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Schloss Hohenschwangau

Am 3. Juli 1836 bezog Kronprinz Maximilian, der spätere König Maximilian II. von Bayern, das erste Mal sein Schloss Hohenschwangau. Es war der Beginn einer langen Tradition von Sommeraufenthalten. Natürlich war der 24-jährige Kronprinz nicht allein. In seinem Gefolge befanden sich sein Leibarzt Dr. Gietl, der Ordonanzoffizier Baron von Zoller, der Flügeladjutant Delpy de la Roche und Domenico Quaglio, der mit dem Wiederaufbau des Schlosses betraut gewesen war.

Doch wie kam es dazu, dass sich der bayerische Kronprinz ausgerechnet in Hohenschwangau niederließ?

Sieben Jahre zuvor, nämlich Anfang Mai 1829, unternahm Max mit seinem jüngeren Bruder Otto, Domdechant Oettl und Graf Franz von Pocci eine Fußreise von Füssen nach Reutte. Es sollte eine pure Wanderung sein. Ohne Bequemlichkeiten oder Annehmlichkeiten. Max wollte nicht mit einem Wagen von A nach B fahren, sondern die Natur und auch das Wetter wirklich erleben können. Auf der Reise kamen sie durch den kleinen Ort Hohenschwangau, der zu dieser Zeit nur neun Häuser zählte. Diese Häuser stehen noch heute, jedoch in ganz anderer Form. Es waren das Haus „Beim Tossenmichl“- heutzutage das Hotel Müller, „Beim Narziss“ – gegenwärtig das Hotel Alpenstuben, das Haus „Wacht“ – nun Ludwigs Stüberl, das heutige Hotel Lisl, die alte Försterwohnung – derzeit die Villa Jägerhaus, das alte „Unhoch-Haus“ – der gemauerte Teil der Wagenremise, das jetzige Verwaltungsgebäude des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, das „Neue Bräuhaus“ – das heutige Hotel Alpenrose sowie dessen Pferdestallung – das heutige Bräustüberl. Sämtliche Häuser enthielten einen landwirtschaftlichen Teil, mit kleinen Obst- und Gemüsegärten. Sie lagen in absoluter Abgeschiedenheit am Rande der Berge in unmittelbarer Nähe des Alpsees. Die Besonderheit dieses Ortes bot die alte Burg Hohenschwangau, die über ihm thronte. Ein historischer Bau aus dem 12. Jahrhundert, dessen Mauern viel über bayerische Geschichte hätten erzählen können. Das Schloss und seine Wirtschaftsgebäude befanden sich in desolatem Zustand. Maximilians Bruder Otto notierte in sein Reisetagebuch: „ (…) Sehr sehr Schönes sahen wir am 6ten Mai. Der Fürst Ludwig Wallerstein, und ein Assessor von Füssen begleiteten uns zur Burg Hohen-Schwangau. Die Lage derselben auf einem Hügel entzückte uns öfters. Fast jede Seite ergötzte neuerdings das Auge. Sie ist noch ziemlich gut erhalten, und bedarf nur einiger Ausbesserungen, um bewohnbar zu werden. Von ihren Fenstern genießt man die schönste Aussicht. Man sieht nahe hohe Berge, eine Ebene, dann drey Seen, wovon zwey sehr nahe liegen. (…). “ Maximilian war sofort begeistert von der traumhaften Lage umgeben von Bergen, Wäldern, Seen und Wiesen. Schnell fasste der Kronprinz den Entschluss, das Schloss zu kaufen. Damals befand es sich noch im Besitz des Münchner Topographen Adolph Sommer, der es erst fünf Jahre vorher erworben hatte.

Die Kaufverhandlungen gingen nur zäh voran. Als Herr Sommer erfuhr, wer da Interesse an seinem Bergschlösschen zeigte, schnellte der Kaufpreis in die Höhe. Freilich übernahm der Kronprinz die Verhandlungen nicht selbst. Diese Aufgabe übertrug er Domenico Quaglio, der es nach drei Jahren schaffte Sommer auf einen annehmbaren Preis herunterzuhandeln. Für 7.000 Gulden wechselte die Burg 1832 ihren Besitzer.

Bereits im darauffolgenden Jahr, genauer gesagt im Februar 1833, konnte mit den Um- und Wiederaufbauarbeiten begonnen werden. Unter anderem wurden die Ruinen der Wirtschaftsgebäude beseitigt und auf deren Grundmauern neue Gebäude errichtet. Das Mauerwerk des Schlosses musste verstärkt und ausgebessert werden. Die Fensteranordnung blieb gleich, jedoch vergrößerte man diese in den zukünftigen Repräsentationsräumen, Balkone wurden angebracht und ein neues Eingangsportal aus Sandstein gefertigt. Wie solide die Bausubstanz dennoch war zeigt, dass man fast zeitgleich mit dem Innenausbau begann.

Nach drei Jahren Bautätigkeit konnte der neue Besitzer endlich einziehen. Jedoch sah das Schloss damals ein wenig anders aus als heute. Das große Nebengebäude, auch Kavaliers- und Prinzengebäude genannt, war noch nicht gebaut. An dessen Stelle stand eine kleine Wagenremise, ein Stallgebäude, das Platz für sieben Pferde bot und ein Treibhaus. Auch der vierte Turm des Hauptgebäudes existierte noch nicht. Mit den Bauarbeiten dazu wurde erst später begonnen. Seine heutige äußere Erscheinung erhielt das Schloss erst im Laufe der Jahre, da es sich an die stetig ändernden Anforderungen anpasste.

Der Kronprinz genoss die ruhige und naturverbundene Lage seines Schlösschens nicht lange allein. Seine Familie war sehr neugierig auf Maximilians Errungenschaft. Bereits wenige Tage nach seinem Einzug erhielt er Besuch von seiner Großmutter, Königin Caroline von Bayern. Auch sein Onkel Prinz Karl von Bayern kündigte sich an. Im September desselben Jahres ehrte sogar sein jüngerer Bruder Otto, der zwischenzeitlich zum König der Griechen ernannt worden war, das Schloss und seine Umgebung mit einem Besuch. Otto, der quasi bei Maximilians Entdeckung von Hohenschwangau zugegen war, konnte sich nun selbst einen Eindruck vom neuen Glanz des Schlosses verschaffen.

Bis auf einige Besucher und sein Gefolge bewohnte Maximilian das Schloss allein, denn er war Junggeselle. Es sollte noch weitere sechs Jahre dauern, bis er eine Braut fand. Seine spätere Frau Marie und die gemeinsamen Söhne Ludwig und Otto, schätzten Hohenschwangau genau so sehr wie Max. Jeden Sommer verbrachten sie einige Wochen in der Abgeschiedenheit des Alpenvorlandes. Wie sehr die Familie Schloss Hohenschwangau liebte, zeigt sich auch durch die vielen Tassen, Vasen und Schmuckstücke, die auf deren Wunsch mit der Außenansicht des Schlosses verziert wurden. Einige ausgewählte Stücke können heutzutage im Museum der bayerischen Könige besichtigt werden. Auch nach Maximilians Tod blieb seine Familie Hohenschwangau treu.

Text: Vanessa Richter · Foto: Hubert Riegger

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