
Herausforderung angenommen
Corina Zimmermanns Weg zur Weinfachfrau
Wie viel Energie in Corina Zimmermann steckt, zeigt sie immer wieder aufs Neue. Dabei ist sie alles andere als jemand, der gerne im Rampenlicht steht – doch ihr Beruf bringt dies mit sich. Dass sie einmal eine Weinausbildung absolvieren würde, hätte sie selbst nicht gedacht. Doch das Leben ändert sich, und plötzlich steht man vor Herausforderungen, die man entweder annimmt oder ausschlägt. Corina Zimmermann hat sie angenommen.
Sie absolvierte die Ausbildung zur Weinfachfrau IHK und parallel dazu den WSET® (Wine & Spirit Education Trust) Level 3 – eine weltweit anerkannte Qualifikation im Bereich Weine und Spirituosen, die in über 60 Ländern angeboten wird. Ihre Ausbildung machte sie in Koblenz. „Die Ausbildung ist ganz schön knackig“, erzählt sie.
Präsenzunterricht, Facharbeit und intensives Selbststudium verlangten ihr viel ab. „Mit 43 Jahren lernt es sich nicht mehr so leicht wie in jungen Jahren“, gibt sie zu. Neben Kindern, Haushalt und ihrem ganztägigen Job im Familienbetrieb „Getränke Zimmermann“ musste sie ein ausgeklügeltes Zeitmanagement entwickeln. Von acht Teilnehmern schafften vier die Prüfung – Corina Zimmermann mit der Note 2.
Sie kennt nun das Zusammenspiel von Wetter und geografischer Lage der Anbaugebiete und kann Weine „lesen“, wie es Kenner ausdrücken. Ihre Qualifikation befähigt sie, Weine präzise zu bewerten und deren Stil und Qualität kompetent zu erläutern. „Gregor sagte oft: ‚Du hast einen wirklich bewundernswerten Gaumen'“, erzählt sie im Gespräch.
Gregor Lang war langjähriger Mitarbeiter des Familienbetriebes. Er kaufte die Weine ein, entdeckte neue Winzer und erweiterte das Sortiment um eine ganze Fachabteilung – die Weine. Corina Zimmermann unterstützte ihn organisatorisch. „Als Gregor krank wurde, stellte sich zunächst noch nicht die Frage, wer die Weine einkauft, wer sich um die Kunden kümmert, wer die Winzer und Messen besucht. Erst einige Zeit später haben wir gemeinsam entschieden, dass ich dieses Ressort übernehmen soll.“ Unterstützung bekam die zweifache Mutter nicht nur von den Mitarbeitern, sondern auch von ihrem Mann und ihrem Schwager, die ihr immer wieder Mut zusprachen: „Das schaffst du schon.“
Jetzt kann sie durchatmen, sich freuen und nach vorne blicken. Neue Projekte warten bereits. Damit hat sie Erfahrung. Denn aus psychologischer Sicht betrachtet ist jeder Lebensabschnitt ein Projekt – zeitlich begrenzt, mit Anfang und Ende.
Corina Zimmermann lernte medizinisch-technische Assistentin und arbeitete in der Notaufnahme im Krankenhaus in Füssen. Hätte sie ihren Mann nicht kennengelernt, wäre sie womöglich im Kantonspital Zürich gelandet, von dem sie ein Angebot bekam. Dass es anders kam, ist für die Allgäuerin kein Grund zum Bedauern, im Gegenteil. „Es gibt nichts, was ich bereuen würde. Mir gefällt meine Arbeit. Ich habe wunderbare Menschen um mich herum, und wenn ich etwas entscheide, dann gehe ich auch den Weg. Dann heißt es: nach vorne blicken und nicht zurückschauen“, sagt sie zufrieden.
Ihre Berufswelt ist jetzt eine andere. „Es ist sehr interessant und vielfältig“, beschreibt sie ihren Job, der nicht nur Einkauf und Verkauf bedeutet, sondern auch die Entwicklung von Marketingmaßnahmen. In diesem Bereich hat sie bereits einige Erfahrung gesammelt. Vor einigen Jahren entwickelte sie die Etiketten der Eigenproduktionen neu – mit großem Erfolg bei den Kunden.
Wie in vielen Branchen hat sich auch hier einiges verändert. Der Konsum hat sich gewandelt. „Die jungen Menschen gehen bewusster mit Alkohol um“, beobachtet Corina Zimmermann. „Man genießt bewusst und achtet auf die Qualität des Getränkes“, weiß die Weinfachfrau.
Ihr nächstes Projekt steht bereits in den Startlöchern: die Weinconvention, die dieses Jahr stattfindet und ihre Handschrift tragen wird.
Text: Sabina Riegger · Foto: Francesco Paratore



