Frauen

Weltfrauentag 2026

Junge Stimmen aus zwei Kontinenten

Am 8. März wird weltweit der Internationale Frauentag gefeiert – ein Tag, der an den Kampf für Gleichberechtigung erinnert und zeigt, wie unterschiedlich die Realität von Frauen je nach Herkunft aussieht. Während in Deutschland über Lohnlücken und Führungspositionen diskutiert wird, kämpfen Frauen in anderen Teilen der Welt noch um grundlegendere Rechte.

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Für diesen Artikel haben wir drei junge Frauen interviewt, die aus Ghana, Indien und Marokko stammen und ihre Perspektive auf Frauenrechte in ihren Heimatländern im Vergleich zu Deutschland teilen. Ihre Geschichten zeigen: Frauenrechte sind keine Selbstverständlichkeit, und die Herausforderungen variieren stark – geprägt von Kultur, Religion, Wirtschaft und Gesetzgebung.

Ghana: Zwischen Tradition und Fortschritt

Ghana gilt als eines der stabileren Länder Westafrikas mit rechtlicher Gleichstellung in der Verfassung. Die Realität zeigt jedoch tiefe Widersprüche: Während in Städten wie Accra Mädchen zunehmend Universitäten besuchen, brechen auf dem Land viele ihre Ausbildung ab – wegen früher Heirat (19% vor dem 18. Lebensjahr) aufgrund von Schwangerschaft oder wirtschaftlichen Zwängen. Viele Frauen arbeiten im informellen Sektor ohne Absicherung. Trotz gesetzlicher Verbote existieren weiterhin schädliche Praktiken wie Witwenriten und häusliche Gewalt bleibt tabuisiert. Mit nur 15 Prozent Frauenanteil im Parlament liegt Ghana unter dem afrikanischen Durchschnitt.

Indien: Gegensätze zwischen Moderne und Patriarchat

Indien präsentiert ein extremes Paradox: Trotz weiblicher Regierungschefs leiden Millionen Frauen unter systematischer Diskriminierung und Gewalt. Alle 15 Minuten wird eine Vergewaltigung angezeigt – die Dunkelziffer ist weitaus höher. Die Bevorzugung von Söhnen führt zu selektiven Abtreibungen und einem verzerrten Geschlechterverhältnis. Während städtische Frauen Karriere machen, fehlt vielen Mädchen auf dem Land der Schulzugang. Frauen aus niedrigen Kasten erfahren Mehrfachdiskriminierung aufgrund von Geschlecht, Kaste und Armut.

Marokko: Zwischen Tradition und Reform

Marokko hat bedeutende Reformen angestoßen, bleibt aber patriarchal geprägt. Die Reform von 2004 hob das Heiratsalter auf 18 Jahre an und stärkte Scheidungsrechte – doch der Mann gilt weiterhin als Familienoberhaupt. In Städten wie Casablanca sind berufstätige Frauen keine Seltenheit, auf dem Land liegt aber zum Beispiel die Analphabetenrate von Frauen bei über 50 Prozent. Sexuelle Belästigung ist weit verbreitet, häusliche Gewalt betrifft jede zweite Frau. Nach islamischem Erbrecht erhalten Töchter nur die Hälfte des Anteils ihrer Brüder, was sie wirtschaftlich benachteiligt.

Diese drei Länder zeigen: Die Herausforderungen bezüglich Frauenrechten sind vielfältig und komplex. Was unsere Interviewpartnerinnen dazu zu sagen haben, wie sie die Situation in ihren Heimatländern im Vergleich zu Deutschland einschätzen und welche Hoffnungen sowie Forderungen sie haben – das erfahren Sie in den folgenden Interviews.

Drei Stimmen –  drei Perspektiven

Nabila Brighli (33 Jahre aus Fes, Marokko)

„In Marokko heißt es oft: Der Platz einer Frau ist im Haus, bei den Kindern. Ich habe zunächst als Französisch-Lehrerin gearbeitet, dann eine Ausbildung zur Krankenpflegerin gemacht. Mein Mann lebt noch in Marokko und unterstützt meinen Weg – das ist alles andere als selbstverständlich.

Was mich hier in Deutschland am meisten beeindruckt, ist die Freiheit, die Frauen haben. Sie können selbst über ihr Leben entscheiden, sich frei bewegen, ihre Zeit gestalten. In Marokko braucht man immer eine Begleitperson, egal wohin man geht. Alleine einkaufen oder spazieren gehen – das war für mich anfangs eine enorme Umstellung. Diese Selbstverständlichkeit, einfach die Tür hinter sich zuzumachen und loszugehen, musste ich erst lernen.“

Patience Safoaa (34 Jahre aus Ghana)

„Seit 2017 lebe ich in Deutschland, und es hat mein Leben verändert. Bis ich 20 war, durfte ich nichts selbst entscheiden. Ausgehen, Freundinnen besuchen – unmöglich. Mein Vater war sehr streng. Erst seit ich hier bin, sagt er: Du bist jetzt erwachsen, triff deine eigenen Entscheidungen.

Ich war verheiratet und habe eine kleine Tochter. Der größte Unterschied zu Ghana? Hier können Frauen sich frei bewegen, ohne Angst haben zu müssen. In meiner Heimat werden so viele Frauen geschlagen, aber gesellschaftlich ist es kaum möglich, sich zu trennen – es gilt als Schande. Hier kann man sagen: Es reicht, ich gehe.

Ich bin so dankbar, hier zu sein. Deutschland hat mich stark und selbstbewusst gemacht. In Ghana hätte ich nie alleine irgendwohin gehen können. Heute kaufe ich zwei Tickets, nehme meine Tochter an die Hand und wir fahren wohin wir wollen. Das ist für mich echte Freiheit.“

Angel Maria Albert (20 Jahre aus Kerala, Indien)

„Als Frau in Indien zu leben, ist wirklich schwer. Es gibt so viele Einschränkungen – bei dem, was wir sagen dürfen, wohin wir gehen können, wie wir unser Leben gestalten. In meinem Bundesstaat Kerala haben wir es etwas besser als in anderen Teilen Indiens. Frauen können arbeiten, werden aber deutlich schlechter bezahlt als Männer.

Ich habe großes Glück mit meiner Familie – sie ist liberal und hat mich ermutigt, für mein Freiwilliges Soziales Jahr nach Deutschland zu kommen. Danach möchte ich Krankenschwester werden, und ich hoffe sehr, dass ich hier in Füssen bleiben kann. Was mir am Leben hier gefällt? Wie selbstbestimmt die Frauen sind. Sie treffen ihre eigenen Entscheidungen, sind unabhängig, leben ihr Leben nach ihren Vorstellungen. Das bewundere ich sehr. Dass meine Familie mich unterstützt hat, hierherzukommen, ist ein Privileg – viele Frauen in Indien haben diese Chance nicht.“

Text · Fotos: Sabina Riegger

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