Frauen

Eine Lebensreise durch drei Kontinente

Interview mit Klaudia Lutz

Im vergangenen Jahr im Dezember begann für Klaudia Lutz die große Reise. Eine Weltreise wollte sie es nicht nennen, sondern Lebensreise. Die gebürtige Brasilianerin, die seit 1996 in Reutte lebt, kommt aus Salvador, einer Großstadt im Nordosten von Brasilien. Ihr Ziel war es, Südamerika, Asien und Afrika zu bereisen – alleine. Sie hat sich dafür ein Jahr Zeit genommen. Ein halbes Jahr ist bereits um. Wie ist es ihr ergangen, was hat sie erlebt? Füssen aktuell sprach mit der 58-Jährigen über ihre Auszeit.

Klaudia, du hast dich letztes Jahr auf den Weg zu deiner Lebensreise gemacht. Wie geht es dir? Hast du es dir so vorgestellt?
Mir geht es sehr gut. Ich bin glücklich darüber, dass ich diese Reise mache. Es ist eine wunderschöne Zeit. So glücklich war ich schon sehr lange nicht mehr und auch nicht so ausgeglichen. Ich kann es gar nicht beschreiben, so groß sind meine Empfindungen. In diesem halben Jahr, habe ich viele interessante Menschen kennenlernen dürfen, die, so wie ich, auf der Reise sind.

Dein erster Anlaufpunkt war Brasilien. Du wolltest Deine Familie besuchen.
Ja, das habe ich auch so gemacht. Als ich ankam, war Heiligabend. Der Empfang war unbeschreiblich. Ich hatte das Gefühl von bedingungsloser Liebe. Seit Jahren hatte ich die Sehnsucht, meine Familie zu besuchen und mit ihr Zeit zu verbringen. Jetzt konnte ich es endlich wahrmachen. Diese Zeit mit ihr hat mich sehr bewegt. Ich war im Zweifel, ob ich bei ihnen bleiben oder weiterziehen sollte. Ich habe mich entschlossen weiterzuziehen.

Wo warst du bis jetzt überall?
Ich war in Brasilien, Bolivien, Uruguay, Peru, Panama, Argentinien, Chile, Kuba, Nicaragua, Costa Rica und Mexico. Peru ist fantastisch, es ist ein wunderschönes Land. Ich war auf dem Machu Picchu und das war der Hammer, einfach magisch. In Peru war ich einige Wochen lang unterwegs, dort wurde ich auch krank. Die Höhe machte mir sehr zu schaffen. 5000 Höhenmeter bin ich nicht gewöhnt.

Hast du dir ein Auto gemietet oder bist du mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs?
Die Busse sind hier in Südamerika richtig bequem. Lange Busstrecken machen einem dann nicht so viel aus. Von Machu Picchu bis nach Lima bin ich 23 Stunden mit dem Bus gefahren. Es ist eine preiswerte Methode zu reisen, vor allem möchte ich umweltbewusst reisen.

Gab es während deiner Reise unangenehme oder gefährliche Situationen?
Nein, absolut nicht. Ich falle mit meinem Äußeren nicht auf, vielleicht ist das auch der Grund, warum ich in Ruhe gelassen werde.

Die Packliste für deinen großen Rucksack war nicht sehr groß. Bist du mit dem bisschen klargekommen?
Sehr gut sogar. Ich habe viel mehr mitgenommen, als ich tatsächlich bis jetzt gebraucht habe. Überall, wo ich hingehe, lasse ich etwas zurück. Die Menschen freuen sich über Socken, Pullover, T-Shirts. Es ist ein befreiendes Gefühl, nicht so viel tragen zu müssen. Wenn ich so zurückdenke, dann war ich mit wenig am glücklichsten.

Du hast dich auf deine Lebensreise sehr gut vorbereitet, auch finanziell. Wirst du damit zurechtkommen?
Werde ich wohl müssen. Zum Glück habe ich vorgesorgt, so dass ich weiterreisen kann. Obwohl ich ziemlich spartanisch unterwegs bin, also keinen Luxus habe oder irgendwie groß in Hotels übernachte, muss ich das Geld gut einteilen.

Was ist dein nächstes Reiseziel?
Asien. Ich habe mir schon die Tickets gekauft. Erst fliege ich nach Thailand und dann nach Vietnam.

Welches Resümee ziehst du nach diesem ersten halben Jahr?
Ich habe Zeit für mich. Das ist so kostbar. Keinen Druck im Kopf und im Herzen zu haben, sondern einfach drauf los leben zu können ohne jegliche Verpflichtungen. Natürlich denke ich an meine Freunde, Enkelkinder und Kinder. Aber sie sind alle gut aufgehoben – ich muss mir keine Sorgen machen. Dieses halbe Jahr hat mich jetzt schon geprägt. Ich habe viel über mich gelernt, ich erfreue mich über Kleinigkeiten und habe die Augen viel offener, das heißt, ich nehme Dinge bewusster wahr.

Ich danke dir für deine Zeit und wünsche dir auch weiterhin wunderbare Begegnungen und schöne Ausblicke.
Ich danke dir!

Text: Sabina Riegger · Fotos: Klaudia Lutz

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