und Kutschen vor dem Kirchenportal im Halbkreis auf.

Bei gutem Wetter zelebriert Pfarrer Markus Dörre zusammen mit weiteren Geistlichkeiten den Festgottesdienst an einem eigens dafür errichteten Feldaltar. Im Mittelpunkt steht die Pferdebenediktion, bei der der Pfarrer hoch zu Ross durch die Reihen geführt wird, um mit der Colomansreliquie den Segen zu vollziehen. Nach der Segnung umrunden die Reiter und Kutschen die Kirche zweimal in weitem Bogen, bevor sie geordnet wieder den Zug zurück zum Rathaus antreten. Außergewöhnlich dürfte dabei die Tatsache sein, dass die Pferde, die ebenfalls mit Blumen und farbigen Bändern prachtvoll geschmückt sind, von ihren Reiterinnen und Reitern in traditioneller Tracht ungesattelt geritten werden. Zudem ist der Verlauf des Reiterzuges dabei durch eine alte überlieferte Ritt-Ordnung vorgegeben. Der Legende nach soll der Heilige Coloman ein irischer Königssohn gewesen sein, der im Jahre 1012 als Pilger auf seiner Reise in das Heilige Land durch Schwangau gekommen ist. Angeblich machte er genau dort Rast, wo heute die Colomanskirche steht. Auf seiner weiteren Reise kam Coloman in die Gegend von Stockerau, dem damaligen Grenzbereich zwischen Bayern und Mähren. Wegen seiner fremdländischen Kleidung und Sprache wurde er irrtümlicherweise als Spion verdächtigt, verhaftet, gefoltert und letztlich zum Tode verurteilt und an einem Holunderbaum erhängt. Schon bald aber stellte sich seine Unschuld heraus. Sein Leichnam, so schreibt es die Legende weiter, hing über ein Jahr unverwest an dem Baum, dazu ereigneten sich rund um den späteren Heiligen zahlreiche wunderliche Geschehnisse. So ordnete der damalige Landesherr am 13. Oktober 1014 die feierliche Überführung der Gebeine von Stockerau in die Stiftskirche nach Melk an. Seine Heiligsprechung erfolgte im Jahr 1245 durch Papst Innozenz IV. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde schließlich an der Stelle, an der Coloman auf seiner Reise angeblich rastete, eine kleine Kapelle erbaut. Die Wallfahrtskirche St. Coloman entstand 1673-78. Im Jahr 1720 wurde ein Teil des Kinnbackens des Heiligen nach Schwangau überbracht. Mit dieser kostbaren Reliquie wird heute noch der Segen für die Pferde erteilt.

Als Ehrengast aus der bayerischen Staatskanzlei hat sich in diesem Jahr bereits der amtierende Wirtschafts-und Verkehrsminister Hans Georg Reichhart angekündigt.

Info
Das Colomansfest an der Wallfahrtskirche St. Coloman mit Pferdebenediktion und Umritt fällt in diesem Jahr auf Sonntag, den 13. Oktober. Die Aufstellung der Reiter am Rathaus beginnt ab 9 Uhr.

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: Hubert Riegger

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