Kultur

„Das Enfant Terrible” des Königshauses

Maria Leopoldine, Bayerns letzte Kurfürstin

Am 10. Dezember 1776 wird dem Statthalter von Mailand, Erzherzog Ferdinand Karl von Österreich, dem viertem Sohn Kaiserin Maria Theresias und seiner Gattin Maria Beatrice d’Este ihr drittes Kind Maria Leopoldine geboren. Noch in Trauer über den Verlust ihres ersten Sohnes verschweigt man der Mutter zunächst einen bei der Geburt entstandenen Schaden an der Hüfte des Kindes.

[Werbung] BRK: Wohnungen gesucht

Erst als die kleine „Mimi“, wie sie im Familienkreis genannt wird, ihre ersten Gehversuche macht, fällt auf, dass ihr linkes Bein etwas kürzer ist als das rechte. Später merkt man ihr diesen Makel kaum noch an. Durch angepasste Schuhe geht und tanzt sie wie andere junge Damen ihres Standes. Sie wächst in einem liebevollen Umfeld in Mailand auf, umsorgt von Eltern, die sich ungewöhnlich aufmerksam um ihre Kinder kümmern. Empfehlungen zur Erziehung kommen regelmäßig aus Wien – zumindest bis zum Tod Maria Theresias im Jahr 1780.

Die Französische Revolution stört schließlich auch den Frieden in Mailand. Marie Antoinette, die Königin von Frankreich, ist die Schwester des Vaters von Maria Leopoldine und damit ihre Tante. Als 1792 der Krieg zwischen Österreich und Frankreich ausbricht und Napoleon wenig später die Führung der französischen Truppen in Italien übernimmt, flieht die Familie nach Wien. In dieser Situation ergibt sich 1794 die Möglichkeit einer Heirat mit dem bayerischen Kurfürsten Karl Theodor.

Werbung Stellenanzeige Koch/Köchin ML Catering

Für Ferdinand kommt die Verbindung gelegen: Bayern gilt noch als Refugium des Ancien Régime, revolutionäre Bestrebungen spielen dort kaum eine Rolle. Vor allem aber scheint die Versorgung seiner Tochter gesichert. Persönliche Vorlieben treten dabei in den Hintergrund. Karl Theodor, seit 1777 Kurfürst von Bayern, ist zu diesem Zeitpunkt bereits 70 Jahre alt. Seine Ehe mit Elisabeth Auguste von der Pfalz blieb ohne überlebende Nachkommen; der einzige gemeinsame Sohn starb am Tag seiner Geburt. Obwohl der Kurfürst zahlreiche uneheliche Kinder hat, gilt er offiziell als kinderlos. Damit würde nach seinem Tod die Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld die Herrschaft in Bayern übernehmen – eine Aussicht, die ihm wenig behagt.

Nach dem Tod seiner Gemahlin am 17. August 1794 sucht er daher möglichst rasch eine neue Ehefrau. Bereits vier Wochen später hält er in Wien um die Hand der 18-jährigen Maria Leopoldine an. Die Nachricht von der Verlobung erreicht zunächst ihre Eltern, die ihre Tochter von den Vorzügen der Verbindung überzeugen müssen. Ein Nein gilt nicht als angemessene Antwort. Im Januar 1795 gibt Maria Leopoldine dem bayerischen Gesandten dann ihr Einverständnis. Bei dieser Gelegenheit erhält sie auch ein Medaillon mit dem Bildnis ihres zukünftigen Gemahls. Der Überlieferung nach soll sie beim Anblick des deutlich älteren Bräutigams die Worte gesprochen haben: „Gottlob, daß er schon so alt ist.“

Die Verhandlungen über den Ehevertrag führen vor allem die Höfe in Wien und München. Sie zeigen, welche politische Bedeutung dieser Verbindung beigemessen wird. Mit ihrer Hochzeit wird Maria Leopoldine Kurfürstin von Bayern – und sollte als letzte Kurfürstin Bayerns in die Geschichte eingehen. Wie Maria Leopoldine sich in München machte und wie sich später andersherum die bayerische Familie der Kaiserin von Österreich entwickelte, erfahren Sie während der Vorträge „Das Enfant Terrible“ des Königshauses: Maria Leopoldine, Bayerns letzte Kurfürstin“ am Donnerstag, 2.Juli 2026 um 18 Uhr von Dr. Sylvia Krauss-Meyl und am Freitag, 24. Juli, um 18 Uhr bei „Sisis Familie. Herzöge und Herzoginnen in Bayern“ von Dr. Bernhard Graf im Museum der bayerischen Könige.

Alle Informationen hierzu finden Sie unter
www.museumderbayerischenkoenige.de

Text: Louise-H. Meinicke, Kulturvermittlerin
im Museum der bayerischen Könige
Foto: Wikipedia

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Falls du auf diesen Beitrag mit einem Artikel auf deiner eigenen Webseite geantwortet hast, kannst du hier die URL deines Beitrags eingeben. Dabei sollte es sich um die Permalink-URL handeln. Deine Antwort wird dann (möglicherweise nach der Moderation) auf dieser Seite angezeigt. Falls du deine Antwort aktualisieren oder entfernen möchtest, aktualisiere oder lösche deinen Beitrag auf deiner eigenen Webseite und gib die URL des Beitrags erneut ein. (Erfahre mehr über Webmentions.)

Das könnte Dich auch interessieren
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"