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Festspielhaus: Planungen für Hotelbau endgültig zurückgezogen

Nach langen Hin und Her hat Manfred Rietzler, Inhaber von Ludwigs Festspielhaus Füssen nun seine Planung für den Bau eines Hotels mit Tagungs- und Kongresszentrum auf dem Gelände des Festspielhauses endgültig zurückgezogen. In einem persönlichen Statement, das uns am Nachmittag erreicht hat, erklärt der Investor seine Entscheidung ausführlich:

Statement Manfred Rietzler

Um die Entscheidung gleich vorweg zu nehmen, ich habe die von uns vorgeschlagene Planung, die dem Füssener Stadtrat im November vergangenen Jahres vorgelegt wurde, für ein Hotel mit Tagungs- und Kongresszentrum auf dem Gelände des Festspielhauses zurückgenommen.

Ein erneutes Gespräch mit Vertretern des Kreisfischereivereins Füssen e.V. und dem Bund Naturschutz e.V., Ortsgruppe Füssen Anfang dieser Woche, verlief leider erneut ergebnislos. Beide Gruppierungen sind für keinerlei Planungsalternativen bereit und versuchen weiterhin mit allen Mitteln das Hotelprojekt Festspielhaus dauerhaft zu verhindern.

In Abstimmung mit der Stadtverwaltung habe ich daher die Planung für das Hotel mit Tagungs- und Kongresszentrum zurückgezogen und gebeten, das Bauleitplanverfahren förmlich einzustellen.

Bereits zu Beginn der Planungsphase hatte ich klar kommuniziert, dass ich das Projekt zum Erhalt des Füssener Festspielhauses nur mit Unterstützung des Stadtrats und der Bürgerinnen und Bürger starte. Leider ist dieser notwendige Schulterschluss nicht mehr gegeben. Es zeigt sich merklicher Widerstand.  Zusätzlich wurde ein Bürgerbegehren auf Initiative von Bund Naturschutz in Bayern e.V., Ortsgruppe Füssen, Landesbund für Vogelschutz e.V., Kreisverband Ostallgäu und unter Federführung des Kreisfischereiverein Füssen e.V. gegen die Hotelplanung intensiv betrieben.

Trotz mehrmaligen Gesprächen mit allen Vertretern der o.g. Institutionen war keine Einigung möglich, obwohl die Planungen unsererseits nochmals abgeändert und reduziert wurden.Auch eine völlige Neuplanung außerhalb der Wasserfläche des Forggensees mit ausreichendem Uferbestand wurde aus grundsätzlichen ideologischen Erwägungen vom Bund Naturschutz und dem Fischereiverein nachhaltig abgelehnt.

Diese Entwicklung ist äußerst bedauerlich, da die nun vorhandene Negativstimmung mit fehlenden Fakten und vorgeschobenen Argumenten erzeugt wurde. Diese ist jedoch nun gestreut, nicht mehr umkehrbar und für mich ein deutliches Signal für einen Rückzug. Ich persönlich finde es sehr bitter, dass hier eine solch gravierende Spaltung der Meinungen stattgefunden hat. Das Team des Festspielhauses hat in den letzten beiden Jahren mit viel Engagement, Herzblut und überdurchschnittlichem Einsatz für einen Wiederaufbau des Theaterbetriebs gekämpft. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass hierfür kaum Wertschätzung vorhanden ist bzw. diese nur durch unsere begeisterten Gäste anderen Orts kommuniziert wird.

Die Gäste des Theaters schätzen unseren vielfältigen und anspruchsvollen Spielplan, der nicht nur unser Herzstück und Erfolgsmusical Ludwig² beinhaltet. Vielen ist nicht bekannt, dass es zum beliebtesten Musical 2017 gewählt wurde und auch unsere weiteren Eigenproduktionen DIE PÄPSTIN und DER RING bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt und außerordentlich gute Kritiken bekommen haben. Von den tausenden Gästen wollen wir gar nicht erst sprechen. Auch nicht von renommierten Stars der Musicalszene, die Füssen als einzigartige Spielstätte sehen: Weltstars wie Sarah Brightman war genauso begeistert wie Bayerns Topstar Monika Gruber.

Daneben haben wir mit Ludwigs Musical Academy ein Angebot für ambitionierte Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen, die weit über die Region hinaus, Schüler*innen anlockt und fördert. Die am letzten Sonntag gezeigte Jahresabschlussaufführung von CATS ließ über 1000 Besucher staunen. Am letzten Wochenende versetzte Mark Forster knapp 11.000 Besucher beim OPEN AIR in unserem Barockgarten in beste Stimmung. Diese einmalige Kulisse lässt unsere Gäste und auch die ganz Großen wie etwa Sting, Toto und die Fantastischen Vier ins Schwärmen geraten.

Auch ist die Bedeutung des Festspielhauses für Vereine, Institutionen und Firmen aus der Region hervorzuheben. Wo sonst könnte z.B. WIR 18 ihre Erfolgsmusicals aufführen, der Chorverband Bayerisch-Schwaben seine Großveranstaltungen machen und große Firmen ihre Produktpräsentationen inszenieren. Hier haben wir immer als verlässlicher, fairer und großzügiger Partner agiert und uns mit unserer „open house“ Philosophie von anderen Veranstaltungshäuser deutlich unterschieden.

Der Bau eines angeschlossenen Hotel- und Kongresszentrums ist die optimale Lösung, das Festspielhaus dauerhaft zu sichern. Ich habe mich von Anfang an bereit erklärt, die Verluste des Hauses für einige Jahre privat zu tragen, aber nicht langfristig. Meine Intension beim Kauf war, das Festspielhaus als Theater für meine Heimat, dem Ostallgäu, zu etablieren. Nach einer umfassenden Wirtschaftlichkeitsprüfung der Zahlen der letzten Jahre ist nach der Meinung von Experten ein Erhalt des Festspielhausbetriebes nur durch eine Verbreiterung des Angebots mit einem angeschlossenen Hotel- und Kongresszentrum möglich.

Nun kommen wir zur Frage, wie es weitergehen soll: die Veranstaltungen des laufenden Spielplans 2019 werden wie geplant durchgeführt und die Verluste nochmals von mir getragen.  Die vorerst letzte Vorstellung unseres Musicals Ludwig² wird am 5.01.2020 zu sehen sein.  Aufgrund der aktuellen Entwicklung und Wende in meiner Planung arbeiten wir an einem verschlankten Spielplan für 2020, den Theaterdirektor Benjamin Sahler derzeit erstellt. Birgit Karle und Benjamin Sahler werden als Theaterleitung auch weiterhin versuchen das Haus in eine sichere Zukunft zu führen.

Fakt ist, dass es einer langfristigen Unterstützung von Extern bedarf, um das Festspielhaus für Füssen und die Region erhalten und bespielen zu können. Wir haben von vielen Seiten großen Zuspruch für den Erhalt des Festspielhauses erfahren. Experten aus der Tourismusbranche, der Regionalentwicklung und der Wirtschaft haben sich eindeutig pro Festspielhaus und angeschlossenem Hotel mit Tagungs- und Kongresszentrum ausgesprochen.

Auch der Stadtrat ist nun in der Pflicht eine rasche Lösung für die Zukunft des Festspielhauses für Stadt und Region zu finden.

Füssen, 24.07.2019

Manfred Rietzler

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4 Kommentare

  1. Bravo !

    Sind die Füssener noch zu retten ? Als Touristiker zieht es mir hier die Zehennägel auf. Wo leben wir den ? Da will jemand investieren und dann kommen die Bedenkenträger und Verhinderer und zerstören ein Stück Allgäuer Zukunft. Am besten auch gleich Neuschwanstein abreißen, die Touristen stören den himmlischen Frieden. Das Problem, die meisten der Verhinderer arbeiten in Behörden oder sonstwo, wo sie nicht darauf angewiesen sind, dass irgendwer sein Geld hier ausgibt und nicht im Tannheimer Tal.

    1. Sehr geehrter WInfried Hagen,
      einen himmlischen Frieden gibt es in Füssen schon lange nicht mehr. Als Füssner geht man im Sommer am liebsten nur noch ganz in der Früh in die Stadt um seine Erledigungen zu machen, denn danach wird man überrannt. Es ist traurig wie die Heimat verkauft und ausgelutscht wird. Überall wird geworben, damit man auch am letzten Winkel die Touris findet. Es ist genug! Hotel um Hotel entsteht und der bezahlbare Wohnraum wird immer weniger – denn: hier ist es ja so schön, da kann man als gut betuchter Tourist ja eine Wohnung für die Ferienzeit kaufen. Und wo bleibt der „Eingeborene“ Füssner? Der kann schauen wo er bleibt. Man muss das gesunde Maß finden, welches in Füssen schon längst verloren ist. Und wenn es Ihnen als „Touristiker“ nicht gefällt – das Tannheim winkt schon.

  2. Wie immer stellen sich die füssner unmöglich an wenn es um neue dinge geht , aber dauernd jammern das in füssen nicjts geboten wird. Dann macht jemand was und schon ist man wieder dagegen. Die füssner sollen doch mal überlegen was sie ohne Fremdenverkehr machen würden.
    Früher war man gegen sämtliche firmenansiedlungen und wie dann alle abgewandert waren war der jammer groß.
    Es kann ja wohl nicht sein das ein paar fischer so eine macht haben.
    Wenn ich als geborene füssnerin das füssner zentrum sehe *
    Kommen mir die tränen ( neubau sonne ) das sind bauten die
    Die verboten gehören.
    Danke paul jakob so kann man auch alles kaputt machen.

    1. Und wieder einmal verstehe ich nicht, was manche Menschen so alles von sich geben. Es scheint, als gäbe es sehr viele, die keine Ahnung haben, wie kommunale Demokratie funktioniert. Frau Schneider, Sie denken also, dass der BGM Iacob alleine entschieden hat, dass das Hotel Sonne anbauen darf, ja? Und Sie denken auch, dass der BGM alleine entscheiden kann, ob ein Hotel am Festspielhaus gebaut wird, oder nicht, was? Vielleicht lesen Sie nochmal nach, wie solche Entscheidungen getroffen werden und von wem, dann könnten Sie sich Ihren Kommentar in der Tat sparen!

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