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Ausserfern: Gemeinderatswahl 2016 im Markt Reutte

Drei Kandidaten gehen diesmal in das Rennen

Die anstehende Bürgermeisterwahl in Reutte bringt auch diesmal wieder eine gewisse Spannung mit sich. Genau wie vor sechs Jahren werden in der Marktgemeinde erneut drei Kandidaten ins Rennen gehen. Spannend war es bei der letzten Wahl, als „Quereinsteiger“ Luis Oberer den langjährigen Bürgermeister Helmut Wiesenegg ablöste. Der ehemalige Betriebsratsobmann der Planseewerke verhinderte damit völlig überraschend dessen dritte Amtszeit. Am letzten Februar-Wochenende werden die Bürgerinnen und Bürger nun wieder an die Urnen gerufen, sie müssen neben dem Posten des Bürgermeisters auch über die Gemeinderäte entscheiden. Luis Oberer hatte sich bereits vor längerer Zeit entschieden, wieder anzutreten. Ihm gegenüber stehen die beiden Herausfordererinnen Elisabeth Schuster und Barbara Brejla. Alle drei Kandidaten haben mittlerweile ihre sogenannte „Liste“ vorgestellt, das Team, das sie in den künftigen Marktgemeinderat mit einbringen wollen.

Viele Projekte und Maßnahmen im Ort verwirklicht

Amtsinhaber Oberer wird mit einer parteiunabhängigen Liste, darunter Fachleute aus den verschiedensten Bereichen, ins Rennen gehen. Auf einen längeren Wahlkampf hat Oberer bewusst verzichtet. Er ist selbstbewusst und sich ein Stück weit seiner Sache sicher. „Immerhin kann ich auf eine recht erfolgreiche Periode zurückblicken“, sagt Oberer stolz. Mehr als 90 Prozent aller Beschlüsse sind einstimmig ausgefallen, sowohl im Gemeinderat als auch im Gemeindevorstand, viele Projekte konnten somit verwirklicht werden. Dazu zählen neben dem Bau der Alpentherme Ehrenberg und dem Ausbau des Seniorenzentrums auch die Schaffung von Kleinkunstbühne, Funpark oder Multifunktionsgebäude am Sportplatz. Das Zentrum wurde verkehrsberuhigt, der Bahnhof renoviert und die Highline 179 eröffnet. „Besonders stolz bin ich tatsächlich aber darauf“, so der 69-Jährige, „dass es mir und uns gelungen ist, in unserem Gemeinderat wieder eine Einigkeit herzustellen, trotz der insgesamt vier Fraktionen.“

„Oberer schmückt sich hier mit vielen fremden Federn“, entgegnet die amtierende zweite Bürgermeisterin und Herausforderin Elisabeth Schuster. „Das sind alles Projekte, die bereits vor mehr als sechs Jahren und vor allem durch uns, also das damalige Team um Wiesenegg, in die Wege geleitet worden sind.“

Schuster ist seit mehr als 24 Jahren in der Politik der Gemeinde aktiv. Ihre jahrelangen Tätigkeiten haben sie motiviert, bei dieser Wahl jetzt selbst anzutreten. Erste Frau an der Spitze der Marktgemeinde könnte aber auch Barbara Brejla werden. Eine Premiere, denn einen Kandidaten der Grünen hat es bisher in der Marktgemeinde noch nicht gegeben. Brejla ist seit gut fünf Jahren politisch aktiv, ihren Beruf als Tierärztin würde sie dann ruhen lassen. „Sicher tritt man an, um eine Wahl zu gewinnen, für mich geht es aber auch um Bestätigung, vor allem aber um die Etablierung der Partei auch bei Bürgermeisterwahlen“, so Barbara Brejla im Interview. „Jede Stimme ist positiv für die Wahrnehmung und das Vertrauen.“

Gegen Oberer realistisch zu punkten wird alles andere als leicht, sind sich beide Herausforderer sicher. Dennoch bringt eine Veränderung auch neue Wege und Möglichkeiten mit sich. Während für Schuster der soziale Aspekt mehr im Vordergrund steht, will Brejla künftige Entscheidungen „etwas grüner“ beeinflussen.

Outlet Center in Reutte möglich

Der Amtsinhaber bleibt gelassen. „Besonders stolz bin ich darauf“, sagt Oberer, „dass es mir und uns gelungen ist, in unserem Gemeinderat wieder eine Einigkeit herzustellen, trotz der insgesamt vier Fraktionen.“ Das zeige aber auch den starken Willen der anderen beteiligten Fraktionen. Das Interesse an Weiterentwicklung und generellem Miteinander im Rat ist größer als der Streitfaktor und dessen Nutzen.

Schliesslich sind auch die Herausforderungen für die Zukunft nicht leichter. Eines der wichtigsten Themen bleibt die künftige Nutzung des Geländes der ehemaligen Reuttener Textil-Werke, hier soll ein komplett neuer Ortsteil entstehen. Auf dem etwa 150.000 qm großen Gelände, das seit rund acht Jahren ungenutzt ist, wird nun als erste Maßnahme ein neues Hotel mit rund 120 Zimmern entstehen. Der Spatenstich ist bereits für den September diesen Jahres vorgesehen.

In Frage steht auch die künftige Nutzung des Franziskanerklosters in Reutte. Nach dem Auszug der Bruderschaft erst vor wenigen Monaten, gibt es auch hier einige Möglichkeiten, wie das Areal mitten im Zentrum genutzt werden könnte. Die Vorschläge hierfür sind breit gefächert und gehen vom Kommunikations- oder Meditationszentrum bis hin zum Tierfriedhof. Möglich, so Oberer, wäre auch, den Klostergarten in einen Park im Ort umzuwandeln.

Eine zentrale Frage für die Zukunft wird sein, wie sich der Besucherstrom der 3 km entfernten Highline 179 mehr mit dem Ort verbinden lässt. Möglich, so Oberer, wäre die Einrichtung eines City Outlet Centers im Ort. Eine Studie, die derzeit in Arbeit ist, soll darüber bald Auskunft geben. Deutlich spürbar im Ort ist auch der demographische Wandel. Im Seniorenzentrum Reutte sowie dem örtlichen Verbandsheim wohnen rund 140 Senioren, somit verfügt der Markt derzeit über ausreichend Plätze. Der Fokus soll aber künftig, so Oberer, vermehrt auf mobiler Pflege und betreutem Wohnen liegen, denn hier wird sich der Bedarf erhöhen.

Bordell am Urisee könnte 2017 eröffnen

Fest steht bereits jetzt, dass der Reuttener Gemeinderat künftig von 17 auf insgesamt 19 Mandate vergrößert wird. Auch wird der künftige Bürgermeister die letzte Entscheidung über die geplante Umwandlung des Hotel Urisees treffen müssen.

Der offizielle Antrag liegt der Aufsichtsbehörde des Landes bereits vor, über die Änderung der Nutzungswidmung des alten Hotels hatte der Gemeinderat schon im letzten Jahr mit 12 zu 5 Stimmen positiv entschieden. Nach der Erteilung der Genehmigung von Seiten der Behörde hat dann Reuttes Bürgermeister die letzte Entscheidung, allerdings erst, nachdem er eine sogenannte Bedarfsanalyse durchgeführt hat. Sollten alle Genehmigungen erteilt werden, könnte das Bordell am Urisee bereits im kommenden Jahr 2017 eröffnen. Ein Schelm, wer eine Wahlentscheidung einzig und allein davon abhängig machen würde.

Text: Lars Peter Schwarz · Bilder: privat

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