Kolumne

The tour of love

Ach, übrigens …

Wenn früher jemand das Wort „Hochzeitsvorbereitungen“ in meiner Gegenwart in den Mund nahm, haben sich automatisch meine Scheuklappen ausgefahren und meine Ohren sofort auf „Durchzug“ geschalten. Aber manchmal war meine mechanische „Redet-Ihr-weiter-ich-schalte-jetzt-ab“– Funktion doch noch einen Ticken zu langsam und so blieb es mir nicht erspart, den straff durchgeplanten Hochzeitsvorbereitungs-Plan mit der zukünftigen Braut durchzuackern.

Aber selbst für mich, einen affinen To-do-Listen- und Organisations-Junkie, lag die einjährige Vorbereitungszeit einer Hochzeit absolut außerhalb meiner menschlichen Vorstellungskraft. Mir war es einfach schleierhaft, wieso man für die Planung ein ganzes Jahr ansetzt. Was soll es da schon viel zu tun geben?

Einfach einen Termin festlegen, schnell eine Location, was zum anziehen, Ringe und natürlich was zu essen. Gut, und vielleicht noch die berühmt berüchtigten Flitterwochen.
Dafür gehe ich dann noch ins Reisebüro und sage einfach: „Hallo, wir heiraten bald und danach würden wir gerne verreisen. Am liebsten dahin, wo neonfarbene Plastikschirmchen zur Deko in den Cocktails stecken und die Kellner aussehen, als hätten sie ihre Entspannung aus der mit Franchipani- Blüten verzierten Kokosnuss, die um ihren Hals hängt, geschlürft.“
Und viel mehr als diese paar Punkte wird es schon nicht zu organisieren geben, wieso also sollte ich ein ganzes Jahr einplanen? Voller Elan habe ich einen für mich exzellenten Plan entworfen und deswegen auch nur drei Monate für meine Hochzeitsplanung kalkuliert.
Heute weiß ich: „ Ich. War. Naiv. “

Ich hatte null Ahnung, was da auf mich zukommt. Meine Freundinnen legten mir sämtliche Hochzeitsmagazine ans Herz, die mir eigentlich nur eins zu verstehen gaben: „Drei Monate zur Planung? Das ist ein Witz. Du hast ab jetzt einen Arsch voll Arbeit!“
Vielleicht ist mir bei der Vorbereitung auf die eigentliche Vorbereitung ein kleiner Fehler unterlaufen. Um es mit einer Metapher auszudrücken, habe ich nur ans Fahrrad gedacht, aber die Reifen vergessen…
Damit wir die Fahrrad-Tour aber trotzdem antreten konnten, mussten Reifen her. Richtig gute.

Auf der Suche danach habe ich dann noch schnell beim Floristen vorbei geschaut, im Brautmodenladen, bei der Grafikerin, der Schneiderin, dem Kindermodenladen, im Weinhandel, in unzähligen Deko-Shops, bei der Fotografin, der Schneiderin, dem Konditor, in der Kirche und beim Pater, im Standesamt, beim Optiker, auf der Gemeinde, beim DJ, der Kosmetikerin, den Brautjungfern und Trauzeugen, in München, Memmingen und Ulm, beim Juwelier, in Feinkostläden, im Schmuckladen und dann noch auf dem Polterabend, von wo aus es dann endlich samt Reifen und dem Babyanhänger in Richtung Startlinie unserer Rad-Tour ging.

Der tollste Start, den man sich vorstellen kann, alle haben uns zugejubelt und wir haben direkt vom ersten in den zehnten Gang geschalten…
Jetzt machen wir nur noch einen kleinen Zwischenstopp beim Reisebüro, bevor wir dann richtig losradeln.

Herzlichst, V. Ademi

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