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Privatbrauerei präsentiert Vilser Bierspezialitäten

Das Bier der Berge

Die Vilser Brautradition wird mit der Gründung einer neuen Privatbrauerei nach über 100 Jahren endlich fortgesetzt. Im Gasthaus „Grüner Baum“ war bis etwa 1900 eine Brauerei beheimatet, seit Mitte des 15. Jahrhunderts galt dort das Brau- und Tafernrecht. Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 mit Wasser aus den Tiroler Bergen werden unter dem Markennamen „Vilser Bergbräu“ vorerst drei Bierspezialitäten angeboten. Nicht der massenhafte Hektoliter-Ausstoß, sondern einzig und allein der Geschmack und die Frische stehen laut Firmenleitung im Mittelpunkt der neuen Vilser Braukultur.

Zu den drei Biersorten, die die Brauerei herstellt, zählen ein untergäriges, mildes Helles, ein naturtrübes Hefeweizen mit leichtem Bananen- und Nelkenaroma sowie ein unfiltriertes, naturtrübes und obergäriges Spezial. Das Vilser Bergbräu Spezial besitzt ein fruchtiges Aroma mit einem eleganten Zusammenspiel aus kräftigem Hopfenaroma und feiner Restsüße. Dazu kommen noch je nach Zeitpunkt verschiedene saisonale Angebote wie Kellerbier, Bockbier oder andere Spezialitäten. „Als kleine handwerkliche Brauerei verfügen wir über viele Vorteile, die die großen industriellen Brauereien nicht vorweisen können“, erklärt Mitinhaber Andreas Hiby-Durst stolz. Zusammen mit seiner Frau Juliane, Roger Müller und einem weiteren Gesellschafter gründete er die Brauerei. „Bei den Großbetrieben bleibt das Produkt auf der Strecke. Deren Bier muss jedem schmecken, da sie vor allem kostenorientiert arbeiten. Wir dagegen sind viel flexibler. Wir können auch mehrere Sorten herstellen, wenn wir das wollten. Unsere Brauerei ist Idealismus pur, unser gesamtes Herzblut steckt in diesem Geschäft.“ Komplettiert wird das Brauerei-Team mit Pius Kieltrunk (Technik), Georg Polster (Marketing und Vertrieb), Dr. Hermann Kretschmer (Qualitätssicherung) sowie dem erfahrenen bayerischen Braumeister Andreas Siegl.

Keine Kompromisse bei der Qualität

Begonnen hat alles damit, dass zwei Freunde, darunter Gesellschafter Roger Müller, eine Brauanlage erstanden haben. Juliane und Andreas Hiby-Durst leben seit 1995 in ihrem zweiten Wohnsitz in Vils, wodurch sie bereits bestens vertraut sind mit den Anwohnern und den Gegebenheiten vor Ort. Als nun die Freunde der Beiden von der Brauanlage erzählten, kam spontan der Wunsch auf, in Vils eine Brauerei zu eröffnen, da es an einem solchen regionalen Produkt bisher fehlte. So bezogen sie den „Grünen Baum“, der zuvor einen Schlecker-Markt beheimatete. Andreas Hiby-Durst ist Geschäftsführer eines Malz-Herstellers mit 85 Mitarbeitern aus Bruchsal. Für die Produktion des Vilser Bergbräu wird das Malz aus Bruchsal verwendet, das Brauwasser dagegen kommt direkt aus den Vilser Bergen. Es stammt aus unmittelbarer Nähe der Brauerei und entspringt aus zwei Quellen. Das mit wertvollen Mineralien angereicherte Wasser hat einen natürlichen, kraftvollen und lebendigen Charakter, der dem Bier eine ganz besondere Note verleiht. Neben dem kristallklaren Bergwasser und dem hochwertigen Malz dienen nur noch ausgesuchte Aromahopfen und beste Hefestämme als Zutaten. Einzig und allein der Geschmack und die Frische stehen bei der Vilser Privatbrauerei im Mittelpunkt der Braukunst. Geschmacklich gelungen ist auch der Markenauftritt des neuen Biers. Das Logo lehnt sich an das alte Vilser Stadtwappen an und zeigt das trinkende Wappentier, einen zwinkernden Ochsen.

Grenzüberschreitende Regionalität

Zu der technischen Ausstattung gehört neben Sudhaus, Gär- und Lagertanks und Filtration auch eine hochmoderne Flaschen- und Fassfüllerei. Hier werden die Vilser Bierspezialitäten in verschiedene Verkaufsgebinde abgefüllt. Neben den umweltfreundlichen Mehrwegflaschen kommen Bierfässer aus Edelstahl und 5-Liter-Partyfässchen zum Einsatz, um so zu den zahlreichen Kunden in Gastronomie und Handel im Vertriebsgebiet zu gelangen. Dieses erstreckt sich im Kern auf die gesamte Region des Außerfern und das angrenzende Ostallgäu. Für den regionalen Vertrieb des Vilser Bergbräu zeichnet das Ehrwalder Unternehmen Linzgieseder verantwortlich. Rund 300.000 Liter Bier sollen in Vils jährlich produziert werden, die Abfüllanlage schafft es, 400 Flaschen in der Stunde zu befüllen. „Aber unsere Brauanlage kann mehr. Falls es sich ergeben sollte, könnten wir leicht mit neuen Tanks aufrüsten, um unsere Kapazität zu erhöhen“, so Georg Polster, der selbst Braumeister ist und wie Braumeister Andreas Siegl an der renommierten Weihenstephan-Schule seinen Abschluss machte.

Das Einzige, was zählt: Der Geschmack

Andreas Siegl ist froh über seine Anstellung in Vils. Zuvor war der gebürtige Starnberger drei Jahre in Namibia bei einer Großbrauerei angestellt, wo er zahlreiche neue Erfahrungen sammeln konnte. „Für mich als Meister ist diese Anstellung ein absoluter Glücksfall. Jede Biersorte, die wir produzieren, trägt meine Handschrift. Das wäre bei einem Großunternehmen niemals möglich gewesen“, erklärt er. Mit der Brauerei sind bereits drei neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Doch schon jetzt sucht man einen Brauer, um das Team zu entlasten. Des Weiteren ist ab September geplant, einen Ausbildungsplatz zum Brauer und Mälzer anzubieten.

Erfolgreiche Eröffnungsfeier

Großen Wert legt das Team der Brauerei vor allem auf die Verwurzelung im Ort und in der Region. „Unsere Tür ist immer offen“, bestätigt Juliane Hiby-Durst. „Von Montag bis Freitag zwischen 7 und 16 Uhr können die Leute unser Bier direkt aus der Brauerei holen. Dazu haben wir auch eng mit dem Bürgermeister Günter Keller zusammengearbeitet, der uns bestmöglich unterstützte.“ Während der Eröffnungsfeier am 8. Mai, die bis in die Nacht andauerte, durfte dieser dafür das erste Fass anstechen. Er benötigte drei Schläge plus Sicherheitsschlag. Vorab segnete Stadtpfarrer Rupert Bader die Brauerei. Nach dem Anstich wurde die Party auch auf die über der Brauerei befindlichen Räume, wo Biersommelier Andreas Heiß sein „Genuss-Zentrum“ eröffnete, ausgedehnt. Dort können Interessierte in Tages-Seminaren die Kunst des Bierbrauens, der Whisky- sowie der Schnaps-Brennerei kennenlernen.

 

Text · Bild: Sven Köhler

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