
Religiöses und kulturelles Denkmal
Seit vielen Jahren finden am Füssener Kalvarienberg Karfreitagsprozessionen statt – heuer am 3. April
Am 3. April ist Karfreitag. Dann ist es wieder soweit. Eine Gruppe von Gläubigen wandert in einer Prozession auf den Füssener Kalvarienberg hinauf, der seit dem 19. Jahrhundert ein bedeutendes religiöses und kulturelles Denkmal der Stadt am Lech darstellt. Er ist als Kreuzweg angelegt, der den Leidensweg Christi symbolisiert. Ursprünglich als Hutlerberg bekannt, bietet der Kalvarienberg heute nicht nur spirituelle Besinnung, sondern auch beeindruckende Ausblicke auf die landschaftliche Umgebung. An den Karfreitagsprozessionen auf den Kalvarienberg beteiligte sich einst schon König Ludwig II. öfters.
Der Aufstieg zum Kalvarienberg (ca. 150 Höhenmeter) beginnt an der Frau am Berg-Kirche an der Tiroler Straße. Die Gipfelplattform des Berges liegt auf 953 Metern. Der Berg wurde von 1837 bis 1842 ins Leben gerufen und bis 1900 erweitert. Initiator der Errichtung des Kreuzwegs war der damalige Stadtpfarrer Johann Baptist Graf. 1983 bis 1985 wurden die Bauten des Kalvarienbergs vollkommen renoviert. Dabei wurde eine moderne Kreuzweggruppe hinzugefügt und die Kreuzigungsgruppe um eine moderne Christusfigur vergrößert.
Schon damals war der Künstler Roman Harasymiw teilweise daran beteiligt, der die Kreuzigungsgruppe mit dem Hauptkreuz und einer überdimensionalen Christus-Figur 2019 auch wiederhergestellt hatte. Ein Jahr zuvor wurde diese nämlich bei einem heftigen Sturm beschädigt. In der Zimmerei „Schneidberger“ in Schwangau hergestellt, wiegt jedes einzelne Kreuz rund 100 Kilogramm. Mit Hilfe eines Hubschraubers wurden die Kreuze von der Hirschwiese hinauf zum Gipfel geflogen und dann in die für sie vorgesehenen Hülsen eingeführt.

Die Kapellen der 14 Stationen des Kreuzwegs auf den Kalvarienberg sind im neugotischen Stil erbaut und mit Bildern sowie Figuren im „Nazarener“-Stil ausgestattet, die von verschiedenen Künstlern geschaffen wurden. Der Weg des Kalvariensbergs geht an der Abschied-Jesu-Kapelle los, die 1854 an der Ostseite der Frau am Berg-Kirche eingebaut wurde.
Die Stationen I., II., V., VI., VII. und VIII. stellen einfache Kapellengebäude dar, die von 1851 bis 1886 als Ersatz für die anfangs vorhandenen Stationsbildstöcke erbaut wurden. Auf einer Waldlichtung auf halber Höhe des Berges, der Hirschwiese, befinden sich die Marienkapelle, ein Kreuz mit eherner Schlange vor einem Marienbrunnen und eine moderne Kreuzweggruppe.
Die Marienkapelle wurde 1842 erbaut und 1850 um zwei Seitenkapellen erweitert, in denen die Stationen III. und IV. sind. Das Kreuz mit eherner Schlange wurde 1842 errichtet und stand zuerst gegenüber der Marienkapelle am Ort der heutigen Kreuzweggruppe auf einem großen Steinsockel mit Reliefs, die weitere biblische Motive zeigten.
Der Marienbrunnen ist ein grottenähnliches, aus Bruchsteinen gemauertes Bauwerk, das 1847 errichtet wurde. Er erinnert an den biblischen Brunnen in Nazareth, aus dem Maria Wasser schöpfte, und enthielt früher einen Brunnen, der von einer Regenquelle gespeist wurde. Die Kreuzweggruppe ist eine Kunststeinskulptur, die 1983 vom Füssener Bildhauer Alois Vogler geschaffen wurde und einen ein Kreuz tragenden Christus, Veronika mit dem Schweißtuch und einen modernen, sich von Christus abwendenden Jedermann darstellt.
Auf der Bergkuppe befinden sich schließlich mehrere Bauten: Die Kerkerkapelle, die Grabkapelle, die Kreuzkapelle und die Gipfelplattform mit Kreuzigungsgruppe. Die Grabkapelle ist die XIV. Station und wird durch ein gelbes Fenster von hinten beleuchtet. Die Kerkerkapelle wurde 1846 unterhalb der Grabkapelle in den Berghang gebaut. Sie stürzte 1856 ein und wurde 1861 mit zwei Seitenkapellen neu errichtet, in denen die Stationen IX. und X. sind.
Die Christusfigur wurde vom Füssener Bildhauer Johann Fichtl geschaffen. Die Kreuzkapelle wurde 1859 erbaut und stellt die XII. Station dar. In zwei Seitenkapellen sind die Stationen XI. und XIII.. Im selben Gebäude ist gegenüber die Panoramakapelle. Auf dem Dach des Gebäudes ist die Gipfelplattform mit der Kreuzigungsgruppe. Die Gruppe hat eine moderne, überlebensgroße Figur des auferstandenen Christus, die 1985 vom Allgäuer Künstler Roman Harasymiw geschaffen wurde.
Frank Deuring von der Pfarreiengemeinschaft Füssen freut sich darauf, wenn sich am Karfreitag um 10 Uhr möglichst zahlreiche Gläubige mit ihm zusammen auf den Kreuzweg auf den Kalvarienberg begeben. Dazu erwartet er wie in den Jahren zuvor auch heuer wieder „zwischen 30 und 60 Personen“.
Am Kalvarienberg greift der Füssener Stadtpfarrer dann immer wieder verschiedene Stationen auf, die er ins Heute zu bringen versucht, wie er im Vorfeld der von der Pfarreiengemeinschaft organisierten Aktivitäten auf dem Kalvarienberg erklärt. „Dabei sind die Teilnehmenden eingeladen, sich darüber Gedanken zu machen und auch ihr eigenes Gewissen anzufragen“, betont er und fügt hinzu: „Der Höhepunkt findet an der Kreuzigungsgruppe am Gipfel des Kalvarienbergs statt, der mit einem Vaterunser sowie einem Segen abgeschlossen wird.“
Die Betreuer des Kalvarienbergs öffnen an diesem Tag die Türen der einzelnen Kapellen und stellen dazu Kerzen auf, erklärt Deuring. „Alle Besucher sind eingeladen, sich auf dieses besondere Geheimnis einzulassen“, so der Stadtpfarrer.
Text: Alexander Berndt · Fotos: Hubert Riegger



