Politik

Jürgen Doser tritt nicht mehr zur Stadtratswahl an

„Sag niemals nie“

18 Jahre Stadtrat – das hinterlässt Spuren. Bei Jürgen Doser auch ein wenig Wehmut: „Klar tut es ein bisschen weh“, sagt er offen. Doch der Rückzug aus der Kommunalpolitik sei kein spontaner Entschluss, sondern das Ergebnis eines längeren Prozesses – beruflich wie privat.

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Auf der einen Seite steht die Firma: die Max Doser GmbH, seit 1910 im Einzugsgebiet Füssen und im benachbarten Tirol ein Begriff für Qualität und Verlässlichkeit in den Bereichen Sanitär, Heizung, Lüftung und Elektro. Eine Firma mit Geschichte – und mit Zukunft. Denn inzwischen stehen zwei Neffen bereit, um das Erbe Jürgen Dosers anzutreten: Jürgen Doser jun., der seit Juni 2021 im Betrieb tätig ist und die kaufmännische Seite übernimmt, und sein Bruder Niklas Doser, frischgebackener Master of Engineering, der seit März fest im Unternehmen angestellt ist und sich auf regenerative Energielösungen spezialisiert.

„Der Generationswechsel ist bereits in vollem Gange“, so Jürgen Doser. Für ihn ist jetzt die Zeit, den Staffelstab weiterzugeben. „Ich will, wenn die Gesundheit es zulässt, dann richtig arbeiten – dann will ich mit meinen Jungs auf die Baustelle.“ Das ist das Bild, das er sich für die nächsten Jahre malt: wieder selbst anpacken, mit den Händen arbeiten, Aufträge abwickeln. Wie er in die Kommunalpolitik kam? Sein Großvater, Träger des Goldenen Ehrenrings der Stadt Füssen, hatte einst bei den Freien Wählern engagiert mitgewirkt.

Doch nach dessen Rückzug klaffte eine Lücke – bis Jürgen Doser selbst den Schritt wagte. Zunächst versuchte er es im Bürgerblock: „Da hat’s mir nicht gefallen.“ Dann lud ihn Anni Derday– eine langjährige Vertraute und politische Mentorin – auf einen Kaffee ein, und die Freien Wähler wurden seine politische Heimat. 

Doch der eigentliche Anstoß war ein konkretes Projekt: Gemeinsam mit Wolf Tramp und Andreas Ullrich erarbeitete er ein detailliertes Wirtschaftlichkeitskonzept zur Erhaltung des Kurhauses. Der Einsatz war enorm. Umso enttäuschender war die Reaktion: „Da haben die uns für das, wo wir ein Jahr dafür gearbeitet haben, maximal drei oder vier Minuten Redezeit gegeben.“ Diese Erfahrung hätte ihn entmutigen können – doch im Gegenteil.  „Jetzt hab ich mir gedacht, so lass ich mich nicht mehr abspeisen. Wenn ich was bewegen möchte, dann muss ich mich halt zum Stadtrat aufstellen lassen.“

Hartnäckig für die Ampel – und für die Stadt 

Gesagt, getan. Als Stadtrat konnte Doser tatsächlich gestalten, mahnen, kämpfen – und manchmal auch siegen. Das Thema, für das Doser wohl am längsten und lautstärksten gestritten hat: die Ampelanlage am Luitpoldkreisel. Jahrelang wurde ihm gesagt, das gehe nicht. Jahrelang ließ er nicht locker. Die Presse begleitete ihn dabei – mit einer Schlagzeile, die er bis heute in Erinnerung hat: „Doser – ein Stadtrat sieht rot.“

Am Ende aber hat sich der Aufwand gelohnt: Die Ampel kam, der Verkehrsfluss verbesserte sich erheblich. Solche Kämpfe kosteten ihn nicht nur Nerven. Durch seinen Einsatz im Stadtrat gab es auch Nachteile für seine Firma.  Aufträge gingen verloren. Doch das war ihm „wurscht“, wie er es mit einer Handbewegung abtut – weil es um mehr ging: um die Einheimischen Füssens, um deren Alltag und Lebensqualität. 

Als weiteren Meilenstein seiner Amtszeit nennt Doser die Entwicklung von Füssen-Nord: Er erinnert an den Morisse-Parkplatz, dessen Erhalt für ihn eine Kernfrage der Innenstadtentwicklung bleibt: „Ohne diesen Parkplatz stirbt die Innenstadt. Das ist meine festeste Meinung.“

Ein Stadtrat, der Parteigrenzen überwand

Über die Jahre und unter verschiedenen Bürgermeistern hat Doser die ganze Bandbreite der Kommunalpolitik erlebt. Die Zeit unter Bürgermeister Paul Iacob empfand er als schwierig: „Da waren die Fraktionen maßgebend, alle anderen waren eigentlich außen vor.“ Unter Maximilian Eichstetter, dem amtierenden Bürgermeister, sei das völlig anders: „Ich habe sechs Jahre praktisch keine Parteizugehörigkeit gemerkt, es ist immer um die Sache gegangen.“

Das findet Doser bemerkenswert – und lobenswert. Er hält Eichstetter für einen Bürgermeister, dem es tatsächlich gelungen ist, das kommunale Ideal zu leben: sachlich, parteiübergreifend, bürgernah. „Was er in den letzten sechs Jahren an Engagement reingesteckt hat, war übermenschlich.“ Dass die Stadt Füssen unter Eichstetters Führung trotz massiver Investitionen von über 168 Millionen Euro in die Infrastruktur gleichzeitig die Schulden von rund 35 Millionen Euro im Dezember 2024 auf 23,9 Millionen Euro Ende 2025 abbauen konnte, ist für Doser ein klares Signal: Hier wird solide regiert.

Dosers persönliche Meinung zur Bürgermeisterwahl am 8. März, bei der Eichstetter gegen den parteilosen Kandidaten Markus Rundt antritt, lässt keinen Zweifel: „Maximilian Eichstetter hat es verdient, noch einmal sechs Jahre Bürgermeister von Füssen zu werden. Da bin ich fest davon überzeugt.“

Aus dem Stadtrat – aber nicht aus der Stadt

Der Rückzug aus dem Stadtrat ist für Jürgen Doser keine komplette Verabschiedung von der Stadtpolitik. „Ich werde meine Meinung weiterhin äußern“, stellt er klar. Die Bürgerfragestunde vor Gesamtstadtratssitzungen etwa sei eine Möglichkeit, weiter Gehör zu finden. Und einen Leserbrief zu schreiben, was ihm als aktiver Stadtrat verwehrt war, gehört nun ebenfalls zu seinen Möglichkeiten.

Ob er eines Tages zurückkehren wird? „Sag niemals nie“, lautet seine Antwort – ganz in der Tradition seines erklärten Lieblingsagenten James Bond. Falls die Gesundheit es zulässt, falls die Neffen die Firma fest in der Hand haben, falls … – dann, sagt er, würde er sich vielleicht noch einmal zur Verfügung stellen. Aber das ist Zukunftsmusik. 

Im Hier und Jetzt gilt: Füssen verliert mit Jürgen Doser einen Stadtrat, der Parteigrenzen überwunden, unbequeme Wahrheiten ausgesprochen und sich für die Belange der Einheimischen eingesetzt hat. Eine seltene Kombination – sowohl in der Kommunalpolitik als auch anderswo.

Text · Foto: Sabina Riegger

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