Kultur

Das Museum der bayerischen Könige

In Hohenschwangau, dem Ort der Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau, verdichten sich Geschichte, Mythos und Landschaft auf einzigartige Weise. Neuschwanstein ließ die Träume des wohl berühmtesten bayerischen Königs, Ludwig II., Wirklichkeit werden; Schloss Hohenschwangau hingegen war seine Kinderstube. Bereits im 12. Jahrhundert befand sich hier der Sitz der Ritter von Schwangau. König Maximilian II. ließ die mittelalterliche Burgruine im 19. Jahrhundert als Rückzugsort sowie als Jagd- und Sommerresidenz für seine Familie aus- und umbauen. Sein Geschichtslehrer bezeichnete die Burg als die „Morgen- und Abendröte der Sagen und Legenden“. Wer sich bei einer Sonderführung ganz auf die Bildwelten und Geschichten des Schlosses einlässt, mag ihm zustimmen.

So sehr die privaten Gemächer der ehemaligen königlichen Residenzen ihre Besucherinnen und Besucher in vergangene Zeiten versetzen, so sehr bleiben die Menschen hinter der Geschichte dort oft nur schemenhaft. Die Verbindung zwischen historischen Orten und Objekten, ihren einstigen Bewohnern und den Persönlichkeiten dahinter herzustellen, war und ist daher das zentrale Anliegen des Museums der bayerischen Könige. Bereits der Gebäudekomplex selbst erzählt davon: Knapp hundert Jahre vor dem Bau Neuschwansteins entstand am Ufer des Alpsees der Gasthof „Neues Bräuhaus“, der Reisenden zur Rast diente. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er – nicht zuletzt durch die Anwesenheit der königlichen Familie und ihrer hochadeligen Gäste – zum „Gasthof zur Alpenrose“ erweitert. Die nahezu unberührte Naturkulisse aus Bergen und See trug maßgeblich dazu bei, das Zeitalter des Fremdenverkehrs einzuläuten.

Mit dem Tod Ludwigs II. und der Öffnung seiner Schlösser erlangte Hohenschwangau internationale Bekanntheit. 1904 wurde der Gasthof Alpenrose daher zu einem Hotel ausgebaut. Nach den beiden Weltkriegen, in denen das Gebäude zeitweise als Lazarett und Flüchtlingsunterkunft diente, folgte jedoch eine lange Phase des Stillstands. Erst 2011 erwachte das ehemalige Grandhotel zu neuem Leben: In den historischen Räumen wurde im September desselben Jahres das Museum der bayerischen Könige eröffnet. Der ehemalige Speisesaal dient heute als Foyer des Museums; über ihm erhebt sich das rote Tonnengewölbe des mehrfach ausgezeichneten Neubaus. Ein großes Panoramafenster eröffnet den Blick auf Alpsee und Schloss Hohenschwangau und verbindet Natur und Architektur. Die Ausstellung ist eine wahre Schatzkammer: Der vergoldete Nibelungen-Tafelaufsatz von 1842, ein Hochzeitsgeschenk für Ludwigs Eltern, der die sagenhafte Doppelhochzeit von Worms zeigt, ist ebenso ein Glanzstück wie der Großmeistermantel des Kgl. Bayer. Hausritterordens vom Hl. Georg, den Ludwig II. 1880 anfertigen ließ.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Menschen, allen voran Maximilian II. und sein Sohn Ludwig II., deren Bau- und Kunstschaffen ebenso thematisiert wird wie die Wirtschafts- und Sozialpolitik im Industriezeitalter. Zugleich treten weitere Familienmitglieder aus dem Schatten der Geschichte. Marie von Preußen, Mutter Ludwigs II., war eine leidenschaftliche Bergsteigerin; gezeigt werden unter anderem ihr Entwurf für ein Damen-Bergsteigerkostüm sowie der von ihr gestiftete Alpenrosen-Orden. Auch Prinzessin Therese von Bayern, Tochter des Prinzregenten Luitpold und als einzige Frau Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, wird vorgestellt. Luitpold und sein Sohn, der letzte König Bayerns, Ludwig III., stehen exemplarisch für eine Epoche des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs.

Der letzte Ausstellungsteil führt in die Zeit nach dem Ende der Monarchie und folgt den Schicksalen der Familie bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Aus dieser Epochenschwelle ging 1923 der Wittelsbacher Ausgleichsfonds hervor, eine Stiftung, die sich ausschließlich aus eigenem Vermögen finanziert und bis heute zentrale Zeugnisse der Dynastie bewahrt. Dazu zählen bedeutende Kunstsammlungen, Schlösser in Berchtesgaden und Hohenschwangau sowie die Grablegen der Wittelsbacher in den Münchner Kirchen St. Michael und St. Kajetan. Auch die späteren Jahre bleiben nicht ausgespart: Die Ausstellung thematisiert das schwere Schicksal einzelner Familienmitglieder während des Zweiten Weltkriegs und spannt damit den Bogen bis in die jüngere Geschichte. Ergänzt wird dieser Blick durch Sonderausstellungen, Führungen, Vorträge und Konzerte, die Hohenschwangau auch in den Abendstunden beleben.

Text: Louise-H. Meinicke, Kulturvermittlerin im
Museum der bayerischen Könige
Foto: Hubert Riegger

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