Kolumne

Jäger und Sammler

Ach, übrigens …

„Cogito, ergo sum“! Ich denke, also bin ich! Klingt doch sehr plausibel, aber als Teenager hätte ich Descartes‘s Zitat locker umbenennen können: „Ich shoppe, also bin ich!“ Kaufwillig, ausdauernd, zielorientiert. Attribute, die ich definitiv gut bedienen konnte.

Neulich bin ich beim Ausmisten alter Kisten auf Photos meines einstigen Meisterwerks, dem Fundus meiner jähen Sammelleidenschaft, also meinem alten Kinderzimmer, gestoßen. Ich war immer und überall auf der Suche nach neuen Polaroid-Motiven, Bildern, Postern oder anderweitigen Verzierungsmöglichkeiten für mein Zimmer. Selbst einen Schuhkarton, den ich spontan für schön erklärt habe, fand in meiner „one room show“  immer ein Plätzchen.

Noch bedeutsamer waren aber Teile, nach denen ich gezielt Ausschau hielt und dann auf einer meiner Shopping-Touren tatsächlich auch erbeuten konnte. So ein Teil war zum Beispiel meine lebensgroße Flagge von Bob Marley mit der Aufschrift (Achtung, Klassiker!) „One Love“. Damals war es wirklich ein Lieblingsteil. Heute sehe ich das anders. Ganz anders. Plakativ, wenig stilvoll und optisch eher unschön. Ich würde wahrscheinlich sofort in meinem eigenen Schweißbad ertrinken, wenn ich das gute Ding wieder anbringen müsste…

Naja, trotzdem waren meine beste Freundin und ich damals total aus dem Häuschen, als wir den Lappen endlich in den Händen hielten. Klar, dass Bob‘s Abbild sofort an ein freies Stück Wand drapiert werden musste. Stolz wie Oskar bestaunten wir dann zu „I shot the Sheriff“ unser Werk, das neben den Rolling Stones und Marylin Monroe seinen Platz fand. Eigentlich war ich gar kein richtiger Fan, was die Sache mit der Flagge aus heutiger Sicht noch bescheuerter auf mich wirken lässt! Zum Glück ist das aber schon über zehn Jahre her und das Teil ist längst in der Versenkung verschwunden.

Heute jage ich nicht mehr wahllos alles, sondern nur noch das, was auch wirklich von mir gejagt werden sollte. Obwohl ich schon wieder aufpassen muss, nicht zur Drogerie Shopping-Queen zu mutieren. Unglaublich, wie oft man als Mutter in diesen Läden hängt. Liebe Frau Streif, Sie können das bestätigen! An dieser Stelle liebe Grüße in die Drogerie…

Und das mit dem Sammeln hat sich auch erledigt. Einfach schön, wenn einen die eigenen Wände beim Eintreten nicht erschlagen! Ist das Kunst oder kann das weg? Nehme ich wörtlich…

Herzlichst, V. Ademi

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