
Bei der umjubelten deutschen Erstaufführung des Musicals „Rudolf – der letzte Kuss“ war Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume (CSU), im Rahmen eines Staatsempfangs zu Gast. Der Minister würdigte das Festspielhaus als „schönste Bühne Deutschlands“ und kündigte an, solche Empfänge zur Tradition zu machen.
„Wenn man so ein großartiges Theater, so eine fantastische Bühne und so ein tolles Programm hat, dann muss man es feiern – und zwar nicht nur, wenn man Geburtstag feiert“, betonte Blume. Er zog dabei einen Vergleich zu den Bayreuther Festspielen, die dieses Jahr ihr 150-jähriges Bestehen mit einem großen Empfang feierten: „Das, was die Bayreuther können, können wir hier in Füssen definitiv auch.“
Millionenförderung vom Freistaat
Der Freistaat Bayern unterstützt das Festspielhaus im Rahmen seiner institutionellen Theaterförderung dauerhaft mit einer Million Euro jährlich. Die Förderung startete 2023 ursprünglich mit 450.000 Euro. Zum 25-jährigen Jubiläum 2025 stockte das Ministerium unter Markus Blume den Zuschuss massiv auf die aktuelle Million auf. Um die staatlichen Gelder rechtssicher empfangen zu können, firmiert der Betrieb seit dem Jahreswechsel als gemeinnützige Gesellschaft (Festspielhaus Neuschwanstein gGmbH). Gewinne dürfen somit nicht mehr erzielt werden.
Neben dem Freistaat beteiligen sich der Bezirk Schwaben, der Landkreis Ostallgäu und die Stadt Füssen finanziell an dem Erhalt. Das Staatsministerium sieht das Haus als „kulturellen Leuchtturm“ außerhalb der Metropolen. Da im ländlichen Raum die Wege zum nächsten großen Theater oft weit sind, soll die Förderung langfristig Identität und Lebensqualität sichern.
Besonders stolz zeigte sich das Haus auf die jüngsten Erfolge: Das Musical „Die Weiße Rose“ gewann den Deutschen Musicalpreis in sieben Kategorien – den „Oscar der deutschsprachigen Musical-Welt“, wie Inhaber Manfred Rietzler betonte. Der „Freischütz“-Adaptation brachte den internationalen Broadway World Award 2025 und eine Einladung zu den Bayerischen Theatertagen 2026 im Staatstheater Regensburg. Zur Deutschland-Premiere kam nun „Rudolf“ – die Geschichte des Kronprinzen von Österreich als Abschluss einer Trilogie nach „Ludwig II.“ und „Elisabeth“, die Minister Blume als „Ring von Füssen“ bezeichnete.
13,50 Euro Umwegrendite pro Fördereuro
Eine neue Umweg-Rendite-Studie belegt die enorme wirtschaftliche Bedeutung: Für jeden Euro öffentlicher Förderung fließen 13,50 Euro in die Region zurück. 78 Prozent der Besucher nannten das Festspielhaus als Hauptgrund für ihre Reise ins Allgäu. Die Weiterempfehlungsrate liegt bei beeindruckenden 94,6 Prozent. „Herr Staatsminister, ich denke, das ist Ihr Geld sehr gut angelegt“, kommentierte Rietzler die Ergebnisse.
„Jährlich 2,5 Millionen Tagesgäste nutzen die Infrastruktur Füssens“, erklärte Bürgermeister Maximilian Eichstetter. „Das Festspielhaus schafft nicht nur Kultur, sondern auch Arbeitsplätze in Hotels, Gastronomie und Einzelhandel. Kulturförderung ist deshalb auch Wirtschaftsförderung.“ „Was hier erwirtschaftet wird, bleibt hier und fließt in Programm, Nachwuchsförderung und Zugänglichkeit“, erläuterte Rietzler zur Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH. Dies sei keine buchhalterische Formalie, sondern eine Haltung und öffentliche Verpflichtung. Künftig sollen Unternehmen und Mäzene stärker eingebunden werden.
Eine weitere Innovation: Seit dem neuen Schuljahr bietet das Haus die erste duale Berufsausbildung zum Musical-Darsteller im deutschsprachigen Raum an. Zehn Auszubildende sammeln von Beginn an Bühnenerfahrung. Die Musical-Akademie für Kinder und Jugendliche wuchs seit ihrer Gründung 2018 von 35 auf mittlerweile 250 Teilnehmer.
Appell nach dauerhafter Förderung
Bei aller Euphorie machten die Redner deutlich: Die Herausforderungen bleiben groß. „Die aktuelle Förderung hilft sehr, ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, mahnte Bürgermeister Eichstetter. Steigende Produktions- und Personalkosten erfordern langfristige Perspektiven. Geschäftsführerin Birgit Karle appellierte an Minister Blume: „Wenn Bayern kulturell stark bleiben will, müssen auch die kulturellen Zentren außerhalb der Metropolen dauerhaft gestärkt werden.“ Sie machte einen konkreten Vorschlag: „Wir würden uns freuen, wenn Sie nicht nur Fördermittel investieren, sondern vielleicht auch die ein oder andere Veranstaltung hier veranstalten. Wir haben hier Platz für viele hundert Personen. Dies würde nicht nur den Umsatz stärken, sondern auch die überregionale Bedeutung des Hauses unterstreichen.“
Minister Blume lobte das Engagement: „Normalerweise ist Theater ein Zuschussgeschäft. Hier ist die Situation besonders – durch die Kombination von privatem Mut und öffentlicher Unterstützung.“ Seine Mitarbeiter im Ministerium hätten „gehörig Respekt“ vor den Präsentationen von Manfred Rietzler, scherzte der Minister. Für die Zukunft kündigte Rietzler weitere Gespräche mit dem Ministerium an – nicht nur über Kunst, sondern auch über Tourismus und die strategische Positionierung des Hauses im Hinblick auf das künftige UNESCO-Weltkulturerbe Schloss Neuschwanstein, das der Region wachsende internationale Bedeutung verleihen wird.
Text · Fotos: Sabina Riegger
























