Kolumne

Ach übrigens…

Fragen Sie sich auch, wieso wir gemeinen Fettnäpfchen einfach nicht entgehen können und in den unpassendsten Situationen mitten rein treten? Wieso ich wegen meinem Tankdeckel die Blamage des Jahres erlebt habe und es sogar im Dezember kalt ist.

„Mhm, ist ja schon richtig kalt draußen – komisch!“
Was soll ich auf diesen gescheiterten Smalltalk-Versuch der Tankstellenkassiererin antworten? So was wie: „Hallo? Na klar ist es kalt draußen, es ist schließlich Dezember! Und das weiße, flockige Etwas, das da gerade vom Himmel fällt, mich und hunderttausend andere Autofahrer in den Schleich-Fahr-Modus drängt, sind nicht etwa Substanzen aus Frau Holles Bett – nein, es ist Schnee. Gefrorenes Wasser, das bei Temperaturen unter dem Nullpunkt vom Himmel fällt und typisch für die vierte Jahreszeit ist.“

Oh je, gerade schäme ich mich irgendwie fremd, obwohl ich mich nur fünf Minuten vor der Begegnung mit der Dame an der Kasse selbst total zum Affen gemacht habe. Also beschließe ich diese peinliche Situation mit einem freundlichen „Ja“ zu übergehen. Immerhin hat Sie wenigstens versucht Smalltalk zu betreiben, während ich hektisch mein Kleingeld aus dem engen Schlitz des Münzenfachs zusammensuche. Jeder blamiert sich eben mal. Gerade war es eindeutig die Kassiererin und zuvor eben ich. An der Tankstelle angekommen hatte ich freie Zapfsäulen-Auswahl. Außer meinem Auto und mir war die „Tanke“ völlig leer. Ich agierte mechanisch, wie immer beim Tanken, fast jedenfalls. Anfahren, Schlüssel rumdrehen und rausziehen, Handbremse ziehen, aussteigen, Türe zu machen und elektrisch abschließen. – Abschließen!

Genau darin lag das Übel meiner Blamage. Ich wunderte mich, wieso mein Tankdeckel nicht aufging. Mit aller Kraft versuchte ich diesen blöden Deckel aufzudrücken. Aber es tat sich nichts. Gar nichts. „Puh, langsam werde ich hektisch.“ Ich neige dazu, in Stresssituationen mit mir selbst zu reden. Nur steigt mein Stresspegel proportional zu meiner Laune, wird aus Reden bald motzen und irgendwann erreicht mein Stressdiagramm seinen Siedepunkt und ich erleide einen kleinen bis mittelschweren Wutanfall. Aber mal ehrlich, wer kennt das nicht? Sich solange in Dinge hinein zu steigern, bis man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Oder in meinem Fall, das zugesperrte Auto und somit auch den verriegelten Tankdeckel. Aber woher sollte ich das denn wissen? Normalerweise sperre ich das Auto während dem Tanken nicht ab, also war ich zuvor noch nie in der Situation, meinen Tankdeckel mit Hilfe meines Autoschlüssels aufbrechen zu wollen. Peinlich. Vor allem dann, wenn man von einer fremden Person ertappt wird, wie man bockig, ja fast panisch und in einem „Trance-ähnlichem Zustand“ minutenlang versucht, den eigenen Tankdeckel  mit aller Gewalt aufzubrechen.

„Junge Dame, wo hängt‘s denn?“
„Ach nirgends. Mir ist nur der Tankdeckel zugefroren. Ich komm schon zurecht, aber Danke!“
Ich sehe in diesem Moment den Lackschaden den ich mit meinem Schlüssel angerichtet habe. Und jetzt noch der Tankwart. Na toll.
„I hob di beobachtet. War ja it zum übersehe!“
Wow, mein Stresspegel ist hoch, sehr hoch.
„Schlieaß a mol dei Auto auf. Versuachs! Weil zua friere kos it!“
Ich bin mir sicher, dass es zugefroren ist, aber damit ich schnell wieder meine Ruhe habe, mach ich‘s. Wutentbrannt drücke ich auf Öffnen und versuche zum gefühlten tausendsten Mal den Deckel zu öffnen. Und, es klappt.

„Bloß it huadla, Mädel!“ – Schön! Mein Stresspegel sinkt zwar, dafür überkommt mich aber ein Gefühl von Scham. So groß, dass ich mir am liebsten ein schönes großes Loch zum reinkriechen gewünscht hätte. Der Tankwart hatte seinen Spaß. Ich immerhin wieder einen vollen Tank, samt Kratzern im Lack. Den restlichen Abend war ich stinksauer und später peinlich berührt über meinen Tank-Fauxpas. Eigentlich bin ich es immer noch. Aber was soll´s. Resümierend finde ich es sogar ziemlich witzig.

Daher mein Fazit: Als Vorsatz für das neue Jahr nehme ich mir vor, Prioritäten zu setzen und zu lernen, das Wichtige vom Unwichtigen besser unterscheiden zu können. So spare ich mir viel wertvolle Zeit und mindestens die Hälfte meiner ohnehin überflüssigen Jahres-Wutanfälle. Außerdem hat jeder diese peinlichen oder unangenehmen, schwierigen und komischen Situationen – ich, die Kassiererin und Sie sicherlich auch. Und das jedes Jahr aufs Neue – ein Leben lang. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Erfolg mit Ihren Vorsätzen für das neue Jahr und einen guten Rutsch!

V. Ademi

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