
100 Jahre Tiroler Zugspitzbahn
Ein Theaterstück von Claudia Lang-Forcher
„Denn das, was uns heute selbstverständlich erscheint, ist dem Mut, der Visionskraft und dem Verhandlungsgeschick des Wirtschafts-Pioniers Dr. Hermann Stern zu verdanken, dessen Schicksal unauflöslich mit der Entstehung der Tiroler Zugspitzbahn verwoben ist.“
Claudia Lang-Forcher ist es in ihrem ambitionierten Theaterstück gelungen, eine spannende Mischung aus historischen Fakten und dem bewegten Lebenslauf des Reuttener Rechtsanwaltes Dr. Hermann Stern auf die Bühne zu bringen. Ein besonderes Anliegen der Autorin ist es, ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen, denn Dr. Stern war während des Nationalsozialismus bösartigen Verfolgungen und niederträchtigen Verleumdungen ausgesetzt. So wurde ihm auch während der Nazi-Diktatur die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Ehrwald aberkannt.
Dr. Hermann Stern ist in Bozen geboren als Kind einer alteingesessenen Südtirolerin (Gertrud Lechthaler) und Johann Joachim Stern, der aus Böhmen stammte und vom jüdischen Glauben zum Christentum übertrat. In der verblendeten Rassenlehre der Nazis galt Dr. Hermann Stern trotz seiner Tiroler Herkunft deswegen als Halbjude.
Dr. Hermann Stern war ein Impulsgeber und Visionär. Er wirkte bei der Ansiedlung der Planseewerke in Breitenwang mit, trieb die Bahnverbindung des Außerferns an das Inntal voran und erkannte die Notwendigkeit der Verfügbarkeit von genügend Strom. So engagierte er sich auch bei den Elektrizitätswerken Reutte. Als Rechtsanwalt in Reutte deckte er die illegale Hortung von Zucker im Jahr 1919 auf.

1998 widerrief die Gemeinde Ehrwald ausdrücklich die Entziehung der Ehrenbürgerschaft. 2017 installierte die Marktgemeinde Reutte in seinem ehemaligen Wohnhaus eine Gedenktafel.
Jedoch war der Bau einer Seilbahn auf die Zugspitze sein wirtschaftliches Hauptprojekt. Während andere dieses Projekt für technisch undurchführbar hielten, ahnte Stern jedoch die Attraktivität der Planungen und räumte alle Steine bei der Umsetzung aus dem Weg. Dr. Stern spürte – hier entstand eine Weltsensation. Voll und ganz stellte er sein Leben in den Dienst dieses Vorhabens. Doch in Franz Hofer, ab 1932 Nazi-Gauleiter von Tirol, hatte Dr. Stern einen persönlichen Erzfeind, der keine Gelegenheit ausließ, Dr. Stern das Leben schwer zu machen. Nach 1938 wurde die Wohnung seiner Frau in Innsbruck beschlagnahmt, seine Zulassung als Rechtsanwalt wurde entzogen, die Büroräume in Reutte wurden beschlagnahmt. Es schloss sich eine 15-monatige, willkürliche Inhaftierung an. Schließlich wurde Dr. Hermann Stern nach Nürnberg vertrieben, von wo aus er um seine Rehabilitation kämpfte, was jedoch erst nach dem Ende der Nazi-Diktatur gelang.
Claudia Lang-Forcher betreut die Umsetzung ihres Theaterstücks auch als Regisseurin und kann dabei die ganze Palette ihres Könnens einsetzen. Getragen wird die Aufführung von dem vielseitigen, engagierten Ensemble der „Kulissenschieber Ehrwald”, die „Feuer und Flamme” sind.
Der Fahrplan steht: Seit Jahresbeginn werden die Rollen des Stückes besetzt, es folgt ein Workshop mit den Schauspielern und ab März 2026 geht es in die Probenarbeit. Auch der Termin für die Premiere ist schon fix. Es ist der 5. Juli 2026 in Ehrwald, den man für dieses einzigartige Ereignis reservieren sollte.
Text: FA/rie/eg · Fotos: Elisabeth Wintergerst



