Kolumne

Betthupferl

Ach, übrigens …

Eigentlich dachte ich immer, ich sei wegen meiner ungebremsten Neugierde über Geschehnisse in meinem privaten Umfeld und sonstiger Nachrichten schon relativ gut informiert. Neulich aber, als Presleys „Blue Christmas“ lief, erfuhr ich Neuigkeiten:
„Wenn du wüsstest! Ich habe ihn damals live gesehen, herrlich war das!“ Wen? Elvis Presley, zu dem sie da gerade fröhlich mit summt vielleicht? Kann ich mir nicht vorstellen.
Aber sie meinte wirklich „Mister Love me tender“, „den King of Rock’n‘Roll“. Bildlich fiel es mir zuerst schwer, mir meine Oma als Teenager vorzustellen, wie sie tanzend auf einem Elvis Presley Konzert war und nebenbei samt Bauchladen Süßigkeiten an die tobende Masse verkaufte. Diese Vorstellung fiel mir fast genauso schwer, wie mir mich selbst als Roadie bei Hansi Hinterseer bildlich vorzustellen. Naja, jedenfalls war es eine tolle Geschichte und mir bot sich ein Bild für Götter, das ich vor Freude unbedingt teilen wollte…

Schon vor einer Weile hatte meine Freundin unseren allabendlichen Chat eingeführt, in dem wir uns alle Neuigkeiten vom Tag schrieben: Betthupferl mit Hanni und Nanni, so tauften wir liebevoll unseren Chat. Noch bevor ich Nanni aber die Elvis Story überhaupt erzählen konnte, schrieb sie mir:
„Herzlich Willkommen in der Digitalisierung, Schwiegermutter! Ich werde bombardiert, hilf mir!“
Digitalisierung? Schwiegermutter? Hilfe? Ich war irritiert. Nach ein paar SMS wusste ich dann aber, was Sache war: Nannis Schwiegermutter gönnte sich vor kurzem ihr erstes Smartphone, mit Ende 60! Das alte Senioren-Handy mit Antenne und übergroßen Knöpfen war ihr plötzlich zu veraltet, einfach nicht mehr en vogue, darum musste ein neues her. Das Beste, Schönste und leider aber auch das Komplizierteste, was sie nicht wusste. Da Frau B. ab jetzt das neue Terrain fleißig wie eine Pfadfinderin erkundet und durchforstet hat, hatte Nanni praktisch das Vergnügen auf der Erkundungsreise Fernglas, Kompass, und Landkarte in einem zu sein. „Sie irrt im Wald der Digitalisierung rum und findet es auch noch großartig! Jetzt hat sie  „WhatsApp“ entdeckt und schickt mir natürlich im Minutentakt Nachrichten!“ Im Minutentakt Nachrichten?! Ich habe sie gefragt, was die Beiden denn so ausführlich bereden würden. Aber wie es aussah, trudelten nur Wörter wie LOL, animierte Smileys, verwackelte und rauschende Videos aus jeder Lebenslage oder Telefonanrufe ein, wo sie dann fragte, wieso ihr Handy plötzlich auf Chinesisch eingestellt sei.
Ich schrieb zurück:
„Dann mach doch einfach dein Handy aus oder geh offline, wenn du deine Ruhe willst?“
„Versuch gescheitert… Dann schreibt sie einfach ihrem Sohn weiter!!! Der liegt neben mir!“

Herzlichst, V. Ademi

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