Kolumne

Ein besonderes Jahr

Der Spiegel titelt „Kinder, Küche, Krise – Die deutsche Frau“, Star Trek flimmert zum ersten Mal über die Bildschirme, eine 18-Jährige bringt in Bosnien ein ganz besonderes Mädchen zur Welt, der Opel Rekord feiert seine Premiere und die Nationalelf verliert im Wembley Stadion das Finale der Weltmeisterschaft gegen die Engländer…  Autsch. Aber die Beach Boys senden „Good Vibrations“ in die Ohren der Menschen und das Leben geht wieder weiter.

Zum Glück. Was wäre denn sonst aus Sonny und Cher, den Rolling Stones und den Beatles geworden?
Und überhaupt aus all den jungen, wilden „Gammlern“, die ihre Eltern um den Verstand brachten und zum Sound der Musik ihre langen Haare um die Wette schüttelten. Die Welt war bereit für weniger gutbürgerliche Spießigkeit und dafür offen für einen ungenierten Lebensstil. Paillettenbesetzte Kappen, Pop-Art, geometrische Muster, Hosenanzüge und Jeans: Je schriller, desto besser.

Liebe und Freiheit- Die Grundsteine für Flower-Power wurden gesetzt. Gisela Getty und Jutta Winkelmann waren zarte 17 und in den Startlöchern für Bürgerrechtsbewegungen, Rainer Langhans, und den reichsten Enkel der Welt.

Wow, was für ein Jahr. 1966: Irgendwie wild, laut, schrill, politisch. Und obwohl inzwischen 50 Jahre vergangen sind, ist heute noch immer ein bisschen damals:
Die Rolling Stones hüpfen weiter über die Bühnen dieser Welt. Und was die „Gammler“ angeht- die gibt es immer noch, oder schon wieder. Nur ein bisschen anders halt. Pop-Art ist Kult, Raumschiff Enterprise sowieso, der Spiegel titelt wie eh und je wilde Stories und die „Getty Twins“ sind bis heute die berühmtesten Hippie-Zwillinge der Geschichte.

Und was aus dem besagten 1966 geborenen Mädchen wurde? Etwas ganz Besonderes. Ich würde sagen, eine Mischung aus laut und leise, aufständisch und diplomatisch, abenteuerlustig und vorsichtig, ängstlich und furchtlos, aus temperamentvoll und zurückhaltend. Und auf jeden Fall mein Aushängeschild für Freiheit und bedingungslose Liebe.

50 Jahre Leben, das heißt Höhen und Tiefen, neue Heimat, Vokuhila, Sehnsucht, Creolen, Bauchtasche, Highwaist-Jeans, Stings „Englishman in New York“, Vivaldi und Bach, Disco, Durchhaltevermögen, Lederjacke und Veränderung. Und das Beste daran? Ich bin ein Stück Geschichte. Dieser Geschichte. Die meiner besten Freundin.

Und was soll ich sagen? Ich habe gerade die Beatles im Ohr:

„..I know this Love of mine
Will never die
And I love her…”

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